Porsche: Komfort mit einer Leistung von 11 kW für die Besitzer des Cayenne

Kurz gesagt:
Porsche hat die Aufnahme von Bestellungen für das Heim-System zur kabellosen Ladung von BEV-Fahrzeugen aufgenommen
Ladestärke? 11 kW
Es gehe nicht um Geschwindigkeit, sondern um den Komfort im täglichen Gebrauch – so betont der deutsche Premium-Autoproduzent
Die Technologie ist ausschließlich für den neuen Cayenne Electric vorgesehen
Porsche setzt auf Induktion
Vor einigen Jahren schien die kabellose Ladung von Elektrofahrzeugen eine zukünftige Lösung zu sein, über die die Hersteller öfter sprachen, als sie sie tatsächlich einführten. Jetzt macht Porsche einen weiteren Schritt in Richtung Kommerzialisierung dieser Technologie. Der Hersteller aus Stuttgart gab bekannt, dass alle Komponenten des Porsche Wireless Charging-Systems bereits in Deutschland und anderen europäischen Ländern zur Bestellung verfügbar sind.
Das System wird mit dem neuen Modelljahr des elektrischen Cayenne eingeführt und soll schrittweise auf weiteren Märkten verfügbar gemacht werden. Porsche kündigt an, dass das Angebot letztendlich alle Länder umfassen wird, die den Porsche Connect-Service anbieten, mit Ausnahme Chinas – so heißt es in der Mitteilung des Herstellers.
Wie funktioniert die induktive Ladeung in der Porsche-Version? Das Set besteht aus drei Komponenten: der serienmäßigen Vorbereitung des Fahrzeugs für den Betrieb des Systems, einem Empfängermodul, das unter dem Auto montiert wird, sowie einer Platte, die auf der Parkfläche platziert wird. Der Fahrer muss lediglich auf der Matte parken, und das Ladevorgang beginnt automatisch, ohne dass ein Kabel angeschlossen werden muss.
Laut dem Hersteller wird die Energie kabellos mit einer Leistung von bis zu 11 kW bei einer Effizienz von etwa 90 Prozent übertragen. Das bedeutet, dass das System in Bezug auf die Parameter einem herkömmlichen Wechselstrom-Ladegerät mit derselben Leistung entspricht. Es kann jedoch weder mit optionalen 22-kW-Ladegeräten an Bord noch mit dem schnellen Gleichstromladen konkurrieren, das beim elektrischen Cayenne eine Leistung von etwa 400 kW erreichen soll.

Der Hersteller selbst versucht jedoch nicht, die neue Lösung als die schnellste auf dem Markt darzustellen. Als Argument dient in erster Linie der Komfort beim Gebrauch. Wie Porsche betont, „anstatt einen Kabel anzuschließen, muss man den Cayenne Electric einfach über die fest installierte Ladeschale positionieren, und der Ladevorgang beginnt automatisch“.
Komfort vor allem
Die Neuerungen beim Cayenne Electric beschränken sich nicht nur auf die induktive Ladung. Porsche erweitert außerdem die Ausstattung um elektrisch gesteuerte Türen. Laut dem Hersteller übernehmen Servomotoren nach einem leichten Ziehen an der Klinke den gesamten Öffnungs- und Schließvorgang.
Das Auto nutzt dazu eine Reihe von Sensoren, die die Umgebung überwachen. Wenn sich in der Nähe der Tür ein Hindernis oder eine Person befindet, wird die Bewegung gestoppt. Die Zusammenarbeit mit dem Ausstiegswarnsystem soll zudem verhindern, dass die Tür vor heranfahrenden Fahrzeugen geöffnet wird.

Auch bei der kabellosen Ladung hat der Hersteller auf Lösungen gesetzt, die die Sicherheit erhöhen. Die im Boden montierte Platte ist widerstandsfähig gegen Wetterbedingungen und kann außerhalb des Gebäudes eingesetzt werden. Ebenfalls wurden Bewegungssensoren sowie ein System zur Erkennung fremder Gegenstände verwendet. Wenn sich in der Nähe ein Tier oder eine Person befindet oder auf der Oberfläche der Matte ein metallisches Element auftaucht, das zu erwärmen beginnt, wird der Ladevorgang automatisch unterbrochen.
Derzeit nur für den Cayenne Electric
Porsche präsentiert eine neue Technologie als wichtigen Schritt in der Entwicklung der Elektromobilität. Ihre Verfügbarkeit ist derzeit jedoch stark eingeschränkt. Das System wird weder im elektrischen Macan noch im Taycan angeboten. Wie bereits Maximilian Müller, der für die Entwicklung von Hochspannungsanlagen im Unternehmen verantwortlich ist, erklärte, lässt sich der Empfänger physikalisch nicht zwischen den Elementen der Vorderradaufhängung dieser Modelle unterbringen. Im Fall des Cayenne sieht die Situation anders aus, da das größere Fahrzeug es ermöglicht, den Empfänger unter dem Vordermotor, zwischen den Rädern, zu montieren.

Eine weitere wichtige Einschränkung ist das Fehlen der Möglichkeit, das Auto später nachzurüsten. Die Kunden müssen bereits bei der Konfiguration des Fahrzeugs das entsprechende Vorbereitungs-Paket bestellen. Ohne dieses wird eine Installation des Systems in Zukunft nicht möglich sein.
Die erste solche Lösung?
Porsche behauptet, der erste Hersteller zu sein, der ein induktives Ladesystem mit einer Leistung von 11 kW für voll elektrische Fahrzeuge im sogenannten One-Box-Architekturkonzept auf den Markt bringt. Das bedeutet, dass alle Steuerelemente außer dem Stromkabel in der Bodenplatte sowie im Fahrzeug integriert sind, ohne dass ein separates Wallbox oder eine zusätzliche Steuereinheit erforderlich ist.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die drahtlose Ladung in der Automobilindustrie völlig neu ist. Schon im Jahr 2018 bot BMW eine solche Lösung im Hybridmodell 530e an, wobei die Leistung des Systems etwa 3,2 kW betrug. Ähnliche Lösungen tauchten auch in den Hybridversionen der Mercedes S-Klasse auf. Es handelte sich dabei jedoch um Systeme mit deutlich geringerer Leistung, die für Fahrzeuge vom Typ Plug-in-Hybrid bestimmt waren und nicht für vollständig elektrische Autos.
Ein schwieriger Moment für die Elektromobilität von Porsche
Die Einführung des neuen Systems fällt in eine Zeit, in der die Verkäufe von Porsche-Elektrofahrzeugen nicht den ursprünglichen Erwartungen entsprechen. Laut Unternehmensangaben machten vollständig elektrische Fahrzeuge in der ersten Hälfte des Jahres 19,4 Prozent der Gesamtauslieferungen der Marke aus, während im Vorjahr dieser Anteil noch 23,5 Prozent betrug. In derselben Zeit sanken die Gesamtauslieferungen von Porsche um 16 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge, und auf dem besonders anspruchsvollen chinesischen Markt verzeichnete man einen Rückgang von 32 Prozent.
Es ist schwer zu erwarten, dass allein die induktive Ladeung diesen Trend umkehren wird. Sie kann jedoch ein Argument für Kunden sein, die ihr Auto täglich zu Hause laden und denen der Komfort im Gebrauch wichtiger ist als Rekordleistungen.
Oskar Włostowski