Mahle präsentiert Range-Extender für E-Lkw

Mahle stellt auf der IAA Transportation im September ein neues Range-Extender-System für schwere Lkw vor. Es kann in Batterie-elektrische Trucks eingebaut werden und diese so gewissermaßen zu Plug-in-Hybriden machen. Der Range-Extender besteht dabei aus einem Hochvoltgenerator in Kombination mit einem kompakten Verbrennungsmotor.
Mahle spricht mit Blick auf sein Range-Extender-System für schwere
E-Trucks von einer Weltpremiere, die Besucher auf der IAA Transportation in Hannover (15. – 20. September 2026) erwartet. Mit dem Generator an Bord sollen Batterie-elektrische Lkw künftig „alle täglichen Fahrleistungen abdecken“, schreibt der Stuttgarter Zulieferer. Die Reichweitenangst bei Logistikern soll dadurch gänzlich begraben werden. Dr. Marco Warth, Leiter der Mahle-Konzernentwicklung, kommentiert: „Unser Range Extender ist ein intelligentes ‚Notstromaggregat‘, das im richtigen Moment anspringt und die Reichweite entscheidend erhöht.“
Zur Einordnung: Lkws werden mit dem System an Bord zu sogenannten EREVs. Die Abkürzung steht dabei für „Extended Range Electric Vehicles“ und ist uns bisher vor allem vom chinesischen Pkw-Markt ein Begriff. EREVs sind teilelektrifizierte Fahrzeuge, die sich extern mit Strom laden und auch mit Kraftstoff betanken lassen – also wie Plug-in-Hybride. Im Unterschied zu diesen werden die Räder bei EREVs aber immer allein vom Elektromotor angetrieben. Sind die Batterien leer, springt ein kleiner Verbrennungsmotor an Bord an und generiert den Strom für den Motor. Dieser Verbrenner-Generator wird im Fachjargon als Range-Extender bzw. Reichweitenverlängerer bezeichnet. Bei Lkws sind solche Range-Extender nur selten. Einen Feldversuch kennen wir aber: DHL und Scania erprobten die Technologie jüngst.
Range-Extender sitzt im Batterie-Bauraum
Bei Mahle ist das System wie folgt aufgebaut: Ein Hochvoltgenerator mit 110 kW Dauer- und 130 kW Spitzenleistung wird von einem kompakten Verbrennungsmotor angetrieben – und versorgt wiederum den Elektro-Antrieb auf anspruchsvollen Strecken und bei voll beladenen Lkw mit Energie. Die Architektur des Range-Extenders könne dabei problemlos an die jeweiligen Leistungsanforderungen verschiedenster Anwendungen und regionaler Märkte angepasst werden, so Mahle.
Der Zulieferer beschreibt sein Range-Extender-System ferner als eigenständige Einheit, die Generator, Verbrennungsmotor, Thermo- und Fluidmanagement, Kraftstofftank, AdBlue-Tank und Abgasnachbehandlung in einer kompakten Box vereint. Der Generator soll dabei dank einer innovativen Ölkühlung eine Leistungsdichte von mehr als 7 kW pro Kilogramm erreichen.
Eingebaut wird die Range-Extender-Box dabei in den Bauraum für die Batterie, die dadurch folglich kleiner ausfällt. Sprich: Man ersetzt einen Teil der Batteriepakete, nicht dadurch weniger reine Batterie-gespeiste Reichweite in Kauf, kann aber dadurch einen Verbrenner-basierten Range-Extender einbauen, der in Zusammenarbeit mit den restlichen Batterien mehr Gesamtreichweite verspricht. Allerdings auch logischerweise mehr CO2-Emissionen (allerdings weniger als ein Diesel-Lkw).
Mahle verspricht über 800 km Reichweite
Konkret ersetzt das Mahle-System nach Angaben des Herstellers etwa ein Drittel der bestehenden Batteriekapazität eines BEV-Trucks. „Dieser kann deshalb mit einer entsprechend kleineren Batterie ausgerüstet werden. Dadurch werden im Fahrzeug ca. 400 kg Achslast an der Hinterachse eingespart“, präzisiert Mahle. „Das Fahrzeuggewicht verringert sich um ca. 600 kg. Insgesamt kommt ein Range-Extender-BEV-Lkw so auf eine Reichweite von über 800 km, ca. 400 km leistet die Batterie, die anderen 400 km der Range Extender.“
Und auch zum CO2-Ausstoß liefert Mahle eine Einschätzung: „Im Range Extender-Betrieb emittiert das Nutzfahrzeug im realen Einsatz über 80 Prozent weniger CO2 als ein konventioneller Antrieb. Wird der dank Mahle-Komponenten biokraftstofffähige Motor z.B. mit dem modernen Bio-Diesel HVO100 betrieben, fährt das Fahrzeug nahezu CO2-frei.“ Ein Thermomanagementsystem mit 48 kW Hochtemperatur- und 15 kW Niedertemperaturkühlkapazität soll dabei für einen stabilen Betrieb des Systems unter Schwerlastbedingungen sorgen.
„Unser Range Extender ist der Schlüssel, um den Markthochlauf Batterie-elektrischer Lkw von der unzureichenden Geschwindigkeit des Infrastrukturausbaus zu entkoppeln“, ist Marco Warth überzeugt. „Wenn die Ladesäule besetzt ist, Witterungsbedingungen oder Staus alternative Routen erfordern, wenn die Infrastruktur an ihre Grenzen stößt, wenn andere Flotten stranden: Ein E-Truck mit Range Extender fährt weiter! Die operative Verfügbarkeit bleibt gesichert, auch in Stoßzeiten.“
Das Mahle-Management betont, dass es in dem Range-Extender-System einen Weg sieht, von dem in Transportunternehmen bis heute dominanten Diesel-Lkw schneller auf Batterie-elektrische Trucks umzusteigen. „Zeit und Energie sind knappes, wertvolles Gut besonders im Transportgewerbe; nur wer wirtschaftlich arbeitet, überlebt. Mahle hilft mit Produkten für die Elektrifizierung, schwere Lkw effizienter und flexibler zu machen sowie Betriebskosten zu senken“, so Arnd Franz, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO von Mahle.
Mahle liefert vermehrt an China-Hersteller
Franz gibt an, dass Mahle mit seinen Elektrifizierungsprodukten für Lkw nicht nur bei hiesigen Herstellern punktet, sondern zudem seine Präsenz auch bei den chinesischen Nutzfahrzeugherstellern ausbauen könne, die aktuell mit Batterie-elektrischen Trucks zunehmend nach Europa kommen. Konkrete Namen nennt der Mahle-Chef allerdings nicht. Klar ist aber, dass mit Sany, SuperPanther und Windrose schon mindestens drei E-Lkw-Hersteller aus China in diesem Jahr in Europa Fuß fassen wollen.
Auf der IAA Transportation in Hannover will Mahle neben Produkten für Batterie-elektrische Trucks und Hybride auch Technologien für den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe zur Defossilisierung des Straßengüterverkehrs zeigen. Als weitere eMobility-relevante Neuheit kündigen die Stuttgarter u.a. einen neuen E-Motor an. Das Aggregat namens Mahle Contactless Transmitter (MCT) E-Motor ist eine Maschine für den Einsatz in E-Antriebsachsen schwerer Nutzfahrzeuge. Diese kommt ohne Seltenerdmagneten aus. Der MCT-E-Motor leistet in der Spitze 370 kW und ein Drehmoment von über 900 Nm bei 3.900 min-1 (Umdrehungen pro Minute). Den Motorwirkungsgrad beziffert Mehle auf 95 Prozent gemäß VECTO-Zyklus.
Grundsätzlich machen mittlere und schwere Nutzfahrzeuge bei Mahle circa 20 Prozent des Konzerngeschäfts mit den Automobilherstellern aus. Dabei profitiert der Konzern eigenen Angaben zufolge „zum einen von Entwicklungs- und Produktionsverbünden in allen wichtigen Märkten sowie vom breit diversifizierten Kundenportfolio“. So arbeitet Mahle mit über 120 Kunden im Nutzfahrzeug- und Offroadsektor zusammen. Der Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026 im Nutzfahrzeuggeschäft liege – wie auch im Pkw-Geschäft – deutlich über dem Vorjahreszeitraum, heißt es. „Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden fünf Jahren mit unseren Nutzfahrzeugprodukten stärker wachsen als der Markt“, unterstreicht Arnd Franz. Das größte Wachstumspotenzial sieht Mahle dabei in Asien.