Der Nissan Kicks kommt als Serienhybride nach Europa. Sunderland erhält 170 Millionen Pfund sowie eine dritte Produktionsstätte.

Nissan bestätigte, dass der Kicks e-Power in Europa, Großbritannien und der Türkei in den Verkauf kommen wird, wobei die Produktion in der Fabrik in Sunderland beginnen soll. Für die Anpassung des Werks wird der Hersteller 170 Millionen Pfund, das sind etwa 198 Millionen Euro, ausgeben. Es handelt sich um einen interessanten Schritt, denn neben neuen Elektrofahrzeugen bietet Nissan Europa ein Auto an, das sich wie ein EV fährt, aber nicht an eine Steckdose angeschlossen werden kann.
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Jahrelang wurde der Kicks in Europa übergangen, obwohl es weltweit kein Nischenprodukt war. Das Modell debütierte bereits 2016, ist heute in über 70 Ländern erhältlich und die Gesamtverkäufe haben 1,8 Millionen Stück überschritten. Jetzt, ein Jahrzehnt nach seinem Start, ist Nissan der Ansicht, dass auch auf unserem Markt Platz für ihn ist.
Kicks für Europa – ein großes B-SUV, aber kein Elektrofahrzeug
Der europäische Nissan Kicks wird in Sunderland neben den Modellen Leaf, Qashqai und Juke produziert. Für die Fabrik selbst ist dies eine wichtige Entscheidung, denn sie feiert gerade ihr 40-jähriges Jubiläum und hat seit 1986 insgesamt 12 Millionen Autos hergestellt. Der Kicks wird dort der vierte Produktionspfeiler sein, und für dieses Modell wird die britische Fabrik nach Japan, Mexiko und Brasilien zur vierten Produktionsstätte.
Das Auto selbst ist nicht klein. Es hat eine Länge von 4365 mm und gehört somit in den europäischen Kontext zu den größeren B-SUVs, berührt an manchen Stellen bereits den Kompaktwagensegment. Zum Vergleich: Der Nissan Juke ist 4210 mm lang, sodass der Kicks deutlich größer ist. Konkurrenten? Am ehesten kommen hier die Toyota C-HR, Hyundai Kona und Volkswagen T-Roc mit Hybridantrieben in Frage.
Auch das sagt viel über Nissans Strategie aus. Die Marke beschränkt sich heute nicht auf den einfachen Slogan „Alles elektrisch“. Der Leaf bleibt ein Elektroauto, der neue Juke wird auf Elektroantrieb umgestellt, doch neben diesen Modellen sieht Nissan weiterhin Platz für Reihenhybride. Und das ist verständlich, denn der europäische Kunde kauft weiterhin gerne Hybride – insbesondere in der Crossover-Klasse.
e-Power, also eine Hybridanlage, die am meisten einem Elektroauto ähnelt
Das interessanteste Element des Kicks ist der e-Power-Antrieb. In der Praxis handelt es sich dabei um eine Reihenhybridanlage. Die Räder werden stets vom Elektromotor angetrieben, während der Verbrennungsmotor keine mechanische Verbindung zu den Rädern hat und ausschließlich als Stromgenerator fungiert.
Das unterscheidet die Lösung von Nissan von den klassischen Vollhybriden von Toyota oder Hyundai, bei denen der Benzinmotor in bestimmten Situationen das Auto direkt antreiben kann. Im Kicks erhält der Fahrer daher ein Fahrgefühl, das eher einem Elektroauto ähnelt. Das Auto startet und beschleunigt wie ein Elektrofahrzeug, zieht seine Energie jedoch nicht aus einer Ladestation, sondern aus Benzin und einer kleinen Antriebsbatterie. Es ist also etwas wie ein Range Extender – ohne Aufladen an der Steckdose.
Das klingt sinnvoll, hat aber auch eine offensichtliche Einschränkung: Es bleibt im praktischen und emmissionsmäßigen Sinne ein Verbrennungsfahrzeug. Wir können es nicht zu Hause aufladen, nutzen keine günstige Nachtenergie und fahren nicht über eine sinnvolle Strecke rein elektrisch wie bei einem Plug-in-Modell. Nissan vermittelt also eher den Eindruck eines Elektroautos als eine vollständige Elektrifizierung.
Was wir über die Spezifikationen wissen
Nissan hat noch keine vollständigen Daten für die europäische Version bereitgestellt. Der nächstliegende Vergleichspunkt ist die japanische Spezifikation, da dort der Kicks e-Power bereits mit einem Antrieb der dritten Generation erhältlich ist.
In Japan setzt sich das System aus folgenden Komponenten zusammen:
einem 1,4-Liter-3-Zylinder-Benzinmotor
einem Verbrennungsmotor mit einer Leistung von 97 PS bzw. 72 kW
einem vorderen Elektromotor mit einer Leistung von 141 PS bzw. 105 kW
einem optionalen hinteren Elektromotor mit einer Leistung von 67 PS bzw. 50 kW
einem Lithium-Ionen-Akku
einem optionalen e-4ORCE-Vierradantrieb
Falls Europa dasselbe Modellprogramm erhält, wird die Grundversion vorwärtsgetrieben sein, während eine AWD-Version in höheren Ausstattungsstufen verfügbar sein könnte. Derzeit gibt es keine Bestätigung dafür, ob alle Varianten auf unseren Markt kommen werden. Ebenso liegen keine konkreten Angaben zu den europäischen Leistungsdaten, dem Verbrauch oder der Akkukapazität vor. Ohne diese Informationen ist es schwierig, objektiv einzuschätzen, ob der Kicks lediglich eine Kuriosität bleibt oder ein echter Konkurrent zu den Hybrid-Bestsellern wird.
Neben dem Kicks plant Nissan in Europa zwei Elektrofahrzeuge
Die Nachricht über den Kicks kam nicht aus heiterem Himmel. Nissan bestätigte parallel zwei weitere Elektromodell für Europa.
Das Erste ist der Nissan Pixo, ein kleines Stadtauto mit Elektroantrieb, dessen Premiere bereits in der nächsten Woche stattfinden soll. Das Modell wird eng mit dem Renault Twingo Electric sowie der zweiten Generation des Dacia Spring verwandt sein. Es wird jedoch nicht in Sunderland hergestellt, sondern in der Renault-Fabrik in Novo Mesto in Slowenien. Es handelt sich dabei um ein günstiges Stadtauto mit einem Nissan-Design vorne und einer eigenen Gestaltung. Diese Entscheidung ist logisch, denn Nissan wird selbst keine Plattform für den günstigsten Marktsegment mehr von Grund auf entwickeln.
Das Zweite ist die dritte Generation des Nissan Juke, der ab 2027 ausschließlich als Elektroauto in Sunderland produziert werden soll. Das ist wichtiger als der Kicks selbst, denn der Juke war einer der Säulen der Marke in Europa – die Umstellung dieses Modells auf einen Elektroantrieb wird zeigen, ob Nissan weiterhin in diesem beliebten Segment nicht nur mit dem Namen, sondern auch mit einem Produkt bestehen kann.
Hintergrund sind noch der in Sunderland hergestellte Leaf sowie das Thema des elektrischen Qashqaia. Letzterer sollte eine Batterieversion erhalten, doch das Projekt wurde eingestellt. Genau deshalb wirkt der Markteintritt des Kicks als Serienhybrid wie ein Ersatzschritt – oder vielleicht einfach nur ein Sicherheitsmaßnahme. Nissan verfügt derzeit über keinen fertigen Elektrofahrzeug für alle Schlüsselsegmente, weshalb es auf e-Power setzt, wo der Markt dies noch akzeptiert.
Was sagt dieser Schritt über Nissan aus?
Einerseits erweitert Nissan sein europäisches Angebot und investiert in die lokale Produktion. Das ist gute Nachricht für das Werk in Großbritannien sowie für Kunden, die etwas zwischen einem klassischen Hybridfahrzeug und einem vollständigen Elektroauto suchen. Andererseits zeigt sich auch Vorsicht: Die Marke kündigt gleichzeitig ein elektrisches Juke an, arbeitet an einem kleinen Pixo, fügt aber zusätzlich ein neues Verbrennungsmotor-Elektro-Fahrzeug hinzu, da sie offensichtlich noch nicht glaubt, dass allein Elektroautos den Absatz sichern können.
Für den europäischen Kunden werden drei Dinge am wichtigsten sein: der Preis, der tatsächliche Verbrauch sowie die Frage, ob das e-Power-System tatsächlich ein Fahrgefühl wie bei einem Elektroauto ohne die typischen Nachteile eines klassischen Hybriden bietet. Sollte Nissan mit dem Preis übertreiben, wird der Kicks zwischen günstigeren Hybriden und immer leistungsstärkeren Elektroautos aus China geraten. Wenn er es richtig macht, könnte er eine eigene Nische als „fast Elektroauto“ für diejenigen finden, die noch nicht laden möchten.
Auf dem Papier wirkt Kicks wie eine Brücke zwischen der alten und neuen Welt, doch im Jahr 2026 müssen solche Brücken bereits wirklich gut bewertet sein. Glauben Sie, dass der Reihenhybrid in Europa noch Sinn macht, oder ist das nur ein Plan B für Hersteller, die bei den Elektrofahrzeugen im Rückstand sind?