← Zurück zu den Nachrichten
Sonstiges

Opel Corsa GSE gegen seine Konkurrenten: Ist er der neue König der kompakten Elektro-Sportwagen?

Opel Corsa GSE gegen seine Konkurrenten: Ist er der neue König der kompakten Elektro-Sportwagen?

Der Opel Corsa GSE kommt zwar spät, ist aber bereit, ein Terrain zurückzuerobern, das bereits verloren schien. Nach sieben Jahren seit Einführung der aktuellen Corsa-Generation hat Opel beschlossen, eine der von den Markenfans am meisten geschätzten Bezeichnungen wiederzubeleben – allerdings mit einem völlig anderen Ansatz: Wo früher Benzin und Schaltgetriebe zum Einsatz kamen, gibt es nun 281 PS aus Elektromotoren, eine brutale Beschleunigung, ein selbstsperrendes Differenzial sowie ein Chassis, das perfekt auf das echte Fahrvergnügen abgestimmt ist.

Und das Interessante ist, dass der Corsa GSE nicht dazu da ist, den Weg zu ebnen. In den letzten Jahren sind mehrere elektrische SUVs aufgetaucht, die gezeigt haben, dass die Elektrifizierung nicht unbedingt zu dem Ende kleiner, unterhaltsamer Autos führen muss. Der Peugeot E-208 GTi ist vermutlich sein direktester Konkurrent, aber es gibt auch den Alpine A290, den Lancia Ypsilon HF 280 CV und – wenn wir das Konzept des Segments etwas erweitern – den elektrischen MINI John Cooper Works.

Tatsächlich ist ein Vergleich mit dem Peugeot E-208 GTi unvermeidlich. Beide gehören zur Stellantis-Gruppe, teilen einen Großteil ihrer Technologie und verwenden denselben Elektromotor mit 207 kW, was 281 PS entspricht, sowie 345 Nm Drehmoment. Beide setzen außerdem auf eine Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 51 kWh. Auf dem Papier sind sie fast wie Zwillinge, doch der Reiz liegt gerade darin, wie jede Marke das Chassis und das Fahrverhalten gestaltet hat.

Corsa GSE, E-208 GTi, A290 und Ypsilon HF: vier Ansätze, um ein kleines Elektro-Sportauto zu verstehen

Opel Corsa GSe

Der Opel Corsa GSE basiert auf einer besonders interessanten Ausgangsbasis für diejenigen, die ein kleines Sportauto weiterhin als Fahrzeug betrachten, das leicht, kompakt und wendig sein muss. Der Corsa GSE wiegt 1.554 Kilogramm und behält die Vorderradantriebstechnik bei, verfügt jedoch über ein Torsen-Differenzial mit Automatikblockierung, Alcon-Bremsen, eine spezielle Fahrwerksabstimmung, breitere Radstände, einen tiefergelegten Karosseriekörper sowie eine auf Opel abgestimmte Abstimmung. Es geht dabei nicht einfach darum, den leistungsstärksten verfügbaren Motor einzubauen und ihn GSE zu nennen.

Außen behält er die Proportionen des Corsa bei, erhält aber eine viel aggressivere Gestaltung mit speziellen Stoßfängern, 18-Zoll-Reifen sowie Details, die typisch für die GSE-Familie sind. Im Innenraum finden sich Sportsitze, gelbe Sicherheitsgurte sowie ein Instrumentenpaket, das Informationen zur sportlichen Fahrweise anzeigt. Opel wollte ein Auto schaffen, das zum Fahren gemacht ist – und nicht einfach nur ein Nutzfahrzeug mit hoher Beschleunigung.

Der Motor entwickelt 281 PS und 345 Nm, erreicht eine Geschwindigkeit von 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Es gibt drei Fahrmodi; im Sport-Modus wird die volle Leistung abgerufen. Im Normal-Modus sinkt die Leistung auf 231 PS, im Eco-Modus wird sie noch weiter reduziert, um die Effizienz in den Vordergrund zu stellen. Die Batterie mit einer Nennkapazität von 54 kWh und einer nutzbaren Kapazität von 51 kWh ist thermisch auf eine anspruchsvolle Nutzung vorbereitet.

Opel Corsa GSe

Und hier zeigt sich einer der interessantesten Aspekte des Tests: Der Corsa GSE scheint sich viel stärker auf kurvige Straßen als auf Beschleunigungswerte zu konzentrieren. Das Lenkverhalten ist direkter, das Fahrzeug gibt mehr Informationen weiter und der Torsen-Differenzial ermöglicht es, die 281 PS viel effektiver zu nutzen. Wenn man das Gaspedal betätigt, zeigt sich außerdem eine gewisse Beweglichkeit der Hinterachse – doch das Stabilitätsprogramm bleibt weiterhin recht zurückhaltend.

Der größte Nachteil ist die Reichweite, wenn das Fahrzeug wirklich wie ein Sportwagen genutzt wird. Die Batterie kann erstaunlich schnell leer werden, wenn man den Sportmodus auf einer Bergstraße übermäßig einsetzt. Das ist der Preis dafür, einen Elektrofahrzeug mit solcher Leistung und einer relativ kleinen Batterie zu haben. Es handelt sich hier nicht um ein Auto, das dafür konzipiert ist, Hunderte von Kilometern im Autobahntempo zurückzulegen, sondern um ein Spielzeug zum Genießen der letzten Kilometer auf einer Landstraße.

Dann tritt der Peugeot E-208 GTi auf, der vermutlich der größte Konkurrent ist, der dem Opel Probleme bereiten kann. Nicht nur, weil er im Grunde die gleiche Mechanik hat, sondern auch, weil Peugeot Sport an der Karosserie sehr intensiv gearbeitet hat. Der E-208 GTi entwickelt ebenfalls 281 PS und 345 Nm, beschleunigt in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Die Batterie hat ein Bruttovolumen von 54 kWh und eine Nettokapazität von 51 kWh, wodurch eine homologierte Reichweite von bis zu 375 Kilometern erreicht wird.

Peugeot belebt den GTI-Mythos mit einem 280-PS-starken E-208, der hohe Ziele verfolgt

Der Unterschied liegt in der Philosophie. Der Peugeot übernimmt wieder den Namen GTi und setzt ihn mit einer von Peugeot Sport entwickelten Abstimmung um – inklusive eines begrenzt schaltenden Differenzials, speziellen Michelin-Reifen sowie einer Batteriemanagement-Technologie, die darauf ausgelegt ist, die Leistung auch bei intensiver Nutzung aufrechtzuerhalten. Mit anderen Worten: Der E-208 GTi will nicht nur beim Anfahren schnell sein – er soll auch dann weiterhin Leistung liefern, wenn der Fahrer wirklich viel von ihm verlangt.

Und hier bringt der Preis ein sehr interessantes Element in den Vergleich. Der Peugeot E-208 GTi kostet 41.800 Euro, während der Opel Corsa GSE ohne Subventionen auf etwa 39.990 Euro geschätzt wird. Sollte diese Prognose sich bestätigen, wäre der Opel um rund 1.800 Euro günstiger als sein französischer Pendant, behält dabei aber praktisch die gleichen Leistungs- und Kraftwerte bei.

Unter beiden in Bezug auf Leistung liegt der Alpine A290, doch es wäre ein Fehler, ihn aufgrund seiner 220 PS zu ignorieren. Der Alpine verfügt über eine 52 kWh große Batterie und erreicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 380 Kilometern, wobei die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 6,4 Sekunden beträgt. Sein Preis beginnt in Spanien bei 39.000 Euro, wobei die sportlicheren Versionen mit 42.200 Euro für den GT Performance und 45.000 Euro für den GTS teurer sind.

Test Alpine A290: tatsächliche Reichweite und Fahrgefühl

Der Alpine ist vermutlich das Auto, das am ehesten der klassischen Vorstellung eines kleinen elektrischen Sportwagens entspricht. Er hat fünf Türen, fünf Sitzplätze und einen Kofferraum mit 326 Litern Fassungsvermögen, doch seine Auslegung legt in erster Linie Wert auf Agilität. Zudem verfügt er über Elemente, die in diesem Segment äußerst ungewöhnlich sind – wie spezielle Reifen, 19-Zoll-Räder, Telemetrie sowie ein Innenraum, der weitaus ausgefallener ist als der eines herkömmlichen Kombis. Vielleicht kann er den Corsa GSE auf gerader Strecke nicht schlagen, doch das ist nicht notwendig, um für viele Enthusiasten attraktiver zu sein.

Das vierte Fahrzeug in diesem Vergleich ist der Lancia Ypsilon HF 280 CV, der außerdem besonders interessant ist, weil er dieselbe Philosophie und Technologie wie der Corsa sowie der E-208 teilt. Der Lancia verfügt über denselben Motor mit 280 PS und 345 Nm Drehmoment, beschleunigt in 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und verspricht eine WLTP-Reichweite von bis zu 370 Kilometern. Zudem ist er mit einem Torsen-Differenzial sowie Alcon-Bremsen ausgestattet, wodurch seine mechanische Ausstattung der des Opel sehr ähnlich ist.

Der Ypsilon HF unterscheidet sich jedoch im Design und im Innenraumkonzept. Er wirkt anspruchsvoller und hat ein deutlich eigenständigeres Erscheinungsbild, wobei das Innenraumkonzept versucht, Sportlichkeit mit einem Hauch italienischen Luxus zu verbinden. In Spanien beträgt der annoncierte Preis für den Ypsilon HF 280 CV 41.232,68 Euro.

Die Reichweite des Lancia Ypsilon HF ändert sich stark je nach den gewählten Reifen

Es gibt noch einen fünften Konkurrenten, den man in die Überlegungen einbeziehen sollte, obwohl er in einer etwas gehobeneren Kategorie angesiedelt ist: der elektrische MINI John Cooper Works. Seine 258 PS und 350 Nm liegen unter den 281 PS des Corsa und des Peugeot, doch seine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden zeigt, dass ihm es an Leistung ebenfalls nicht mangelt. Er verfügt über eine Batterie mit 49,2 kWh Kapazität und bietet eine WLTP-Reichweite von 364 bis 371 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h.

Der MINI beginnt bei 40.650 Euro und bietet noch ein weiteres Element, das sich nicht in einer technischen Datenblattliste messen lässt: seinen Ansatz als Premium-Klein Sportwagen. Er ist kürzer und hat nur drei Türen, wodurch er nicht so praktisch ist wie der Alpine oder der Ypsilon, behält aber im Gegenzug diese Philosophie eines kleinen, agilen Fahrzeugs mit einer Auslegung, die stark auf den Fahrer ausgerichtet ist.

Modell

Leistung

0-100 km/h

Batterie

WLTP-Reichweite

Preis ab

Opel Corsa GSE

281 PS

5,5 s

54 kWh / 51 nutzbar

375 km**

39.990 Euro*

Peugeot E-208 GTi

281 PS

5,5 s

54 kWh / 51 nutzbar

375 km

41.800 Euro

Lancia Ypsilon HF

280 PS

5,6 s

—

370 km

41.232,68 Euro

Alpine A290

220 PS

6,4 s

52 kWh

380 km

39.000 Euro

MINI JCW Elektroversion

258 PS

5,9 s

49,2 kWh

364–371 km

40.650 Euro

*Schätzpreis für den Opel Corsa GSE vor Subventionen. **WLTP-Wert noch zu bestätigen**

Es gibt ein weiteres Modell, das erwähnt werden sollte, auch wenn ich es nicht als direkten Konkurrenten betrachte: der Abarth 600e. Mit 240 PS in der Turismo-Version und bis zu 280 PS in der Competizione-Version verfolgt auch er das Konzept eines kleinen Elektro-Sportwagens von Stellantis, doch seine Länge von 4,19 Metern sowie sein SUV-Karosserietyp ordnen ihn in eine andere Kategorie ein.

Das führt uns zu einer ziemlich klaren Schlussfolgerung: Der Opel Corsa GSE ist nicht einfach nur ein weiterer leistungsstarker Elektro-UV. Er erscheint zu einem der interessantesten Momente für Liebhaber kleiner Elektro-Sportwagen, denn zum ersten Mal seit langer Zeit gibt es mehrere Alternativen, zwischen denen man nach unterschiedlichen Philosophien wählen kann.

Opel Corsa GSe

Falls wir nach reinen Leistungsmerkmalen suchen, ist das Duell zwischen dem Corsa GSE und dem Peugeot E-208 GTi praktisch ausgeglichen. Beide verfügen über denselben Motor, dieselbe Leistung, denselben Drehmomentwert, denselben nutzbaren Akku sowie dieselbe Beschleunigung. Die Entscheidung hängt viel stärker vom Fahrgefühl des Chassis, vom Design und vom Endpreis ab als von den technischen Daten.

Doch falls die Schätzung von 39.990 Euro vor Steuervorteilen zutrifft, erhält der Opel einen erheblichen Vorteil. Er wäre dann günstiger als der Peugeot, die Lancia sowie der MINI und praktisch auf dem Niveau des 180-PS-Alpine A290. Dabei würde er 281 PS bieten – eine Zahl, die alle anderen Alternativen außer dem E-208 GTi und dem Ypsilon HF in den Schatten stellt.

Der Alpine A290 bleibt vermutlich die ausgefallenste Alternative, denn er verzichtet auf 280 PS und setzt stattdessen auf eine emotionalere Auslegung. Der Lancia Ypsilon HF liegt in der Mitte: Er weist praktisch dieselben Werte wie der Opel auf, bietet aber ein viel exklusiveres Erscheinungsbild. Der elektrische MINI JCW setzt hingegen auf kartähnliches Fahren und ein Premium-Charakter.

Der Corsa GSE hat zudem einen wichtigen Vorteil: Er ist vermutlich das Auto, das am besten die Vorstellung von einem sportlichen Corsa für das Zeitalter der Elektromobilität verkörpert. Er benötigt weder eine riesige Batterie noch beeindruckende Reichweitenwerte. Stattdessen soll er klein, schnell, kommunikativ und unterhaltsam sein. Und wie diese erste Testfahrt zeigt, scheint Opel das Konzept ziemlich gut verstanden zu haben.

Die große Frage wird sein, ob diese 39.990 Euro letztendlich zum tatsächlichen Preis werden. Wenn Opel es schafft, diesen Betrag beizubehalten, könnte der Corsa GSE zu einem der kleinen Elektro-Sportwagen mit dem besten Verhältnis aus Preis, Leistung und Fahrspaß werden. Das verändert die Situation erheblich im Vergleich zum Peugeot E-208 GTi, der bei 41.800 Euro beginnt.

Und das ist vielleicht die beste Nachricht überhaupt. Käufer, die nach einem kompakten Elektro-Sportwagen suchen, müssen sich nicht mehr zwischen einem schnellen und einem spaßigen Auto entscheiden. Im Jahr 2026 können sie selbst wählen, welche Art von Fahrspaß sie möchten.