Potsdam kündigt Ebusco-Auftrag über 23 Elektrobusse

Der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) hat einen Auftrag über 23 Elektrobusse bei Ebusco außerordentlich gekündigt. Grund sind die anhaltenden Lieferverzögerungen des niederländischen Herstellers. ViP bereitet bereits eine Neuausschreibung vor, Ebusco widerspricht der Kündigung allerdings.
Die Geduld des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP) mit Ebusco ist offenbar am Ende. ViP hatte Ende 2023 den Zuschlag für zehn zwölf Meter lange Ebusco-3.0-Busse und 13 Gelenkbusse des Typs Ebusco 3.0 mit 18 Metern Länge erteilt. Die ersten Solobusse sollten ursprünglich im März 2025 eintreffen, die Gelenkbusse zwei Monate später. Geliefert wurde bislang keiner der 23 Stromer. Nach Angaben des Verkehrsbetriebs hatte Ebusco die Übergabetermine mehrfach verschoben. Zuletzt sei eine Auslieferung bis ins Frühjahr 2027 in Aussicht gestellt worden. Da Ebusco aus Sicht von ViP weiterhin keinen belastbaren Liefertermin habe bestätigen können, erklärte das Verkehrsunternehmen am 29. Juli die außerordentliche Kündigung des Vertrags.
Ganz abgeschlossen ist der Vorgang damit allerdings nicht. Ebusco widerspricht der Kündigung und prüft nach eigenen Angaben auch deren mögliche finanzielle Folgen. Der Hersteller teilte mit, dass die Parteien zuletzt noch über den Lieferplan und die damit verbundenen kommerziellen Bedingungen im Austausch gewesen seien. ViP habe sich laut Ebusco zudem mögliche Ansprüche gegen den Hersteller vorbehalten. Eine ausführliche Stellungnahme will Ebusco bis zum 14. August vorlegen, dann veröffentlicht das Unternehmen auch seine Halbjahreszahlen.
Für die Elektrifizierung der Potsdamer Busflotte bedeutet die Kündigung einen weiteren Rückschlag. ViP hält grundsätzlich an der Beschaffung von 23 Batterie-elektrischen Bussen fest und bereitet bereits eine neue Ausschreibung vor. Da sich das Lastenheft weitgehend an der Ausschreibung von 2023 orientieren soll, hofft das Unternehmen auf eine zeitnahe Neuvergabe. Wann die Ersatzfahrzeuge tatsächlich in Potsdam eingesetzt werden können, ist derzeit offen.
Schon vor der Kündigung war das Projekt deutlich in Verzug geraten. Für die Beschaffung der 23 Elektrobusse waren seinerzeit Investitionen von insgesamt 17,4 Millionen Euro vorgesehen. Parallel verzögert sich auch der Umbau des Potsdamer Betriebshofs. Dort soll eine bestehende Abstellanlage ersetzt und mit Overhead-Ladetechnik ausgestattet werden, damit die Busse über Pantographen geladen werden können. Wegen eines Vergabestreits war zuletzt auch bei diesem Teil des Projekts eine Fertigstellung im Jahr 2026 fraglich.
Die Entwicklung in Potsdam reiht sich in die seit längerem bekannten Lieferprobleme bei Ebusco ein. Der niederländische Hersteller kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten und einem hohen Auftragsbestand, den er nur schleppend abarbeiten kann. Auch andere deutsche Verkehrsbetriebe warten seit längerer Zeit auf bestellte Fahrzeuge. Mit den Rissen an Fahrzeugen des Typs Ebusco 2.2, die zuletzt bei der BVG in Berlin für Aufsehen sorgten, hat der Potsdamer Fall allerdings nichts zu tun. ViP hatte die neuere Baureihe Ebusco 3.0 mit einer Karosserie aus Verbundwerkstoffen bestellt.