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Markt

Nutzfahrzeughersteller Iveco gehört jetzt offiziell zu Tata Motors

Nutzfahrzeughersteller Iveco gehört jetzt offiziell zu Tata Motors

Tata Motors hat die erste Abwicklungsstufe zur Übernahme von Iveco abgeschlossen. Über seine niederländische Tochter TML CV Holdings hält der indische Konzern jetzt rund 89,42 Prozent des Grundkapitals. Damit gehört der italienische Nutzfahrzeughersteller nun offiziell zu Tata Motors.

Bild: Iveco

_+++ Dieser Artikel wurde aktualisiert +++_

Seit Juli 2025 ist bekannt, dass Tata Motors das Nutzfahrzeuggeschäft der Iveco Group aufkaufen will. Offiziell wird das Angebot von einem Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden unterbreitet, das aber vollständig im Besitz von Tata ist. Vergangenes Jahr unterschrieben beide Seiten dazu eine finale Vereinbarung und erklärten, einen „globalen Champion“ im Bereich Nutzfahrzeuge schaffen zu wollen, der in Europa, Indien und Amerika präsent ist und sich auf nachhaltigen und emissionsfreien Transport konzentriert.

Nun ist die Übernahme vollzogen. Eine Mehrheit der Aktionäre hat das freiwillige Übernahmeangebot von Tata Motors angenommen. On top gilt diese Woche (bis einschließlich 6. November) nochmals eine Frist für Aktionäre, die ihre Aktien bislang nicht verkauft haben – und dies noch zu einem Preis von 14,40 Euro je Stück tun wollen. Die Annahmequote für das Angebot liegt bislang bei 87,8 Prozent. In der Iveco-Hauptversammlung am 16. Oktober war eine Mindestannahmeschwelle von 80 Prozent der Stammaktien beschlossen worden – die also längst überschritten ist. Damit gehört Iveco nun offiziell zu Tata Motors.

Tata erhöht Angebot von 14,10 auf 14,40 Euro

Wir erinnern uns: Mitte 2025 hatte Tata Motors ein ursprüngliches Angebot von 14,10 Euro je Aktie vorgelegt, dieses aber im Oktober auf 14,40 Euro angehoben. Damit steigt auch der Gesamtwert der Transaktion von ursprünglich rund 3,8 auf nun etwa 3,91 Milliarden Euro. Die Abwicklung der aktuell laufenden zweiten Annahmefrist vom 2. bis 6. November ist für den 13. November vorgesehen. Dann wird sich Tatas Besitzanteil potenziell weiter erhöhen.

Iveco gibt derweil bekannt, dass sich mit der Übernahme auch die Führungsstruktur verändert. Dem Verwaltungsrat („Iveco Group’s Board“) gehören künftig sechs Mitglieder an. Vorsitzender wird Natarajan Chandrasekaran, Chairman der Tata-Gruppe. Als Executive Director sitzt zudem der bisherige Iveco-CEO Olof Persson im Gremium. Als weitere Mitglieder werden P. B. Balaji und Girish Wagh von Tata Motors vorgestellt. Ebenso die unabhängigen Verwaltungsräte Günter Butschek und Charles Nichols. Parallel ernannte man am 21. Oktober Damiano Cretarola zum neuen Finanzvorstand. Er übernahm die Funktion am 2. November von Anna Tanganelli.

Iveco-Verteidigungsgeschäft gehört jetzt Leonardo

Vor dem jetzigen Aufkauf durch Tata Motors hatte Iveco Anfang des Jahres bereits sein Verteidigungsgeschäft ausgegliedert und für einen Kaufpreis von rund 1,6 Milliarden Euro an den italienischen Rüstungs- und Technologiekonzern Leonardo veräußert.

Im Nutzfahrzeugbereich soll nun die fusionierte Gruppe aus Tata und Iveco einen Jahresabsatz von über 590.000 Fahrzeugen und einen prognostizierten Umsatz von rund 21 Milliarden Euro erzielen, verteilt auf Europa (46 %), Indien (32 %), Südamerika (8 %) und den Rest der Welt (14 %). Dies gab Olof Persson, CEO von Iveco, am heutigen 3. November auf einer Pressekonferenz bekannt:

Image 2: Iveco tata motors

Tata und Iveco wollen u.a. Fabriken teilen

Die Partnerschaft ist allen voran darauf ausgerichtet, Innovationen im Bereich emissionsfreier Transportmittel voranzutreiben. Tata und Iveco planen, ihre jeweiligen Lieferantennetzwerke und industriellen Kapazitäten zu nutzen, um Elektromobilitätslösungen weltweit auszubauen. Die Antriebsstrangsparte von Iveco, FPT Industrial, wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Bisher wurde Iveco vor allem von der Agnelli-Familie über die Exor-Holding kontrolliert, die 27,1 Prozent der Anteile, aber 43,1 Prozent der Stimmrechte hielt.

Tata Motors kontrolliert im Pkw-Bereich bereits Jaguar Land Rover, war jedoch in der europäischen Nutzfahrzeugindustrie praktisch nicht vertreten und verfügte über keine Produktionsstätten. Die Übernahme von Iveco bedeutet somit auch den Zukauf von Werken und Marktanteilen in Europa. Iveco machte seinerseits zuletzt 74 Prozent seines Umsatzes in Europa und dürfte unter Tata von einer Internationalisierung profitieren.

Iveco galt als Übernahme-Kandidat

„Durch den Zusammenschluss mit Tata Motors erschließen wir neues Potenzial, um unsere industriellen Fähigkeiten weiter zu verbessern, Innovationen im Bereich emissionsfreier Transport zu beschleunigen und unsere Reichweite in wichtigen globalen Märkten auszubauen“, sagte Olof Persson, CEO der Iveco Group, bei Bekanntgabe der Übernahmepläne vor gut einem Jahr. Allerdings galt der Hersteller, der in der europäischen Nutzfahrzeugbranche einer der kleinsten ist, bereits länger als Übernahmeziel.

Der Verwaltungsrat von Iveco empfahl denn auch das Tata-Angebot einstimmig und begründete dies damit, dass es im besten langfristigen Interesse des Unternehmens und seiner Stakeholder liege. Tata Motors sagte im Gegenzug zu, die Fabriken und Arbeitsplätze von Iveco zu erhalten und den Firmensitz in Turin zu belassen. Beide Seiten haben zudem eine Reihe von nicht-finanziellen Verpflichtungen unterzeichnet, die nach Abschluss der Transaktion zwei Jahre lang gültig bleiben und unter anderem Arbeitsbedingungen und Investitionspläne betreffen. Iveco beschäftigt rund 33.325 Mitarbeiter (Stand Ende 2025), darunter knapp 14.000 in Italien.

„Engagement für nachhaltige Transportlösungen“

Girish Wagh, Executive Director bei Tata Motors, hob bereits vor einem Jahr die strategische Bedeutung der Fusion hervor: „Durch die Bündelung der Stärken beider Unternehmen eröffnen wir neue Wege für operative Exzellenz, Produktinnovation und kundenorientierte Lösungen. Diese Partnerschaft verbessert nicht nur unsere Fähigkeit, vielfältige Mobilitätsbedürfnisse in verschiedenen Märkten zu bedienen, sondern stärkt auch unser Engagement für nachhaltige Transportlösungen, die im Einklang mit globalen Megatrends stehen.“

Das indische Unternehmen selbst gliederte 2024 sein Pkw- und Nutzfahrzeuggeschäft aus, damit die Unternehmen ihre jeweiligen Strategien verfolgen können und mit größerer Flexibilität ein höheres Wachstum erzielen können. Natarajan Chandrasekaran, Vorsitzender von Tata Motors, sagte, die Übernahme von Iveco sei „ein logischer nächster Schritt“ und würde „es der fusionierten Gruppe ermöglichen, mit zwei strategischen Heimatmärkten in Indien und Europa auf wirklich globaler Ebene zu konkurrieren“.

ivecogroup.com (Pressemitteilung), ivecogroup.com via eurotransport.de, auto.economictimes.indiatimes.com