Strabag setzt elektrische Baumaschinen auf der Baustelle in Oberhausen ein

Im Zuge der Umwandlung einer bestehenden Bodenbehandlungsanlage in Oberhausen hat das Bauunternehmen Strabag das Konzept eines teilweise elektrischen Baustellens umgesetzt und es unter realen Bedingungen getestet. Zu den eingesetzten Geräten gehörten elektrische Bagger, elektrische Straßenbelagsmaschinen sowie ein mobiles Batteriespeichersystem.
Das Sortiment an elektrischen Baumaschinen wächst weiter, wie im vergangenen Jahr auf der führenden Messe Bauma in München gezeigt wurde. Vollständig elektrische Baustellen – sowie die dafür benötigten Maschinen und Ausrüstungen – sind in Deutschland jedoch noch nicht vorhanden. Laut der Technischen Universität München, die am neuen Forschungsprojekt ForBat@Bau beteiligt ist, wurden bisher lokale, emissionsfreie und energieeffiziente Durchbrüche auf Baustellen vor allem durch mangelnde Zusammenarbeit und fehlende optimierte Prozesse unter den verschiedenen Beteiligten behindert.
Für Strabag, eines der größten Bauunternehmen Europas, ist die Einsetzung mehrerer Elektromaschinen an einem einzigen Bauplatz nach wie vor eine Seltenheit. Dennoch hat das Unternehmen nun einen teilweise elektrischen Bauplatz in Oberhausen getestet. Ziel sei es gewesen, die technische Leistungsfähigkeit elektrischer Baumaschinen unter realen Bedingungen zu bewerten und wertvolle praktische Erkenntnisse für zukünftige Anwendungen zu sammeln, so das Unternehmen.
Insbesondere wurden elf vollständig elektrische Baumaschinen bei der Renovierung einer Bodenverarbeitanlage eingesetzt, in der Abbruchmaterialien aus Gebäudeabrissen zu Materialien für den Straßenbau recycelt werden. Nach der Modernisierung wird die jährliche Verarbeitungskapazität der Anlage von 120.000 Tonnen auf 350.000 Tonnen steigen.
Zu den elf elektrischen Maschinen gehörten unter anderem ein 25-Tonnen-Bagger (Hersteller unbekannt), ein batterieelektrischer Radlader (Modell L 507 E von Liebherr), eine mobile Kraneinheit (ebenfalls von Liebherr) sowie ein Straßenbelagungsgerät (Hersteller unbekannt) – alle vollständig elektrisch angetrieben. Der batterieelektrische mobile Kraneinsatz wurde beispielsweise verwendet, um zwei vorgefertigte Betonschächte mit integrierten Lamellentrennern zur Oberflächenwasseraufbereitung zu platzieren. Um eine stabile Stromversorgung für die elektrischen Baumaschinen zu gewährleisten und Spitzenlasten zu verringern, wurde ein mobiles Batteriespeichersystem mit einer Kapazität von 153 kWh eingesetzt.

„Wir bauen hier nicht nur eine Bodenbehandlungsanlage – wir brechen Vorurteile. Mit diesem elektrischen Baustellengelände zeigen wir, dass elektrische Mobilität bereits eine praktische Realität in der Bauindustrie ist. Erfahrungen vor Ort auf der Baustelle sind überzeugender als jede Theorie“, sagte Robert Kucza, Nachhaltigkeitsexperte der Strabag-Niederlassung in Nordrhein-Westfalen.
Laut Strabag zeigen die Testergebnisse, dass schwere elektrische Baumaschinen bereits Leistungslevel erreichen, die mit denen herkömmlicher Dieselmaschinen vergleichbar sind – bei geringerem Baulärm und keiner lokalen CO₂-Emission. Obwohl die Anschaffungskosten weiterhin höher sind als bei Dieselmaschinen, werden sie teilweise durch niedrigere Betriebskosten ausgeglichen. So konnten beispielsweise die Energiekosten auf dem Werksgelände in Oberhausen um etwa 90 Prozent gesenkt werden. Auch die Wartungskosten sind deutlich niedriger als bei Maschinen mit Dieselantrieb.
Doch Strabag weist darauf hin, dass es weiterhin Herausforderungen für eine breite Einführung gibt: Vollständig elektrische Baumaschinen sind noch nicht in allen Größen und für alle Anwendungen verfügbar. Zudem wird die Möglichkeit, auf Baustellen eine leistungsstarke Ladeinfrastruktur einzurichten, oft durch die Lage eingeschränkt. Infolgedessen wählte Strabag für den Standort Oberhausen letztendlich einen praktischen hybriden Ansatz und setzte Maschinen ein, die mit HVO100 betrieben werden. HVO100 wurde außerdem als Dieselersatz für den Logistiktransport verwendet.