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Politik

Schluss nach 700 E-Bussen: Bolloré zieht bei Bluebus den Stecker

Schluss nach 700 E-Bussen: Bolloré zieht bei Bluebus den Stecker

Der französische Mischkonzern Bolloré hat beschlossen, die Produktion von Elektrobussen seiner Tochter Bluebus einzustellen. Grund laut Bolloré: Bluebus hat nie die erforderliche Größe erreicht, um ernsthaft mit etablierten Anbietern zu konkurrieren. Zugleich werden die Aktivitäten der Batteriesparte Blue Solutions neu ausgerichtet.

Ein Bluebus in der 12-Meter-Version

Bild: Bluebus

Der in Deutschland nur in Fachkreisen bekannte Elektrobus-Hersteller Bluebus stellt seinen Betrieb ein und wird keine Fahrzeuge mehr bauen. Damit endet eine zunächst als Erfolgsgeschichte anmutende Unternehmung 15 Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 2011. In dieser Zeit hat Bluebus knapp 700 Elektrobusse (6 Meter und 12 Meter) ausgeliefert, die an rund 60 ÖPNV-Betreiber gingen – fast alle in Frankreich, abgesehen vom Kunden MIVB/STIB in der belgischen Metropole Brüssel.

Die wichtigsten Aufträge kamen dabei vom Pariser RATP – und wurden Bluebus später zum Verhängnis: Nachdem im Frühjahr 2022 einer der E-Busse das zweite Mal innerhalb eines Monats in Brand geraten war, legte RATP vorübergehend alle 149 Einheiten von Bluebus im Fuhrpark still – plus später gelieferte Einheiten, so dass insgesamt 232 E-Busse von Bluebus lange Zeit nicht mehr genutzt wurden. Erst 2024 nahm RATP die Elektrobusse nach Reparaturen pünktlich zu den Olympischen Spielen in Paris wieder in Betrieb.

Fehlerhafte Isolationen führten zu Bränden

Die langwierigen Untersuchungen der Vorfälle hatten in der Zwischenzeit Kurzschlüsse durch fehlerhaft montierte Isolationen in Batterien der E-Busse als Ursache für die Brände ausgemacht. Das war ein schwerer Schlag für Bluebus und den gesamten Bolloré-Konzern – denn zuvor waren die Akkus das Aushängeschild der E-Busse gewesen. Schließlich waren die Batterien inhouse von Schwesterfirma Blue Solutions entwickelt und produziert worden. Dabei handelte es sich um schon kommerzialisierte Feststoffakkus auf Basis von Bollorés Lithium-Metall-Polymer-Technologie (LMP). Ein früheres electrive-Interview zu dieser frühen Vorreiterschaft der Franzosen und zu den Details der Batterieplattform können Sie hier nachlesen.

Klar ist: Die E-Busse von Bluebus sollte eigentlich als rollendes Schaufenster für diese Batterietechnologie dienen – doch nach den beiden Bränden und den Ergebnissen der Ermittlungen war die Reputation sowohl von Bluebus als auch Blue Solutions beschädigt und es wurde deutlich schwieriger, an Aufträge zu gelangen.

Bluebus hat nicht erforderliche Größe erreicht

Auch wenn Bolloré diese Vorfälle in seiner aktuellen Bekanntmachung nicht beim Namen nennt, so kann man doch davon ausgehen, dass sie ihren Anteil daran hatten, dass der Konzern nun die Reißleine zieht. Als offizielle Begründung für das Ende von Bluebus nennen die Verantwortlichen, dass das Unternehmen nie die erforderliche Größe für einen effektiven Wettbewerb mit anderen Branchenakteuren erreicht habe.

Während Bluebus die Produktion der E-Busse einstellt und dabei 74 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren, soll ein kleines Team erhalten bleiben, dass sich um die Wartung der ausgelieferten rund 700 Fahrzeuge kümmert. Die Forschung und Entwicklung mit 17 Mitarbeitern wiederum will Bolloré aber an ein namentlich noch nicht genanntes europäisches Unternehmen verkaufen, das für den ÖPNV aktiv ist. Der Deal steht offenbar kurz vor dem Abschluss.

Zukunft für Batteriesparte Blue Solutions

Während das Busgeschäft mangels Skaleneffekten eingestellt wird, will Bolloré seine Batteriesparte Blue Solutions fortführen und diese voll auf die Entwicklung der kommenden vierten Generation (Gen4) ausrichten. Diese Feststoffzellen sollen bei Raumtemperatur arbeiten, ultraschnelle Ladezeiten (weniger als 20 Minuten), 40 Prozent mehr Reichweite und ein besseres Sicherheitsniveau bieten. Auch plant Blue Solutions weiterhin bis 2029 mit einer Gigafactory für solche Batteriezellen. Um dieses kapitalintensive Vorhaben zu stemmen, sucht das Unternehmen nun aber nach einem strategischen Investor.