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Politik

Momenta überwindet die Hürde für Testfahrten auf Stufe 4 in Deutschland

Momenta überwindet die Hürde für Testfahrten auf Stufe 4 in Deutschland

Momenta Robotaxi

Momenta hat bekannt gegeben, dass es eine Testlizenz von der Bundesanstalt für Straßenwesen (KBA) erhalten hat. Diese Genehmigung ermöglicht autonome Testfahrten auf Niveau 4 auf Stadtstraßen im gesamten Land. Laut Momenta ist das Unternehmen damit das erste chinesische Unternehmen, dem die Behörde eine solche landesweite Genehmigung für den Stadtbereich erteilt hat.

Niveau 4 Autonomes Fahren: Was das in der Praxis bedeutet

Stufe 4 bedeutet, dass das Fahrzeug innerhalb eines vordefinierten Betriebsbereichs vollständig autonom fahren kann und im Falle eines Defekts ohne menschliches Eingreifen in einen sicheren Zustand gebracht werden kann. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, dass ein Sicherheitsfahrer im Notfall die Kontrolle übernimmt. Infolgedessen unterscheidet sich die Anstrengung, die zur Nachweisführung der Konformität erforderlich ist, völlig von der bei Fahrerassistenzsystemen der Stufe 2, die heute in fast allen neuen Autos Standard sind.

Durch das Autonome Fahren-Gesetz von 2021 wurde Deutschland zu einem der ersten Länder weltweit, das einen Rechtsrahmen schuf, in dem die KBA als Zulassungsbehörde fungiert. Der Ruf dieser Behörde als besonders strenge Prüfstelle ist genau der Grund, warum Momenta diese Zulassung betont: Diejenigen, die sie erhalten, erlangen einen international anerkannten Standard.

Technisch gesehen stützt sich Momenta auf das sogenannte World Model – ein System, das nicht nur seine Umgebung wahrnimmt, sondern auch deren zukünftige Entwicklung vorhersagt. CEO Xudong Cao beschreibt dies als ein System, das nicht nur die Straße sehen muss, sondern sie auch verstehen muss. Zudem muss es in der Lage sein, vorherzusagen, wie sich eine Situation entwickeln wird, bevor sie eintritt. Dieses Prinzip bildet den wesentlichen Unterschied zwischen einem Fahrerassistenzsystem und einem vollautonomen Fahrzeug: Ein regelbasiertes Verfahren reagiert, während ein prädiktives Modell plant. In dichtem Stadtverkehr mit Radfahrern, Lieferwagen, die in der zweiten Reihe parken, oder Fußgängern, die zwischen geparkten Autos hervorkommen, bestimmt diese Fähigkeit die Fahrqualität und Sicherheit.

München bleibt der wichtigste Markt

Die Genehmigung kam nicht aus heiterem Himmel: Im September 2025 kündigten Uber und Momenta Pläne an, ab 2026 gemeinsam Robotaxis in München zu testen und von dort aus ein europäisches Dienstleistungsangebot aufzubauen. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch unklar, wie schnell die Anforderungen erfüllt werden könnten. Neben der Nachweisführung der Fahrfunktion muss außerdem ein bestimmtes Betriebsgebiet definiert und von den Behörden genehmigt werden. Der Start in der bayerischen Hauptstadt ist kein Zufall: Während das europäische Hauptsitz von Momenta in Böblingen bei Stuttgart liegt, unterhält das Unternehmen auch ein Büro in München. Zudem liefert Momenta Fahrassistenzsysteme für die chinesischen Modelle von BMW und Mercedes-Benz und zählt den in Stuttgart ansässigen Automobilhersteller seit 2017 zu seinen Investoren. Es bestehen außerdem Verbindungen zu Audi und der Volkswagen Group.

Der Zeitpunkt der Ankündigung stimmt außerdem mit finanziellen Entwicklungen überein: Momenta ging am 8. Juli in Hongkong an die Börse und sammelte dabei etwa 6,8 Milliarden Hongkong-Dollar ein. Etwa ein Fünftel dieses Betrags ist für die Kommerzialisierung seines Robotaxi-Geschäfts vorgesehen. Uber erhöhte seinen Anteil während der Börsengang und hält nun über eine Tochtergesellschaft etwa 1,19 Millionen Aktien – im Wert von rund 45 Millionen US-Dollar. Neben Uber gehören auch Grab, Lumo und EnjoyGo (der Mobilitätsdienst von SAIC Motor) zu den Investoren.

Trotz der Fortschritte in der autonomen Mobilität ist eine nüchterne Betrachtung angebracht: Eine Testgenehmigung ist keine Betriebslizenz. Zwischen den Tests und einem Service, der regulären Passagieren das Einsteigen und Fahren ermöglicht, liegen viele weitere Genehmigungsverfahren. Momenta hat noch keinen Starttermin für den Service bekannt gegeben. Die Tatsache, dass Baidus Apollo Go gleichzeitig über Lyfts Tochtergesellschaft Freenow in London auf den Straßen erscheint, unterstreicht einen wichtigen Punkt: Der Wettlauf um die erste Robotaxi-Flotte Europas ist in vollem Gange, und die Fahrzeuge dafür stammen überwiegend aus China.

VolkswagenBMWMercedesAudiEV

Quelle: electrive