Renault tritt mit Bodenfahrzeugen in die Armee ein. Das unbemannte Bodenfahrzeug Forefront mit einer Reichweite von 400 km und ohne Fahrer

In diesem Artikel:
- Renault entwickelt ein militärisches Elektrofahrzeug ohne Fahrerkabine.
- Forefront hat eine Reichweite von 400 km und eine Tragfähigkeit von bis zu einer Tonne Ladung.
- Die französische Armee wird das Fahrzeug in Übungen auf dem Übungsplatz testen.
Renault will einen neuen Marktsegment erschließen
Es ist kaum zu glauben, dass ein Hersteller von Modellen wie Clio, Megane oder Scenic ein unbemanntes Fahrzeug für militärische Einsätze vorstellt. Dennoch haben Renault Group sowie das belgische Rüstungsunternehmen John Cockerill den Forefront Concept vorgestellt – eine Plattform, die als neue Generation eines Bodendrohnenystems bezeichnet wird, das in den schwierigsten Bedingungen eingesetzt werden kann. Laut den Herstellern soll das Fahrzeug sowohl in militärischen Operationen als auch bei zivilen Aufgaben in Gebieten mit erhöhtem Risiko Verwendung finden.
Das auffälligste Merkmal der Konstruktion ist das völlige Fehlen einer Fahrerkabine. Forefront wurde als ferngesteuertes Fahrzeug konzipiert und soll in Zukunft auch in der Lage sein, sich selbstständig in komplexem Gelände fortzubewegen. In der Praxis ermöglicht dies es, solche Maschinen dorthin zu schicken, wo eine menschliche Anwesenheit ein hohes Risiko mit sich bringen würde – so bewerten Branchenexperten.
Zwei Motoren und Allradantrieb
Die Konstruktion basiert auf einer relativ einfachen, aber sehr funktionalen Architektur. Der Forefront verfügt über zwei Elektromotoren, Allradantrieb sowie ein System zur Steuerung aller Räder. Diese Lösung soll eine hohe Mobilität sowie die Fähigkeit zum Überwinden von Hindernissen in schwierigem Gelände gewährleisten.

Der Hersteller gibt eine Reichweite von etwa 400 Kilometern an. Wichtig ist, dass das Fahrzeug mit einem zusätzlichen Range Extender ausgestattet werden kann, der die Einsatzfähigkeit bei langandauernden Missionen erhöht. Renault hat jedoch weder die Parameter der Antriebsbatterie noch Details zur zusätzlichen Energiequelle preisgegeben. Ein weiterer wichtiger Vorteil soll die nahezu geräuschlose Funktionsweise des Elektroantriebs sein. Im militärischen Umfeld kann die Lärmreduzierung die Effektivität von Aufklärungs- und Logistikoperationen steigern – so betont der Hersteller.
Nicht nur für das Militär
Forefront wurde für den Transport von Ausrüstung, Evakuierungen sowie zur Unterstützung von Aufklärungsaktionen konzipiert. Seine Tragfähigkeit soll eine Tonne erreichen. Renault und John Cockerill weisen außerdem auf die Möglichkeit hin, die Plattform in Drohnenabwehroperationen, Feuerunterstützungsmissionen oder Logistikaufgaben einzusetzen.

Die Entwickler des Projekts betonen jedoch, dass die Anwendungen nicht auf das Kampffeld beschränkt sind. Der unbemannte Fahrzeug kann in Rettungsdiensten, bei der Bevölkerungsschutzarbeit oder in der Industrie eingesetzt werden. Er könnte Ausrüstung in Katastrophengebiete transportieren, die Evakuierung von Betroffenen unterstützen oder Aufgaben an Orten erledigen, die für Mitarbeiter gefährlich sind.
Automobilindustrie trifft Robotik
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Nutzung fertiger Automobiltechnologien. Renault betont, dass die Plattform auf bewährten Automobilkomponenten basiert, was die Entwicklungszeit verkürzen und die Implementierungskosten senken soll. Laut dem Konzern wurden die Ansätze „Design-to-Cost“ und „Design-to-Manufacturing“ angewandt, also eine von Anfang an auf kostengünstige und serienmäßige Produktion ausgerichtete Konzeption.
„Der Forefront Concept verbindet die Erfahrung der Renault Group im Design und in der Industrialisierung mobiler Plattformen mit dem operativen Know-how von John Cockerill im Verteidigungssektor“, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Unternehmen. Das Ergebnis soll ein Fahrzeug sein, „das in komplexem Gelände autonom fahren kann und gleichzeitig zu kontrollierten Kosten schnell implementiert und produziert werden kann“.
Teste in der Armee stehen bevor
Es handelt sich derzeit um ein Konzeptfahrzeug, doch das Projekt befindet sich bereits in der Phase der praktischen Überprüfung. Forefront wurde in Zusammenarbeit mit den französischen Streitkräften entwickelt, die eine Reihe von Übungen und operativen Tests durchführen werden. Die Ergebnisse dieser Tests werden zeigen, ob das Konzept die Chance hat, zu einem vollwertigen Produkt zu werden, das von der Armee eingesetzt wird.
Oskar Włostowski