Maxus hat in Europa einen elektrischen Traktor mit 42 Tonnen Gewicht vorgestellt. Dazu kommen RoboVana und der Service.

Maxus, eine Marke von SAIC, präsentierte auf der IAA Transportation in Hannover den ersten elektrischen Sattelzug Europas mit einer Tragfähigkeit von 42 Tonnen sowie das leichtere Modell eDeliver 75 für die Klasse von 7,5 Tonnen. Neben diesen Fahrzeugen zeigte das Unternehmen auch den autonomen RoboVana und kündigte an, bis Ende 2026 das Servicenetz in Deutschland auf 170 Standorte auszubauen.
Es handelt sich dabei nicht mehr nur um einen Hersteller von Vans und Pick-ups. Maxus versucht, in fast ganze Logistikketten einzudringen – von der Stadtlieferung bis zum Schwertransport.
eDeliver 420L: 615 kWh, 25 Minuten Ladezeit – und ein wichtiger Parameter fehlt
Die stärkste Neuheit auf dem Stand ist der Maxus eDeliver 420L, ein elektrischer Sattelzug für Gespanne mit einer Tragfähigkeit von 42 Tonnen. Das Fahrzeug basiert auf der modularen AILink-Architektur und soll laut Hersteller für den Langstreckentransport optimiert sein. Dabei helfen Energiemanagement sowie eine fünfstufige Rekuperation.
In der Karosserie ist eine CATL-Batterie mit einer Kapazität von 615 kWh verbaut. Maxus gibt eine Lebensdauer von bis zu 1,5 Millionen Kilometern an. Das klingt auf dem Papier gut, doch der Hersteller hat noch keine Reichweite angegeben. Bei einer solchen Markteinführung ist das ein erheblicher Mangel.
Dafür wurden die Ladeparameter genannt. Von 20 auf 80 Prozent soll der Lastwagen in 25 Minuten geladen sein. Wenn diese Zahl auch außerhalb des Werbeauftritts gehalten werden kann, handelt es sich um ein wirklich beeindruckendes Ergebnis für eine so große Batterie. Maxus untermauert dies mit Angaben zu Fahrerpausen und Arbeitszeiten, was im Schwerlastverkehr durchaus logisch ist.
Auch das Thema Sicherheit spielt eine Rolle. Die neue Fahrerkabine erfüllt die Anforderungen von ECE R29 V3.0 und soll im Falle eines Unfalls um 500 Millimeter zurückweichen, um Fahrer und Passagiere besser zu schützen.
eDeliver 75 und RoboVan: Stadtlogistik – mit unterschiedlichem Realitätsgrad
Die zweite Neuheit ist der Maxus eDeliver 75, der nach seiner Premiere im Vereinigten Königreich im letzten Jahr in Deutschland vorgestellt wurde. Es handelt sich um eine Fahrzeugplattform für die 7,5-Tonnen-Klasse, die auf den städtischen Transport und kommunale Anwendungen ausgerichtet ist.
Das Fahrzeug verfügt über eine 120-kWh-Batterie, eine Reichweite von bis zu 250 km nach WLTP sowie ein DC-Laden mit 120 kW. Die Aufladung von 20 auf 80 Prozent sollte etwa 30 Minuten dauern. Der Hersteller gibt außerdem eine Tragfähigkeit der Plattform von 4590 kg sowie eine elektrische Antriebsleistung ePTO an, was für spezielle Fahrzeuge oft wichtiger ist als die Antriebsleistung selbst.
Neben ihm steht noch der RoboVan mit Level-4-Autonomie. SAIC behauptet, seine Technologie habe bereits in realen Tests ohne Unfälle mehr als 10 Millionen Kilometer zurückgelegt. Der Van verfügt über 3 Lidar-Sensoren, 11 Kameras, eine Tragfähigkeit von bis zu 1500 kg sowie einen Ladebereich von über 6 m³. Doch zwischen den Testfahrten und dem regulären Einsatz auf europäischen Straßen liegt noch ein langer Weg.
Maxus präsentiert außerdem V2X-Lösungen, also eine zweckorientierte Ladefunktion für Nutzfahrzeuge. Auf der Messe finden sogar tägliche Demonstrationen statt, wie eine Flotte als Energiespeicher fungieren und die Spitzenlasten in Gebäuden reduzieren kann. Eine interessante Richtung – doch auch hier befinden wir uns noch in der Pilotierungsphase.
Auf dem deutschen Markt möchte die Marke ihre Expansion durch Serviceleistungen stützen. Bis Ende 2026 soll das Netz auf 170 Standorte ausgeweitet werden. Utz Rachner, Leiter von Maxus Germany, sagt unverblümt: „Dieser strategische Schritt bedeutet einen bedeutenden Fortschritt für die Marke auf dem deutschen Markt und hat ein klares Ziel: Den Kundenservice, die Lieferung von Ersatzteilen sowie die Unterstützung für Flotten und Händler so kundenorientiert, schnell und effizient wie möglich zu gestalten.“
Falls Maxus Lade- und Serviceleistungen anbieten kann, könnte er in Europa nicht mehr nur als Marke für Transporter gelten, sondern zu einem echten Akteur in der E-Logistik werden. Und Sie – würden Sie heute einem 42-Tonnen-Lkw ohne angegebene Reichweite vertrauen?
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