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Sachsens Ministerpräsident entwirft Zukunftsidee für VW-Werk Zwickau

Sachsens Ministerpräsident entwirft Zukunftsidee für VW-Werk Zwickau

Der Fortbestand von Volkswagens Elektroauto-Werk Zwickau steht auf der Kippe. Laut „Zukunftsplan“ des Konzerns soll es voraussichtlich nicht in VW-Hand bleiben. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat nun der Staatskanzlei ein Konzept vorgelegt –mit dem Kernvorschlag, die Fabrik in den Besitz einer neuen Gesellschaft zu bringen.

Image 1: Volkswagen id3 gtx fireice produktion zwickau

Bild: Volkswagen

Der sächsische Ministerpräsident will mit Blick auf das gefährdete VW-Werk in Zwickau mit derzeit rund 8.000 Mitarbeitenden nicht in Passivität verharren. Deshalb hat Michael Kretschmer der Staatskanzlei nun laut der FAZ einen Vorschlag unterbreitet, der die Übernahme der Fabrik durch eine neu zu gründende Auto Union Sachsen GmbH vorsieht. Unter dem Dach dieser Gesellschaft sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um das Werk „zu einem der wettbewerbsfähigsten und innovativsten Automobilstandorte Europas“ zu entwickeln.

Um international wettbewerbsfähig zu werden, müssten die Beschäftigten beim Übergang von Volkswagen Sachsen in die Auto Union Sachsen aber zumindest mittelfristig Abstriche machen, berichtet die FAZ weiter. „Wettbewerbsfähigkeit heißt, wir müssen zu den gleichen Produktionskosten wie in Bratislava oder Breslau kommen“, präzisiert Kretschmer. Mit seinem Aufschlag wolle er für Diskussionen sorgen und einen Impuls setzen, auch bei den Gewerkschaften.

Hintergrund ist, dass das Volkswagen-Management einen massiven Sanierungsplan verfolgt, der in großen Teilen inzwischen auch vom VW-Aufsichtsrat unterstützt wird. In diesem Zuge sollen bis 2030 etwa 100.000 Stellen wegfallen. Und fürEmden, Zwickau und Hannoversowie das Audi-Werk Neckarsulm gibt es für den Zeitraum ab 2031 bis 2034 keine gesicherte Folgebelegung mehr. Gerade Zwickau und Emden spielen bislang eine wichtige Rolle in der Elektroauto-Produktion des Konzerns. Die Belegschaft in Zwickau produziert den VW ID.3, VW ID.4 und VW ID.5 sowie den Cupra Born und den Audi Q4 e-tron. Im Werk Emden laufen der VW ID.4, VW ID.7 und der VW ID.7 Tourer vom Band.

Gleichzeitig fährt Volkswagen seine Zukunftsinvestitionen nicht grundsätzlich zurück, sondern strukturiert sie stärker über Partnerschaften. Erst Ende September vertiefte der Konzern etwa dieZusammenarbeit mit Gotionbei drei Batterieprojekten in Spanien, der Slowakei und Marokko. Insgesamt geht es dort um Investitionen von rund 3,22 Milliarden Euro, die auf mehrere Gemeinschaftsunternehmen verteilt werden.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zoomt mit seinem Vorstoß nun auf die Lage in Zwickau – und will ihn als Diskussionsgrundlage verstanden wissen: „Das ist ein Vorschlag, um in die Diskussion zu kommen“, so Kretschmer gegenüber der FAZ. Sein Konzept sehe bewusst vor, die Beschäftigten stärker in die Pflicht zu nehmen, heißt es in dem fünfseitigen Papier. Kretschmer betont, die Kollegen in Zwickau hätten längst verstanden, dass sich etwas ändern muss. In den vergangenen Wochen habe er sich auch mit den Betriebsräten ausgetauscht.

Einen Einstieg des Landes Sachsen bei der Auto Union Sachsen strebt Kretschmer übrigens nicht an und verweist auf die Beteiligung des Landes Niedersachsen am Volkswagen-Konzern, was aus seiner Sicht in den vergangenen Jahren zu keinen guten Entscheidungen geführt habe. „Das wollen wir mit der Auto Union Sachsen nicht wiederholen. Es muss schon darum gehen, dass die private Wirtschaft die Dinge vorantreibt“, so Kretschmer.

Die IG Metall begrüßt der Zeitung zufolge grundsätzlich das Engagement des Ministerpräsidenten, lehnt jedoch jegliche Einmischung der Politik in die Tarifautonomie ab. Volkswagen Sachsen wollte auf Anfrage der Zeitung keinen Kommentar abgeben.