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Pony.ai zeigte einen L4-Lkw in Hannover. Europa und der Nahe Osten sind bis 2026 im Fokus.

Pony.ai zeigte einen L4-Lkw in Hannover. Europa und der Nahe Osten sind bis 2026 im Fokus.

Pony.ai und GAC Lingcheng haben auf der IAA Transportation in Hannover einen elektrischen Lkw mit L4-Autonomie vorgestellt, der auf dem Modell T9 basiert. Das Fahrzeug soll noch in diesem Jahr in Serie gehen, und das Unternehmen spricht bereits von einem Markteintritt in Europa und den Nahen Osten innerhalb der nächsten 2 Jahre.

Für einen Leser aus Europa sind hier zwei Dinge besonders interessant. Erstens handelt es sich nicht mehr um eine Präsentation von Folien, sondern um die Ankündigung einer Serienproduktion. Zweitens möchte Pony.ai genau dorthin einsteigen, wo Vorschriften und Arbeitskosten autonome Lkw zu einem realistischen Geschäft machen können.

Was hat der Robotruck der vierten Generation bekommen

Der neue Robotruck ist die vierte Generation des autonomen Lastwagens von Pony.ai. Der Hersteller spricht von einer vollständig redundanten Architektur in sechs Bereichen: dem Lenksystem, dem Bremssystem, der Kommunikation, der Energieversorgung, der Rechenleistung und dem Sensorsystem. Auf Papier sieht das so aus, wie ein L4-Fahrzeug im Schwerlastverkehr aussehen sollte. Ohne Redundanz in diesen Systemen würde niemand Vernünftiger ein solches Fahrzeug in Betrieb nehmen.

Auch das Sensorenpaket ist umfangreich: 9 Lidar-Geräte, 3 Millimeterwellenradare und 13 Kameras. Damit soll eine vollständige 360-Grad-Absicherung um das Fahrzeug gewährleistet werden. Bei Langstreckenlogistik und Hafenarbeit garantiert das zwar immer noch keine einfache Implementierung, aber zumindest ist klar, dass Pony.ai bei der Sensorik nicht gespart hat.

Der Lastwagen basiert auf dem elektrischen GAC Lingcheng T9, der einen Luftwiderstandskoeffizienten von Cd 0,4 aufweist. In Kombination mit einem Algorithmus für autonome Fahrzeugsteuerung soll dies den Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Lastwagen um etwa 10 Prozent senken. Das Unternehmen nennt außerdem zwei weitere Geschäftsdaten: Die Kosten für das Autonomiesystem, berechnet als BOM, sind im Vergleich zur vorherigen Generation um 70 Prozent gesunken, und die Transportkosten pro Tonnenkilometer sollen um 30 Prozent niedriger sein.

Das sind bereits konkrete Angaben, auch wenn sie natürlich weiterhin vom Unternehmen stammen. Insbesondere diese 30 Prozent sollten als Aussage betrachtet werden, die im normalen Betrieb überprüft werden muss.

Warum Europa als Nächstes kommt

Pony.ai erweitert seine Zusammenarbeit mit GAC von Personenwagen auf Nutzfahrzeuge. Am 16. April unterzeichneten die Unternehmen einen strategischen Vertrag bezüglich autonomer Lastwagen, und fünf Monate später durchlief das fertige Produkt Tests und Validierungen, bevor es in Hannover der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Tempo ist schnell. Die Frage ist, wie viel von diesem Tempo der Konflikt mit den Homologierungsanforderungen sowie der Einsatz auf europäischen Straßen überstehen wird.

Das Unternehmen begründet die Wahl Europas und des Nahen Ostens mit der Nachfrage nach Transportdienstleistungen sowie einer starken Nutzfahrzeugindustrie. Darin liegt Logik. Im Fernverkehr, auf speziellen Strecken oder in Häfen sind die Bedingungen vorhersehbarer als bei Robotaxi, und die Betriebskosten des Fahrzeugs beeinflussen stark den Gewinn des Betreibers.

Das ist übrigens ein interessanter Kontrast. Die Robotaxi von Pony.ai sind bereits mit Partnern unter anderem in Dubai, Singapur und Kroatien im Einsatz, doch gerade Lkw könnten schneller eine sinnvolle kommerzielle Skala erreichen. Weniger Chaos, mehr Wiederholbarkeit und eine einfachere wirtschaftliche Kalkulation.

Falls Pony.ai also tatsächlich bis 2026 nach Europa kommt, werden wir sie zunächst nicht vor unseren Haustüren sehen, sondern eher in Häfen, Logistikzentren und auf festen Transportkorridoren. Und genau dort macht eine solche Autonomie heute wohl am meisten Sinn. Was denken Sie – werden sich in Europa Robotaxi schneller durchsetzen oder doch autonome Lkw?

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