Vorabblick: Innovationen bei Elektro-Lkw auf der IAA Transportation

Bemerkenswerterweise sind etwa ein Drittel der Aussteller Erstteilnehmer (im Jahr 2024 lag dieser Anteil noch bei einem Viertel). Die IAA bleibt hochgradig international: Laut den Organisatoren beträgt der Anteil ausländischer Aussteller 70 Prozent – ein ähnlich hohes Niveau wie im Jahr 2024. China weist den größten Anteil an internationalen Ausstellern auf, gefolgt von der Türkei und Italien. Die Organisatoren sehen dies als Beweis für die Bedeutung des europäischen Marktes im globalen Technologiewettbewerb.
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie Deutschlands (VDA), hat bereits die Agenda für die Diskussionen an den Messeständen festgelegt. Bei einer Pressekonferenz der IAA-Organisatoren diese Woche skizzierte sie die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, betonte die innovative Stärke der inländischen Hersteller und erinnerte Brüssel sowie Berlin an ihre politische Verantwortung, den Ausbau von Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben zu fördern. „Die Nutzfahrzeugindustrie ist eine Kraftanstrengung. Sie sowie die vielen Menschen in der Logistik halten unser Land am Laufen“, betonte Müller – und fügte hinzu: „Die IAA Transportation wird die Dynamik unserer Industrie zeigen. Wieder einmal wird sie eine Plattform für Innovationen sein.“
Eine bedeutende Branchenveranstaltung
Ein zentrales Element der Messe sind erneut die Zulieferer und Bodybuilder: Mit über 750 Ausstellern bilden die Zulieferer das Rückgrat der Veranstaltung. Fast jeder zweite Stand gehört zu diesem Sektor. Bodybuilding-Spezialisten mit 240 Anbietern stellen die zweitgrößte Gruppe dar, gefolgt von den OEMs. Für die nahezu wochenlange Veranstaltung wurden bereits mehr als 150 Weltpremieren und neue Produkte angekündigt. Die Organisatoren betonen außerdem, dass neben digitalen und klimaneutralen Mobilitätslösungen das autonome Fahren in diesem Jahr einen deutlich größeren Raum einnehmen wird. Im Allgemeinen strebt die IAA danach, dem Straßenalltag näherzukommen: Die Testfahrtermine wurden entsprechend erweitert. „Auf dem Messegelände und im öffentlichen Straßenverkehr stehen 84 Fahrzeuge von 17 Ausstellern für Testfahrten zur Verfügung – das sind 40 Prozent mehr als im Jahr 2024“, werben die Organisatoren. Zum ersten Mal gibt es drei Abfahrtspunkte vor Ort.
Seite.Auch unsere Vorschau zur IAA beginnt mit einer besonderen Art von Probefahrt – einer, die uns um die Welt führen wird. Bevor wir fortfahren, ein kurzer Hinweis: Unsere Liste ist nicht als ausführlich zu verstehen. Das vollständige Verzeichnis der Aussteller finden Sie auf der IAA-Startseite.
Fokus auf etablierte Hersteller
Nun, fangen wir an: Bei Daimler Truck (Halle 19, Stand A41) steht die zweite Generation von Elektro-Lkws im Fokus, genauer gesagt der eActros 600 sowie der neue eActros 400. Beide sind bereits seit einiger Zeit auf dem Markt. Eine echte Neuheit ist, dass das in Stuttgart ansässige Unternehmen den eActros Lowliner vorstellt – eine Variante der 600-Serie, die insbesondere für die Automobillogistik wichtig ist. Mit der Aufnahme von Bestellungen wird im dritten Quartal 2026 gerechnet, wobei die ersten Fahrzeuge im zweiten Quartal 2027 von der Produktionslinie rollen sollen. Daimler Truck hat außerdem angekündigt, dass sein Wasserstoff-Lkw, der NextGenH2 Truck, auf der Messe im Mittelpunkt stehen wird. Wie bereits berichtet, wird Dachser den ersten Fahrzeugen in kleiner Serie im Dezember in Deutschland einsetzen. Insgesamt werden ab Ende dieses Jahres schrittweise 100 Einheiten des NextGenH2 Trucks in den Betrieb der Kunden gelangen.

Das Unternehmen hofft zudem, durch eine Zusammenarbeit mit dem Content-Creator Tobias Wagner, der auf verschiedenen Plattformen als „Elektrotrucker“ bekannt ist, große Aufmerksamkeit zu erregen: Laut Berichten wird Wagner ab dem 20. September von der IAA aus mit einem modifizierten eActros 600 eine Weltreise antreten. Das Motto dieser umfangreichen Prüfung lautet: „Um die Welt in 80 Ladevorgängen“. Dies ist unsere bereits erwähnte ausführliche Testfahrt.
Bei MAN (Halle 11, Stand D08), dem zweitgrößten deutschen Hersteller von Nutzfahrzeugen, wird die nun fertiggestellte E-Lkw-Familie mit einem Bruttogewicht von 12 bis 50 Tonnen ausgestellt. Mit anderen Worten: Neben den Modellen eTGL, eTGS und eTGX wird MAN auch den 16-Tonnen-E-Lkw eTGM präsentieren, der im Mai in Mailand seine Weltpremiere feierte und nun dem lokalen Publikum vorgestellt wird. Am Stand des in München ansässigen Unternehmens finden sich zudem ausführliche Informationen zum E-Mobilitätsökosystem sowie einen Vorgeschmack auf neue Anwendungen wie bidirektionales Laden oder Ladung in Depots ohne leistungsstarke Netzanschlüsse.
Nur wenige Meter entfernt glänzt Volvo Trucks (Halle 11, Stand D09) mit seiner zweiten Generation an E-Lkw. Im Fokus steht der neue elektrische Flaggschiff-Modell, der Volvo FH Aero Electric mit erweiterter Reichweite, der eine Reichweite von bis zu 700 km bietet und Anfang September in die Produktion gehen soll. Zu diesem Modell kommen vor Ort noch elektrische Lkw der Typen Volvo FH, FM und FL Electric hinzu. Interessanterweise werden die Schweden auf ihrem Stand auch den Volvo VNL ausstellen – einen Lkw mit Verbrennungsmotor für den nordamerikanischen Markt, der durch seinen typisch amerikanischen langen Motorraum auffällt.
Das Tochterunternehmen Renault Trucks (Halle 21, Stand B52) präsentiert ebenfalls seine zweite Generation von E-Lkw unter Verwendung des gleichen modularen Technologie-Systems und wird auf der IAA den Renault Trucks E-Tech T 780 für den Langstreckentransport in den Vordergrund rücken. Der überarbeitete E-Tech T 540 sowie der kleinere Renault Trucks E-Tech D14T werden ebenfalls ausgestellt. Zudem hat der französische Hersteller angekündigt, dass ein Renault Trucks E-Tech D 16T mit schwenkbarem Planen und hebebarem Dach am Stand des Karosserieherstellers Junge vorgestellt wird.

Türkische Elektro-Lkw machen ihren Auftritt
Was noch? Ford Trucks (Halle 21, Stand C02) – also die Marke für schwere Nutzfahrzeuge von Ford Otosan – präsentiert erstmals einen XXL-Elektro-Lkw in Hannover. Der F-Line E, den der Hersteller erstmals im November 2025 in Lyon vorgestellt hat, zeigt nun dem Publikum der deutschen Messe seine ersten Modelle in den Elektro-Klassen von 19 und 26 Tonnen.
Bei Scania (Halle 12, Stand C60) und DAF (Halle 21, Stand B31) gibt es bislang keine konkreten Informationen zu dem elektrischen Produktangebot an den Messeständen. Es ist jedoch bereits klar, dass Scania mindestens vier E-Lkw im Außenbereich oder für Probefahrten bereitstellen wird, darunter den Scania BEV 40 R, den BEV 36 R XT sowie den Kran-Lkw BEV 30 P. Auch der niederländische Hersteller DAF wird voraussichtlich Lkw aus seiner Elektrofamilie vorstellen, von dem kleineren DAF XB Electric bis zum vollständig ausgebauten XG Electric. Zudem wird DAF den aktuellen „International Truck of the Year 2026“ mit den Modellen XD und XF präsentieren.
Eine bemerkenswerte Abwesenheit auf der Messe ist Iveco. Der norditalienische Hersteller war vor zwei Jahren unter anderem mit dem S-eWay vertreten – doch in diesem Jahr hat er seine Teilnahme abgesagt.
Tesla will auf der IAA Transportation hervorstechen
Nächster Auftritt: Tesla (Halle 12, Stand B01): Der US-amerikanische Hersteller von Elektrofahrzeugen war bereits vor zwei Jahren auf der IAA Transportation mit seinem E-Lkw Semi vertreten. In diesem Jahr gibt es eine Wiederkehr – doch diesmal mit konkreten Daten: Tesla verspricht, während der Messe den Markteintritt in Europa bekannt zu geben – und die Spezifikationsdaten mitzubringen. Neben dem Messestand hat Tesla den Semi auch für Probefahrten angemeldet – Abfahrtspunkt: Halle 14/15, TD07.
Eine ganze Reihe chinesischer OEMs wird auf der Messe um Aufmerksamkeit konkurrieren, da sie sich darauf vorbereiten, in die deutschen und europäischen Märkte einzudringen. An der Spitze steht Sany (Halle 12, Stand C40): Der Hersteller, der in dieser Region unter dem Namen Sany eTrucks und mit Unterstützung von Putzmeister tätig ist, wird auf der Messe sein E-Traktor-Modell e263 in den Mittelpunkt rücken. Sany kündigte die Lieferungen nach Deutschland im Juni an. Zu diesem Zeitpunkt hatte der chinesische Hersteller bereits Pläne angekündigt, „mit neuen Modellen und einer Ausblick auf 2027 für Furore zu sorgen“ auf der Messe. Auf seiner Website listet Sany mittlerweile auch elektrische Dreirad- und Vierrad-Lkw für den europäischen Markt auf. Es ist selbstverständlich, dass diese ebenfalls in Hannover ausgestellt werden: Sany gibt an, insgesamt vier elektrische Lkw-Modelle mitzubringen.

Chinesische Hersteller rücken in den Fokus
Sowohl Sinotruk (Halle 19/20, Stand A10) als auch SuperPanther (Halle 12, Stand D46), zwei Hersteller, die bereits mit der Produktion ihrer E-Lkw bei Steyr Automotive in Steyr, Österreich, begonnen haben, werden sich ebenfalls präsentieren. Als Höhepunkt ihrer Präsentation wird der chinesische OEM Skyworth Auto (Halle 21, Stand B32) seinen schweren E-Lkw Skyworth Z9 vorstellen, der über autonomes Fahren vom Level 4 verfügt. Weitere chinesische Marken, die wir auf der IAA antreffen werden, sind FAW Trucks, Dongfeng, Foton, Geelys Tochterunternehmen Farizon, Wisdom Motor und DeepWay. Auf der Seite der Zulieferer wird der Stand von CATL (Halle 19/29, Stand B36) besonders interessant sein: Der chinesische Batteriegigant plant, seine neuen Batterieinnovationen zu präsentieren, die speziell für Nutzfahrzeuge entwickelt wurden.
Deutsche und europäische Zulieferer haben ebenfalls mehrere Schlüsselkomponenten sowie Innovationen für die IAA angekündigt. Hier sind einige Beispiele:
Bosch (Halle 19/29, Stand A31) präsentiert seinen neuen starren eAxle, der wichtige Komponenten des Elektroantriebs wie den Elektromotor und das Getriebe in einen starren Achsrahmen für Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht von 18 bis 49 Tonnen integriert. Ebenfalls ausgestellt wird Boschs neues Hochvolt-Lüftermodul für 800-Volt-Architekturen sowie Brennstoffzellsysteme für Busse und Lkw mit einer Leistungsbreite von 100 bis 300 kW.
ZF (Halle 21, Stand B42) wird seinen TraXon 2 Hybrid-Antrieb vorstellen, der für vollhybride sowie plug-in-hybride Architekturen konzipiert ist. Zudem legt der Zulieferer großen Wert auf Software sowie intelligente vernetzte Systeme.
Mahle (Halle 11, Stand D07) präsentiert ein neues Reichweitenverlängerungssystem für Schwerlast-Lkw. Es kann in batterieelektrischen Lkw installiert werden und verwandelt sie so effektiv in Plug-in-Hybride. Die Reichweitenverlängerung besteht aus einem Hochvoltgenerator in Kombination mit einem kompakten Verbrennungsmotor.
Das in Aachen ansässige Unternehmen Trailer Dynamics, das sich auf E-Anhänger konzentriert, wird dieses Jahr im Rahmen der Krone Nutzfahrzeug Gruppe (Halle 27, Stand C40) ein solches System präsentieren.
Das britische Start-up Advanced Electric Machines (Halle 27, Stand F41) ist auf Elektromotoren ohne Seltenearzmetalle spezialisiert – und wird das 3D-Modell seines größten und stärksten Motors vorstellen. Dieser wird ab nächstem Jahr als Prototyp für Schwerlastanwendungen verfügbar sein.
Das Start-up Munich Electrification (Halle 19/20, Stand D42) präsentiert ein innovatives Batterietrenngerät für Hochspannungssysteme in Nutzfahrzeugen. Im Gegensatz zu den derzeit verwendeten mechanischen oder pyrotechnischen Sicherungen basiert die Lösung des in München ansässigen Unternehmens auf einem Chipkreis.