Vor Panik wegen der Kraftstoffpreise suchen Europäer gebrauchte Elektroautos.

Der starke Anstieg der Kraftstoffpreise beginnt, die Kaufentscheidungen der europäischen Autofahrer zu verändern. Frankreich ist einer der am weitesten entwickelten Märkte Europas und zugleich einer derjenigen, die am stärksten unter dem Anstieg der Kraftstoffpreise leiden. Auf diesem Markt stiegen am vergangenen Sonntag die Suchanfragen nach gebrauchten Elektroautos auf einigen Portalen drastisch, genau zu dem Zeitpunkt, als die Dieselpreise erneut anstiegen.
Die Angabe stammt von La Centrale, einem der wichtigsten Portale für Gebrauchtwagen im Land, und lässt sich durch eine recht einfache Erklärung begründen. Wenn das Tanken allmählich zu einer unerschwinglichen Ausgabe wird – in vielen Fällen mit Kosten von über 100 Euro – rechnen viele Autofahrer erneut nach und stellen fest, dass ein gebrauchter Elektroauto eine viel erschwinglichere Alternative für den Alltag sein kann. Es ist nicht notwendig, sofort an ein neues Auto im Wert von 40.000 oder 50.000 Euro zu denken: Auf dem europäischen Markt gibt es bereits ein umfangreiches Angebot an gebrauchten Modellen zu deutlich günstigeren Preisen.
Der französische Fall ist besonders bemerkenswert, weil der Durchschnittspreis für Diesel am Sonntag, den 13. September, die 2,30 Euro pro Liter überschritt. Zu diesem Zeitpunkt stiegen die Suchanfragen nach gebrauchten Elektroautos auf La Centrale um 150 %. Das bedeutet nicht, dass all diese Personen tatsächlich ein Elektroauto gekauft haben, zeigt aber, inwieweit der Energiepreis das Interesse der Käufer schnell verändern kann.

Und es scheint sich nicht um ein isoliertes Phänomen zu handeln. Schon im Frühjahr hatte La Centrale einen starken Anstieg der Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos festgestellt. Ende März hatten sich die Suchanfragen fast verdoppelt, und Ende Mai stiegen sie auf mehr als 250 % an, während die in den Vertragshändlern verfügbaren Elektrofahrzeuge erheblich abnahmen.
Ein weiterer Schlüselpunkt ist, dass ein großer Teil dieser Nachfrage nicht auf neue, teure Elektroautos ausgerichtet ist, sondern auf kleine und erschwingliche Modelle. Laut den von La Centrale veröffentlichten Daten konzentriert sich das Interesse aufgrund der steigenden Kraftstoffkosten insbesondere auf Fahrzeuge unter 15.000 Euro – genau die, mit denen ein Fahrer seine monatlichen Ausgaben sofort senken kann, ohne eine enorme Investition tätigen zu müssen.
Das ist ein wichtiger Unterschied im Vergleich zum Bild, das in einigen europäischen Märkten noch vorherrscht. Elektroautos gebraucht sind nicht mehr unbedingt eine Alternative, die nur denen zur Verfügung steht, die über ein hohes Budget verfügen. Modelle wie der Renault ZOE, der Peugeot e-208, der Dacia Spring, der Nissan LEAF oder sogar der Tesla Model 3 gehören zunehmend zu einem viel größeren Gebrauchtwagenmarkt, in dem Fahrzeuge für nahezu jedes Budget erhältlich sind. La Centrale betonte bereits im April den Anstieg des Angebots und den Preisverfall als zwei Faktoren, die diese Technologie zugänglicher machen.
Die große Unbekannte ist jetzt, wie lange die Kraftstoffpreise weiterhin hoch bleiben werden. Sollte sich der Ölpreis wieder beruhigen, könnte ein Teil dieses Interesses nachlassen. Doch wenn die Preise wochen- oder monatelang hoch bleiben, könnte dies dazu führen, dass viele europäische Autofahrer eine Entscheidung beschleunigen, die sie bereits in Erwägung zogen: zum Elektroauto überzugehen – nicht unbedingt ein neues, sondern einfach eines, das günstiger zu kaufen ist und bei der täglichen Nutzung deutlich kostengünstiger ist.