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Sonstiges

Mega-Rückruf in China trifft Tesla, Xiaomi und Co.

Mega-Rückruf in China trifft Tesla, Xiaomi und Co.

China hat die bislang größte Rückrufaktion seiner Autoindustrie gestartet. Wegen möglicher Probleme mit der mechanischen Notentriegelung der Türen müssen Hersteller bei mehreren Millionen Fahrzeugen nachbessern. Betroffen sind unter anderem Tesla, Xiaomi, Leapmotor, Xpeng und Zeekr.

Die chinesische Marktaufsicht SAMR hat am Freitag Rückrufe und weitere Maßnahmen in Verbindung mit insgesamt elf Autoherstellern veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht bei einem Großteil der Fahrzeuge die mechanische Notentriegelung der Türen. Diese kann sich farblich nur wenig von der umgebenden Verkleidung abheben und deshalb im Notfall schwer zu erkennen oder zu bedienen sein. Fällt bei einem schweren Unfall auch das elektrische System des Fahrzeugs aus, könnte das Insassen daran hindern, die Türen schnell zu öffnen und zugleich Rettungsmaßnahmen von außen erschweren. Neun der elf Hersteller wollen deshalb unter anderem zusätzliche Warnhinweise anbringen.

Allein die Rückrufe wegen dieses Problems umfassen mehr als vier Millionen Fahrzeuge. Den mit Abstand größten Anteil hat Tesla. Der US-Hersteller ruft ab dem 25. September knapp 2,98 Millionen importierte und in China produzierte Model 3, Model Y, Model S und Model X zurück. Neben zusätzlichen Hinweisen auf die mechanische Notentriegelung soll ein OTA-Update dafür sorgen, dass sich die Fenster nach einem Unfall automatisch absenken.

Auch zahlreiche chinesische Hersteller müssen nachbessern. Xiaomi ruft 390.435 Exemplare des SU7 aus dem Modelljahr 2024 zurück und will neben Warnhinweisen per Software die Entriegelungslogik und das Absenken der Fenster optimieren. Bei Leapmotor sind insgesamt 371.200 C11 und C01 betroffen, Xpeng ruft 264.842 Fahrzeuge der Baureihen G6, P7+ und X9 zurück. Bei Zeekr betrifft die Maßnahme 92.658 Exemplare des 007 und X. Weitere Rückrufe wurden unter anderem für Fahrzeuge von Chery, Dongfeng, Arcfox und FAW angekündigt. Die Maßnahmen reichen von zusätzlichen Kennzeichnungen bis zum Austausch der Abdeckungen der mechanischen Notentriegelung.

China verschärft Vorgaben für Türgriffe

Die groß angelegte Rückrufaktion kommt nicht überraschend. China verschärft derzeit die Sicherheitsvorgaben für Türsysteme und wird ab 2027 als erstes Land verdeckte beziehungsweise versenkbare Türgriffe in ihrer bisherigen Form weitgehend aus Neufahrzeugen verbannen. Hintergrund sind Bedenken, dass elektrisch betätigte Systeme nach einem Unfall und einem Ausfall der Stromversorgung den Zugang zum Fahrzeug erschweren können. Die neuen Vorgaben verlangen deshalb unter anderem mechanische Entriegelungsmöglichkeiten.

Die Tragweite solcher Vorgaben wächst mit der Bedeutung Chinas für den internationalen Automarkt. Im Juli erreichten New Energy Vehicles (NEV) mit 1,561 Millionen Einheiten erstmals einen Anteil von 60,4 Prozent am chinesischen Neuwagenabsatz. Gleichzeitig entwickelt sich China zunehmend zur Exportnation für elektrifizierte Fahrzeuge: Im Juli wurden 553.000 NEVs exportiert, 145,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Mehr als die Hälfte aller chinesischen Fahrzeugexporte entfiel damit bereits den zweiten Monat in Folge auf NEVs.

Mit der wachsenden internationalen Präsenz chinesischer Hersteller dürften damit auch die dort entwickelten Sicherheitsstandards über den Heimatmarkt hinaus an Bedeutung gewinnen. Das Thema Türgriffe beschäftigt ohnehin längst nicht mehr nur chinesische Behörden: Auch in den USA stehen elektrisch betätigte und versenkbare Türsysteme wegen möglicher Sicherheitsrisiken nach Unfällen verstärkt im Fokus.

Parallel hat Tesla in China einen separaten Rückruf von rund 2,74 Millionen Model 3 und Model Y wegen der Fahrerüberwachung angekündigt. Die bisherige Überwachung über das Lenkraddrehmoment reicht der chinesischen Aufsicht nicht aus; Tesla soll deshalb per OTA-Update zusätzlich die Innenraumkamera einbeziehen. Werden auch dieser und weitere am selben Tag bekanntgegebene Rückrufe berücksichtigt, summieren sich die Maßnahmen auf mehr als sieben Millionen Fahrzeuge.