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Neuer Voyah Passion S düst kopfüber durch den Tunnel

Neuer Voyah Passion S düst kopfüber durch den Tunnel

Mit einem spektakulären Looping an einer Tunneldecke hat Voyah sein neues Elektro-SUV Passion S ins Rampenlicht gefahren. Doch hinter dem Marketing-Stunt in Mercedes-Manier steckt mehr: 800-Volt-Technik, bis zu 740 Kilometer Reichweite und ein Kampfpreis für den chinesischen Markt.

Mit einem spektakulären Tunnel-Stunt hat Voyah die Aufmerksamkeit auf sein neues Elektro-SUV Passion S gelenkt: Der mehr als fünf Meter lange Stromer absolvierte in Wuhan einen vollständigen 360-Grad-Looping und fuhr dabei kurzzeitig kopfüber an der Tunneldecke. Jetzt hat die Dongfeng-Nobelmarke das Coupé-SUV in China auf den Markt gebracht. Mit 800-Volt-Technik, bis zu 740 Kilometern CLTC-Reichweite und Preisen ab 229.900 Yuan (umgerechnet rund 29.500 Euro) zielt der Passion S unter anderem auf den Xiaomi YU7.

Die Vorlage für die ungewöhnliche Marketingaktion ist bereits 16 Jahre alt: 2010 zeigte Mercedes-Benz in einem Werbespot einen SLS AMG mit Michael Schumacher am Steuer bei einem scheinbaren Looping durch einen Tunnel. Ob das Manöver für den damaligen Werbefilm tatsächlich in dieser Form gefahren wurde, ist allerdings nicht zweifelsfrei belegt. Voyah griff die Inszenierung nun für den deutlich größeren und schwereren Passion S auf.

Nach Angaben des Herstellers fuhr der Passion S mit etwa 130 km/h in die Steilwand eines abgesperrten Testtunnels in Wuhan. Beim Einfahren soll ein Lenkwinkel von rund 16 Grad erforderlich gewesen sein. Voyah zufolge handelte es sich um ein serienmäßiges und nicht speziell für den Versuch modifiziertes Fahrzeug. Unabhängig verifiziert ist diese Herstellerangabe nicht.

Nachdem im Netz erste Zweifel am zunächst veröffentlichten, stark inszenierten Werbevideo aufgekommen waren, veröffentlichte Voyah zusätzlich eine ungeschnittene Aufnahme des erfolgreichen Versuchs. Darin ist der vollständige Umlauf zu sehen, wobei das Manöver weniger makellos wirkt als im Werbeclip. Zudem kursiert Material eines vorherigen, gescheiterten Versuchs, bei dem ein getarnter Passion S den Kontakt zur Tunnelwand verlor und abstürzte.

Voyah Passion S: Bis zu 475 kW und zwei Batteriegrößen

Abseits des Marketing-Stunts positioniert Voyah den Passion S als großes und sportlich ausgelegtes Elektro-SUV. Mit 5,05 Metern Länge, 1,998 Metern Breite und 1,656 Metern Höhe bewegt sich das Modell größenmäßig nahe am Xiaomi YU7. Der Radstand beträgt genau drei Meter. Voyah vermarktet den Passion S als sogenanntes „FUV“, ohne dass es sich dabei um eine etablierte Fahrzeugklasse handelt.

In China werden drei Versionen angeboten: Die beiden Hecktriebler leisten jeweils 300 kW und bringen 390 Nm Drehmoment auf die Straße. Das Basismodell kombiniert den Antrieb mit einem 81,6 kWh großen LFP-Akku und soll nach chinesischem CLTC-Zyklus 630 Kilometer weit kommen. Mit dem größeren 98,1-kWh-Akku steigt die Normreichweite auf bis zu 740 Kilometer. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h nennt Voyah 6,7 beziehungsweise 6,9 Sekunden.

Das Topmodell verfügt über zwei Elektromotoren. Zu den 300 kW an der Hinterachse kommen 175 kW vorne, womit sich eine Systemleistung von 475 kW und ein maximales Drehmoment von 765 Nm ergeben. Der Allradler beschleunigt laut Hersteller in 4,5 Sekunden auf 100 km/h und kommt mit seinem ebenfalls 98,1 kWh großen Akku auf 700 Kilometer nach CLTC. Während die Heckantriebe adaptive Dämpfer besitzen, erhält die Allradversion zusätzlich eine höhenverstellbare Luftfederung.

800 Volt und zehn Minuten von 20 auf 80 Prozent

Allen Varianten gemeinsam ist eine 800-Volt-Architektur mit Siliziumkarbid-Technik. Die LFP-Batterien unterstützen laut Voyah eine Laderate von bis zu 5C. Für den Ladevorgang im Fenster von 20 auf 80 Prozent nennt der Hersteller unabhängig von der Batteriegröße zehn Minuten. Eine konkrete maximale DC-Ladeleistung in kW weist Voyah bislang nicht aus. Zusätzlich beherrscht der Passion S Vehicle-to-Load (V2L)mit einer Leistung von bis zu 6 kW.

Bei den Assistenzsystemen setzt Voyah auf Technik von Huawei. Qiankun ADS 5 gehört bei allen drei Varianten zum Serienumfang. Insgesamt sind vier LiDAR-Sensoren verbaut, darunter ein sogenannter 896-Linien-LiDAR an der Fahrzeugfront sowie drei weitere Sensoren zur Überwachung des Nahbereichs. Insgesamt zählt Voyah 33 Sensoren am Fahrzeug. Im Innenraum kommt mit HarmonySpace 5.2 ebenfalls Software von Huawei zum Einsatz.

Das Kofferraumvolumen gibt Voyah mit 584 bis 1.744 Litern an, hinzu kommt ein 80 Liter großer Frunk. Zur weiteren Ausstattung gehören unter anderem rahmenlose Türen, ein adaptiver Heckspoiler und bis zu 21 Zoll große Räder.

Passion S startet knapp unterhalb des Xiaomi YU7

Die regulären Listenpreise liegen bei 229.900 Yuan (rund 29.400 Euro) für das Basismodell, 255.900 Yuan (rund 32.700 Euro) für den Hecktriebler mit großer Batterie und 279.900 Yuan (rund 35.800 Euro) für die Allradversion. Zur Markteinführung bietet Voyah die Varianten vorübergehend günstiger an.

Damit startet der Passion S in China etwas billiger als der Xiaomi YU7, dessen Modellpalette bei 233.500 Yuan (rund 29.900 Euro) beginnt. Ein direkter Vergleich mit europäischen Fahrzeugpreisen ist hingegen nur eingeschränkt sinnvoll, da Steuern, Zölle und weitere Kosten eines möglichen Europa-Vertriebs darin nicht berücksichtigt sind.

Ob der Passion S überhaupt nach Deutschland oder in andere europäische Märkte kommt, ist bislang offen. Stellantis und Dongfeng haben im Mai 2026 lediglich eine unverbindliche Absichtserklärung für ein gemeinsames Unternehmen unterzeichnet, das unter anderem Voyah-Modelle in ausgewählten europäischen Märkten vertreiben soll. Eine konkrete Europa-Einführung des Passion S wurde damit jedoch nicht angekündigt.

Mit dem Passion S bringt Voyah dennoch ein technisch ambitioniertes Elektro-SUV auf den chinesischen Markt, das mit hoher Ladegeschwindigkeit, großer Batterie und umfangreicher Assistenztechnik in einem zunehmend umkämpften Segment antritt. Der Tunnel-Looping dürfte dem Modell zumindest die gewünschte Aufmerksamkeit zum Marktstart gesichert haben.