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Sonstiges

Schaeffler will knapp 3.500 Stellen streichen

Schaeffler will knapp 3.500 Stellen streichen

Der Automobilzulieferer Schaeffler will in Deutschland rund 2.660 Arbeitsplätze streichen und im restlichen Europa weitere rund 800 Stellen. Die Maßnahme ist Teil eines "Ergebnisverbesserungsprogramms", mit dem Schaeffler jährlich rund 300 Millionen Euro sparen will. Der Sparkurs hat auch mit Elektromobilität zu tun.

Image 1: Schaeffler symboldbild

Bild: Schaeffler

Mit den Maßnahmen reagiert Schaeffler auf die Krise der Automobilbranche in Europa. Konkret nennt das Unternehmen die rückläufige Marktentwicklung und zunehmende Wettbewerbsintensität durch eine abgeschwächte Nachfrage im Geschäft mit Verbrennerfahrzeugen und einen verzögerten Hochlauf der Elektromobilität. Hinzu kommen laut Schaeffler aber auch die überdurchschnittlich hohen Personalkosten pro Kopf in Deutschland und die hohe Komplexität der Organisation mit zu vielen Führungsebenen und zu geringen Führungsspannen.

Heißt konkret: Mit E-Mobility verdient Schaeffler noch kein Geld, vielmehr wies die entsprechende Sparte des Unternehmens für die ersten neun Monate des Jahres eine negative EBIT-Marge von 14,8 Prozent, der Verlust nach EBIT-Verfahren belief sich in dem Segment auf 571 Millionen Euro. Im E-Auto-Zuliefergeschäft führt Schaeffler die Rückgänge bei europäischen Autoherstellern im chinesischen Markt an, unter denen das Unternehmen leidet. Dabei ist Schaeffler in der Elektromobilität durchaus mit viel Engagement unterwegs, wie unsere Video-Reportage vom Schaeffler Automotive Symposium in Bühlaus dem Sommer zeigt.

Schauen wir nun auf den geplanten Stellenabbau: Rund 50 Prozent betreffen dabei die Produktion, 30 Prozent den Bereich Forschung und Entwicklung und 20 Prozent weitere Funktionsbereiche. Von den Kürzungen sind insgesamt 16 Standorte in Europa betroffen. Fünf Standorte, davon vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden.

Schließung von Standorten u.a. in Berlin und Dortmund

Dazu gehören das Werk in Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten sowie der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden, die beide zur Sparte Powertrain & Chassis gehören und Produkte für Verbrennungsmotoren herstellen. Zudem plant Schaeffler, die Aktivitäten am Standort Berlin mit etwa 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach aufzugeben. Ein Großteil der in Schwalbach rund 385 Beschäftigten soll an den Schaeffler-Standort in Frankfurt wechseln. Insgesamt sind rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.

Weiterhin will Schaeffler die Aktivitäten im Werkzeugbau am Standort Höchstadt einstellen sowie im Sondermaschinenbau an den Standorten Erlangen und Schweinfurt Anpassungen vornehmen. Zudem sind weitere Stellenkürzungen an deutschen Standorten wie Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg geplant.

Der geplante Abbau von 2.660 Stellen in Deutschland bedeutet eine Kürzung von rund neun Prozent der aktuell noch knapp 32.000 Stellen in Deutschland. Bezieht man jedoch den aus frühen Sparprogrammen und den bereits unterzeichneten 1.800 Altersteilzeitverträgen resultierenden Stellenabbau mit ein, erhöht sich der Prozentsatz auf rund 18 Prozent.

Komplexität der Organisation reduzieren

Zugleich will Schaeffler sein Management umbauen: Mindestens zwei der bislang sieben Hierarchieebenen unterhalb des Vorstands sollen wegfallen, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Eine konkrete Zahl nennt Schaeffler hierzu zwar nicht, spricht in seiner Pressemitteilung aber davon, „die Komplexität der Organisation zu reduzieren“. Zuvor hatte der Aufsichtsrat bereits im Frühjahr beschlossen, den Vorstand selbst auf acht Personen zu verkleinern, in dem die Aufgabenbereiche Forschung und Entwicklung sowie Produktion, Lieferkettenmanagement und Einkauf zusammengelegt werden.

Neben der Weiterentwicklung des Kerngeschäfts als Automobilzulieferer sieht Schaeffler auch vielversprechende Wachstumschancen in Zukunftsfeldern, vor allem in den Bereichen Humanoide Robotik und Verteidigung. „Hierbei können wir auf technologisches Know-how zurückgreifen, das wir im Kerngeschäft entwickelt haben“, sagt Produktionsvorstand Jochen Schröder.