Porsche wird weitere 5.000 Arbeitsplätze streichen

Porsche reagiert auf sinkende Verkaufszahlen und Gewinnmargen mit einem „Future Package“. Bis 2035 werden an den Standorten Zuffenhausen und Weissach weitere 5.000 Arbeitsplätze gestrichen, außerdem sollen die Vergütungen der verbleibenden Mitarbeiter gekürzt werden. Im Gegenzug bietet der Sportwagenhersteller Arbeitsplatzgarantien und langfristige Verpflichtungen für seine deutschen Standorte sowie plant, 2,1 Milliarden Euro zu investieren.
Der Vorstand der Porsche AG und der Betriebsrat haben vor dem Start des neuen Strategieprogramms „Sportwagenschmiede 35“ im Oktober ein umfassendes Umstrukturierungsprogramm vereinbart. Die Maßnahmen reagieren auf zurückgehende Fahrzeugverkäufe, insbesondere in China, auf die Auswirkungen von US-Zöllen sowie auf Milliardeninvestitionen in die Elektrifizierung, die bislang noch keine Erträge gebracht haben. Im ersten Halbjahr 2026 fiel die Betriebsmarge von Porsche auf 7,8 % – ein deutlicher Rückgang gegenüber ihrem historischen Gewinnniveau.
Der Kern des Umstrukturierungsprogramms ist die geplante Reduzierung von 5.000 Arbeitsplätzen bis 2035 beim in Stuttgart ansässigen Automobilhersteller. Porsche gibt an, dass die Kürzungen hauptsächlich durch Pensionierungen, freiwilligen Austritte und teilweises Ausscheiden aus dem Berufsleben, demografische Veränderungen sowie freiwillige Kündigungsvereinbarungen mit Abfindungen umgesetzt werden. Wenn auch zuvor angekündigte Maßnahmen sowie Kürzungen in Tochtergesellschaften berücksichtigt werden, wird die Gesamtzahl der betroffenen Arbeitsplätze etwa 9.000 erreichen. Dazu gehören 1.900 Stellen, deren Abbau bis 2030 vorgesehen ist und im Frühjahr 2025 bekannt gegeben wurde, sowie die Entscheidung, 2.000 befristete Arbeitsverträge nicht zu verlängern.
Arbeitsplatzgarantien bis 2035
Im Gegenzug hat die Geschäftsleitung die Beschäftigungsgarantien für die Mitarbeiter in den Standorten Zuffenhausen und Weissach bis 2035 verlängert, was bedeutet, dass Porsche sich verpflichtet hat, in diesem Zeitraum aus betrieblichen Gründen keine freiwilligen Entlassungen vorzunehmen. Weissach beherbergt das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Porsche, während Zuffenhausen in der Nähe von Stuttgart der historische Produktionsstandort des Unternehmens ist, an dem neben mehreren Sportwagenmodellen auch der Taycan hergestellt wird. Die geplanten Stellenabbauungen betreffen sowohl Verwaltungs- als auch Produktionspositionen.
Das Umstrukturierungsprogramm umfasst außerdem garantierte Investitionen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro in die beiden Hauptstandorte von Porsche in Baden-Württemberg. Das Unternehmen erklärt, dass diese Finanzmittel die langfristige Produktion seiner Zwei-Türer-Sportwagen in Zuffenhausen sichern und die Entwicklungsaktivitäten innerhalb der Volkswagen-Gruppe in Weissach stärken werden. „Das Future Package ist gut für Porsche. Es gibt uns die Möglichkeit, unser Unternehmen strategisch neu auszurichten und in unsere Wettbewerbsfähigkeit zu investieren“, sagte Porsche-CEO Michael Leiters.
Um diese Investitionen zu finanzieren, haben die Mitarbeiter einer Reihe von finanziellen und strukturellen Zugeständnissen zugestimmt. Bis 2035 wird für einen großen Teil der Belegschaft 3,5 Prozent der aktuellen sowie zukünftigen Lohnerhöhungen, die im Rahmen der branchenweiten Tarifverträge in Deutschland ausgehandelt werden, einbehalten. Der Weihnachtsbonus wird dauerhaft von bis zu 100 Prozent auf 60 Prozent des Monatsgehalts reduziert. Porsche wird außerdem die maximale Anzahl der Homeoffice-Tage von zwölf auf acht pro Monat verringern, die Produktionszyklen verkürzen und die bezahlten „Steinkühler“-Pausen anpassen – ein seit langem geltendes Pauserecht in der deutschen Metallindustrie. Gleichzeitig werden die leitenden Manager 2027 und 2028 auf entsprechende Erhöhungen ihres Grundgehalts verzichten.
Umwandlungszuschlag für Mitarbeiter
Im Gegenzug sicherte sich der deutsche Metallarbeiterverband IG Metall eine Reihe von Zugeständnissen für die Arbeitnehmer. Im August 2026 erhalten alle Mitarbeiter, die von Tarifverträgen abgedeckt sind, einen einmaligen Umstrukturierungsbonus in Höhe von 1.500 Euro. Für IG-Metall-Mitglieder steigt der Betrag auf 1.911 Euro und wird außerdem durch einen zusätzlichen Urlaubstag sowie einen Gutschein im Wert von 200 Euro ergänzt. Ibrahim Aslan, Vorsitzender des Betriebsrats, betonte die Komplexität der Verhandlungen: „Das Paket wurde hart erkämpft. Jetzt müssen wir es gemeinsam mit dem Vorstand umsetzen.“
Das Abkommen bezieht sich nicht auf Porsche’s Werk in Leipzig im Osten Deutschlands. Dieser Standort unterliegt einem eigenen Tarifvertrag, und seine langfristige Entwicklung bleibt ungewiss. Die Erwartungen richten sich auf den geplanten Umzug der Cayenne-Produktion von Bratislava nach Leipzig sowie auf ein neues Modell mit dem Codenamen M1, das den eingestellten Macan mit Verbrennungsmotor ersetzen soll.
Das Abkommen könnte auch Auswirkungen auf die Tarifverhandlungen in anderen Bereichen der Volkswagen-Gruppe haben. Durch die Sicherstellung von Beschäftigungsgarantien bei Porsche bis 2035 haben die Arbeitnehmervertreter ihre Position in den Diskussionen über Umstrukturierungen gestärkt, was potenziell die parallel laufenden Verhandlungen bei Volkswagen und Audi beeinflussen könnte, wo Kostensenkungsmaßnahmen weiterhin diskutiert werden.
porsche.com, cnbc.com
Quelle: electrive