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Technologie

MAN verspricht für seinen neuen Elektro-Lkw eine Reichweite von 720 km … und in der Praxis mehr als 600 km.

MAN verspricht für seinen neuen Elektro-Lkw eine Reichweite von 720 km … und in der Praxis mehr als 600 km.

Auf der IAA Transportation in Hannover präsentiert MAN eine neue Generation seines eTGX mit angekündigter Reichweite von bis zu 720 Kilometern. Doch der Hersteller betont vor allem eine konkretere Zahl: mehr als 600 Kilometer unter realen Bedingungen im Langstreckentransport.

Der Elektro-Lkw beginnt ernsthaft, an Bedeutung zu gewinnen. Weniger als zwei Jahre nach den ersten Lieferungen an Kunden in der Porsche-Fabrik in Leipzig präsentiert MAN auf der IAA Transportation in Hannover eine stark überarbeitete Version seines elektrischen eTGX.

Durch eine angegebene Reichweite von bis zu 720 km schreitet der Münchner Hersteller in Sachen Langstreckenfahrten einen neuen Schritt voran. Auf dem Papier übertrifft er sogar den neuen Volvo FH Aero Electric, der mit bis zu 700 km ausgestattet ist. Doch MAN setzt nicht nur auf diese maximale Zahl. Der Hersteller behauptet außerdem, dass sein neuer Lkw unter realen Langstreckenbedingungen mehr als 600 km zurücklegen kann – eine Zahl, die für Betreiber weitaus aussagekräftiger ist.

Eine neue Batterie für eine Reichweite von über 700 km

Die wichtigste Verbesserung findet sich bei den Batterien. Jeder Akkupack wechselt von 89 kWh Bruttokapazität und 80 kWh Nettokapazität auf 92 kWh Bruttokapazität und 88 kWh Nettokapazität. Dadurch steigt die Auslastungsrate der Kapazität auf 95 %. Die NMC-Chemie bleibt unverändert, und MAN setzt die Herstellung seiner Batterien weiterhin in seinem Werk in Nürnberg fort. Bei Dreiradtraktoren im 6×2-Layout kann MAN nun einen siebten Akkupack einbauen – eine Möglichkeit, die zuvor nur für Chassis vorgesehen war.

Mit sieben Akkupacks beträgt die Gesamtkapazität nun 644 kWh Bruttokapazität und 616 kWh Nettokapazität, im Vergleich zu 534 kWh Bruttokapazität bei der vorherigen Generation. Nur in dieser „idealen“ Konfiguration lässt sich die angekündigte Reichweite von 720 km erreichen.

Die 4×2-Traktoren hingegen sind weiterhin auf sechs Akkupacks beschränkt. Sie verfügen dann über 552 kWh Bruttokapazität und 528 kWh Nettokapazität, was einer angegebenen maximalen Reichweite von 660 km entspricht.

Mehr als 600 km unter realen Bedingungen

MAN hat sich nicht damit begnügt, einfach Batterien hinzuzufügen, um die Reichweite zu erhöhen. Der Hersteller hat außerdem die Aerodynamik seines Lastwagens überarbeitet. Die Vorderseite des Fahrzeugs wurde um 120 mm verlängert, um die Luftströmungen zu optimieren. Diese Änderung nutzt die europäischen Vorschriften, die Fahrzeugen mit Null-Emissionen eine größere Länge erlauben. MAN gibt an, dass dadurch auch die direkte Sicht des Fahrers verbessert wird.

Auch das Energierückgewinnungssystem bei der Bremsung hat sich weiterentwickelt. Laut MAN erreicht es im Vergleich zur vorherigen Generation eine zusätzliche Effizienzsteigerung von bis zu 20 %.

Durch die Kombination dieser aerodynamischen und energieeffizienten Verbesserungen kann der Hersteller von „mehr als 600 km unter realen Bedingungen einer Langstreckenfahrt“ sprechen. Eine Zahl, die natürlich in der Praxis überprüft werden muss. Denn zwischen der theoretischen maximalen Reichweite und der tatsächlich zurückgelegten Strecke mit Nutzlast, bei Autobahnfahrgeschwindigkeit und unter wechselnden Bedingungen kann der Unterschied erheblich sein.

Aufladen bis zu 750 kW

Um eine Batterie mit einer Kapazität von über 600 kWh nutzen zu können, wird die Ladeleistung unweigerlich zu einem zentralen Faktor. Seit Juli ist der MAN eTGX serienmäßig mit dem MCS-Stecker für das Megawatt Charging System ausgestattet. Dieser ermöglicht es dem Lkw, eine Ladeleistung von bis zu 750 kW entgegenzunehmen.

MAN bereitet auch die Elektrifizierung seines Nutzfahrzeugs TGE vor

Der eTGX ist nicht die einzige elektrische Neuheit, die MAN in Hannover präsentiert. Der Hersteller zeigt außerdem zwei Vorserienprototypen des TGE Electrified, die in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Spezialisten Flux entwickelt wurden. Diese Nutzfahrzeuge richten sich insbesondere an Rettungsdienste, Feuerwehren und Kommunalverwaltungen.

Es sind zwei Versionen vorgesehen, mit einer zulässigen Gesamtmasse von 4,0 und 5,5 Tonnen. Sie verfügen über eine Batterie mit einer Nennkapazität von 119 kWh und können eine Reichweite von bis zu 480 km erreichen. Die Schnellladung mit Gleichstrom beträgt 140 kW, wobei ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in weniger als 30 Minuten möglich sein soll.

Aber Achtung: Es handelt sich noch nicht um den eigentlichen elektrischen Nachfolger des TGE. Die neue Generation des MAN eTGE, die in Zusammenarbeit mit Volkswagen Véhicules Utilitaires entwickelt wird, ist erst ab 2028 zu erwarten – parallel zum zukünftigen e-Crafter…