Der neue Dacia Spring wächst stark und bleibt unter 20.000 €.

Der neue Dacia Spring ist kaum noch mit seinem Vorgänger vergleichbar. Er ist größer, geräumiger und leistungsstärker, verfügt über eine völlig neue Elektroplattform sowie eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern. Dennoch behält Dacia das wichtigste Prinzip des Spring bei: Der Preis bleibt unter 20.000 €.
Der neue Dacia Spring ist tatsächlich völlig neu
Beim letzten Update des Spring änderte sich vor allem das Aussehen, doch im Inneren blieb vieles beim Alten. Mit dieser zweiten Generation geht Dacia gründlicher vor. Der neue Dacia Spring basiert auf der neuen RG-EV Small-Plattform der Renault Group und wird künftig in Europa produziert. Die Fertigung findet in Novo Mesto in Slowenien statt.
Diese Plattform ist Teil einer neuen Entwicklungsmethode innerhalb der Renault Group, mit der Autos in weniger als zwei Jahren entwickelt werden sollen. Für Dacia ist das wichtig, denn niedrigere Entwicklungskosten sollen letztendlich auch dazu beitragen, den Verkaufspreis niedrig zu halten.
Die Abmessungen haben in der Zwischenzeit erheblich zugenommen. Mit einer Länge von 3,85 Metern ist der Spring etwa 15 Zentimeter länger als sein Vorgänger. Besonders auffällig ist die gestiegene Breite – mit 1,74 Metern, ohne Außenspiegel, kommt es zu einem Zuwachs von etwa 18 Zentimetern. Dadurch erhält der Spring nicht nur ein breiteres und stabileres Erscheinungsbild, sondern vor allem auch mehr Platz für die Insassen.



Mehr Platz, 337 Liter Kofferraum und sogar ein Frunk
Die zusätzlichen Zentimeter werden äußerst effizient genutzt. Dacia betont ein der geräumigsten Innenräume im elektrischen A-Segment. Auch der Kofferraum vergrößert sich auf maximal 337 Liter. Mit dem in zwei gleich große Teile umklappbaren Rücksitz entsteht ein maximaler Ladebereich von 1.283 Litern.
Auffällig ist außerdem, dass Dacia Platz für einen optionalen Frunk gefunden hat. Dieser Stauraum unter der Motorhaube fasst 18 Liter und eignet sich besonders gut für eine Ladekabel oder andere Gegenstände, die man lieber nicht zwischen dem Gepäck verstaut.
Dadurch wird der neue Dacia Spring eindeutig vielseitiger als sein Vorgänger. Die erste Generation setzte das Elektrofahren vor allem durch seinen niedrigen Preis und seine einfache Konstruktion in den Vordergrund. Dennoch gelang es ihr, uns damals zu überzeugen: Im Jahr 2022 gewann der Dacia Spring bei den e-Drivers die Kategorie „Kompakte Klasse des EV des Jahres“. Die neue Generation versucht, dieses preiswerte Konzept beizubehalten, kombiniert es jedoch mit mehr Platz, Leistung und Komfort. Während das erste Modell vor allem durch seinen niedrigen Preis und seine kompakten Außenmaße beeindruckte, versucht Dacia vom Nachfolger ausdrücklich ein vollwertiges Alltagsauto zu machen.


Neuer Dacia Spring mit einer Reichweite von 250 Kilometern
Unter dem Boden befindet sich ein LFP-Akku mit einer nutzbaren Kapazität von 27,5 kWh. Nach aktuellen Standards für Elektrofahrzeuge ist das immer noch bescheiden, doch Dacia wählt dies bewusst. Das Unternehmen gibt eine maximale kombinierte WLTP-Reichweite von 250 Kilometern an.
Der Elektromotor leistet 60 kW, das entspricht 80 PS, sowie 175 Nm Drehmoment. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dauert 12,1 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 km/h. Damit ist der Spring weiterhin auf effiziente tägliche Nutzung ausgerichtet, doch seine Leistungen sind weniger eingeschränkt als bei der ersten Generation.
Auch das relativ geringe Gewicht trägt dazu bei. Der neue Spring wiegt ab 1.212 Kilogramm. Das ist für ein Elektroauto bemerkenswert wenig und verhindert, dass ein größeres Akkupaket benötigt wird, um eine brauchbare Reichweite zu erreichen. Laut Angaben von Dacia fahren aktuelle Spring-Besitzer im Durchschnitt 34 Kilometer pro Tag. In drei Vierteln der Fälle wird das Auto zu Hause aufgeladen. Für viele Nutzer würde eine Reichweite von 250 Kilometern bedeuten, dass es nicht jeden Tag geladen werden muss.
Schnellladen mit 50 kW bleibt optional
Beim Laden hält Dacia die Standardausstattung bewusst einfach. Der neue Spring erhält standardmäßig einen 6,6 kW-AC-Bordlader. An einer 7 kW-Wallbox dauert das Aufladen von 15 auf 80 Prozent laut Dacia etwa 2 Stunden und 55 Minuten.
Wer mehr Ladeoptionen wünscht, kann sich für das Fast Charge Pack entscheiden. Damit erhält der Spring einen 11 kW AC-Bordlader sowie die Möglichkeit, mit bis zu 50 kW Gleichstrom schnell aufzuladen. Von 15 auf 80 Prozent dauert es bei einem geeigneten DC-Schnelllader 28 Minuten. An einer dreiphasigen 11 kW-Ladestelle dauert derselbe Ladevorgang 1 Stunde und 55 Minuten.
50 kW klingt bei modernen Elektroautos nicht besonders beeindruckend, doch das kleine Akkupaket spielt hier in den Vorteil des Spring. Schließlich muss auch deutlich weniger Energie nachgeladen werden als bei einem EV mit beispielsweise einem Akkupaket von 70 oder 80 kWh.
Zusätzlich ist V2L als Bestandteil eines Charge Packs verfügbar. Damit kann Energie aus dem Akkupaket über eine 220V-Verbindung für externe elektrische Geräte genutzt werden. Beispiele hierfür sind das Aufladen eines E-Bikes oder die Anschluss von kleineren elektrischen Geräten.


Auch der Innenraum macht große Fortschritte
Innen versucht Dacia, das preisgünstige Charakteristikum nicht vollständig zu überwinden, doch die Ausstattung ist eindeutig moderner. Alle Versionen verfügen über ein 7-Zoll-Digitalinstrumentendisplay. Der Spring Expression nutzt Media Control, wobei das Smartphone des Fahrers eine wichtige Rolle bei Funktionen wie Medien und Navigation spielt. Dafür erhält das Telefon einen festen Platz auf dem Armaturenbrett.
Die luxuriösere Journey-Ausstattung verfügt über Media Nav Live mit einem zentralen 10,1-Zoll-Touchscreen, Navigationssystem, vernetzten Diensten sowie drahtlosem Apple CarPlay und Android Auto. Ebenfalls zur Seriausstattung gehören eine Rückfahrkamera und eine handsfree-fähige Schlüsselkarte. Praktische Verbesserungen sind mindestens genauso interessant: Der Fahrersitz ist nun nicht nur verschiebbar, sondern auch in der Höhe verstellbar. Zudem kann das Lenkrad sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe angepasst werden. Gerade in solchen Punkten sollte die neue Generation viel reifer wirken als ihr Vorgänger.
Expression und Journey halten das Angebot übersichtlich
Dacia wählt nur zwei Ausstattungsvarianten: Expression und Journey. Beide verfügen über denselben 60 kW starken Elektromotor, dasselbe 27,5 kWh große LFP-Akku-Paket sowie standardmäßig denselben 6,6 kW starken Wechselstrom-Ladegerät an Bord.
Der Expression verfügt über 15-Zoll-Stahlräder und bietet unter anderem manuell bedienbare Klimaanlage, Rückfahrsonden, elektrische vordere Seitenscheiben, elektrisch verstellbare Außenspiegel sowie Media Control.
Der Journey kommt unter anderem mit 16-Zoll-Rädern, einer Rückfahrkamera, handsfreiem Zugang sowie einem 10,1-Zoll-Multimediasystem. Dadurch behält Dacia eine einfache Aufbauweise des Angebots bei, wobei die technische Basis nicht vom Ausstattungsniveau abhängt.
Der Preis in den Niederlanden bleibt unter 20.000 €
Möglicherweise ist der Preis vorerst die wichtigste Zahl. Dacia Nederland bestätigt, dass der neue Dacia Spring mit einem Einstiegspreis von weniger als 20.000 € erhältlich sein wird. Der genaue Einstiegspreis in den Niederlanden wurde jedoch bisher noch nicht bekannt gegeben.
Auch zu dem Zeitpunkt, ab wann niederländische Kunden den neuen Spring bestellen können und wann die ersten Fahrzeuge geliefert werden, gibt Dacia in der aktuellen Pressemitteilung noch keine konkreten Informationen. Die endgültige Preisliste sowie Details zur Markteinführung in den Niederlanden folgen daher später.
Das ist relevant, denn gerade der endgültige Preis bestimmt, wie stark die Position des Spring ausfällt. Der Markt für kompakte Elektroautos ist in den letzten Jahren immer konkurrenzintensiver geworden, und bei einem Preis von rund 20.000 Euro tauchen immer mehr Alternativen auf. Dacia scheint daher alles getan zu haben, um den Spring geräumiger und nützlicher zu machen, ohne ihn aus seiner ursprünglichen Preisklasse zu heben.
Nicht mehr nur deshalb interessant, weil er günstig ist
Der neue Spring scheint dadurch ein viel ernsthafteres Auto zu werden als die erste Generation. Das Akkupaket bleibt klein und das 50 kW schnelle Laden bricht keine Rekorde, doch dagegen stehen ein geringes Gewicht, eine WLTP-Reichweite von 250 Kilometern sowie erstaunlich viel Platz. Insbesondere die Kombination aus nur 3,85 Metern Länge, 337 Litern Kofferraumvolumen und einem Preis unter 20.000 Euro kann interessant sein. Beim alten Spring musste man ihm vor allem deshalb verzeihen, weil er billig war. Bei dieser neuen Generation versucht Dacia offenbar, ein Auto zu schaffen, das ebenfalls billig ist.
Ob das in der Praxis klappt, wissen wir erst, wenn wir damit fahren können. Auf dem Papier macht die zweite Generation genau die Schritte, die der Spring benötigte: mehr Platz, mehr Leistung, ein moderneres Interieur und eine nützlichere Reichweite, während Dacia die psychologisch wichtige Grenze von 20.000 Euro nicht aus den Augen verliert.
Text: Marc Verweij