Säuglinge sind am besten geschützt. ADAC weist auf die Spitzenreiter bei Kindersitzen hin und warnt vor Gefahren.

Kurz gesagt:
Die höchste Sicherheitsstufe bieten weiterhin Kindersitze – das geht aus den ADAC-Tests hervor
Experten aus Deutschland entdeckten in einigen Produkten beunruhigende Chemikalien
Zwei der 16 getesteten Modelle bestanden den entscheidenden Frontalcrashtest nicht
Beim Kauf sollte man auf keinen Fall vom Preis oder Aussehen ausgehen
ADAC: Kindersitze an der Spitze der Rangliste
In der neuesten Ausgabe der Kindersitztests prüfte der deutsche Automobilverband ADAC in Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest sowie Partnern aus anderen europäischen Ländern 16 Modelle für Säuglinge und Kleinkinder. Bewertet wurden nicht nur der Schutz bei Kollisionen, sondern auch die Ergonomie, die Bedienungsfreundlichkeit sowie das Vorhandensein von Stoffen, die potenziell der Gesundheit und Umwelt schaden können.
In der Gesamtbewertung schnitten die Kindersitze am besten ab. Sieger des Tests war der Maxi-Cosi Coral Slide Pro in Kombination mit der Isofix-Basis Family Fix Slide Pro, der eine Gesamtbewertung von 2,1 auf der deutschen Skala erhielt, was einer Bewertung von „gut“ entspricht. In der Kategorie Sitze für kleine Kinder wurde das Modell Recaro Toron 1 am höchsten bewertet und erhielt eine Note von 2,3.
Auch der Maxi-Cosi MobiFix Pro verdient Aufmerksamkeit. Es ist das einzige Modell in der Studie, das auch für ältere Kinder bis zum sechsten Lebensjahr geeignet ist und eine „gute“ Bewertung erhielt. Allerdings weist es eine Eigenschaft auf, die nicht jedem gefallen wird. Der Kindersitz kann ausschließlich rückwärts zur Fahrtrichtung verwendet werden. Obwohl dies aus Sicht der Sicherheit eine von Experten empfohlene Lösung ist, mögen einige Kinder diese Position während der Reise weniger gut vertragen.
Sicher, aber duftend
Der Test zeigte außerdem erhebliche Unterschiede hinsichtlich des Gehalts an chemischen Stoffen. Interessanterweise war nur ein Produkt völlig frei von nachweisbaren schädlichen Stoffen. Es handelte sich um den Britax Römer Babysafe Pro, sowohl in der Version mit Vario Base 5Z als auch ohne diese. In den meisten der übrigen Modelle fanden die Labore nur spürbare Mengen bestimmter chemischer Verbindungen, die keine größeren Bedenken hervorriefen.
Doch es gab auch alarmierende Ergebnisse. Im Modell Avionaut Aerofix Smart mit IQ Orbit-Basis wurde ein erhöhter Gehalt an Verbindungen der PFAS-Gruppe festgestellt, die oft als „ewige Chemikalien“ bezeichnet werden. Diese Stoffe zersetzen sich in der Umwelt äußerst langsam und können in die Nahrungskette gelangen. Noch größere Bedenken weckten die Kindersitze der Marken Lionelo und Axkid, in denen erhöhte Konzentrationen von Stoffen mit krebserregendem Potenzial nachgewiesen wurden. Bei dem Produkt Lionelo wurden die geltenden Grenzwerte nicht überschritten, während das Modell Axkid den zulässigen Wert erheblich überschritt – so heißt es in der Mitteilung der Organisation.

Achtung, Achtung!
Der schwedische Hersteller stand aus einem anderen Grund ebenfalls unter der Lupe. Schon vor Veröffentlichung der ADAC-Testergebnisse warnte dieser zusammen mit den Testpartnern die Verbraucher vor dem Axkid sowie dem Britax Römer Baby-Safe Pro mit der Vario Base 5Z-Basis. Beide Produkte erfüllten bei den Frontalcrashtests nicht die Erwartungen. Die Experten befanden, dass Kinder, die in diesen Kindersitzen unterwegs sind, im Falle eines echten Unfalls schwere Verletzungen erleiden könnten. Als Reaktion auf die Ergebnisse entschlossen sich die Hersteller, die Produkte vom Markt zurückzuziehen.
Eine besonders strenge Warnung richtet sich an Eltern, die Ausrüstung im Internet kaufen. Im Rahmen der Untersuchung prüften Experten außerdem drei Produkte, die aus anderen europäischen Ländern per Versand verkauft werden. Zwei davon waren aus Textilmaterial gefertigte Gurtsysteme, die direkt am Autositzen befestigt werden und als Alternative zu herkömmlichen Kindersitzen beworben wurden. Die Tests zeigten jedoch, dass sie bei einem Frontalunfall nicht in der Lage sind, das Kind in der richtigen Position zu halten, was lebensbedrohliche Verletzungen verursachen kann.

Auch der Test eines nicht markengebundenen Kindersitzes, der zwar eine Zulassung nach dem aktuellen Standard aufwies, aber in seinem Aussehen älteren Modellen ähnelte, brachte besorgniserregende Ergebnisse. Bei dem Seitenstoßtest war der Kopf des Kindes nur sehr begrenzt geschützt und konnte direkt gegen die Autotür prallen, was ein hohes Risiko für schwere Verletzungen mit sich bringt.
Zusammenfassend
Die Schlussfolgerungen der Experten sind eindeutig. Wie der ADAC betont, sollten Eltern ihre Kaufentscheidung auf den Ergebnissen unabhängiger Tests stützen und nicht ausschließlich auf den Angaben der Hersteller. Die Organisation empfiehlt außerdem, den Kindersitz vor dem Kauf an das jeweilige Auto anzupassen und sich gründlich mit der Montageanleitung vertraut zu machen. Selbst das beste Modell kann nämlich seine Schutzfunktionen verlieren, wenn es falsch mit dem Sicherheitsgurt befestigt wird.
Oskar Włostowski