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Markt

LiveWire drohen Liquiditäts-Engpässe

LiveWire drohen Liquiditäts-Engpässe

LiveWire hat erhebliche Zweifel an der Fortführung seines Geschäfts angemeldet und prüft unter anderem neue Finanzierungen, strategische Partner oder einen Verkauf. Zwar legte der Absatz von Elektromotorrädern zuletzt zu, gleichzeitig schrumpften die liquiden Mittel.

Die S4 Honcho soll LiveWire mit einem günstigeren Einstiegsmodell zusätzliche Absatzchancen eröffnen.

Bild: LiveWire

Mit seinen Zahlen für das dritte Quartal 2026 hat LiveWire eine sogenannte Going-Concern-Warnung ausgesprochen. Nach Einschätzung des Managements bestehen erhebliche Zweifel daran, dass das Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb über die kommenden zwölf Monate ohne zusätzliche Maßnahmen fortführen kann. Als Gründe nennt LiveWire wiederkehrende operative Verluste, negative Cashflows, begrenzte Liquidität und weiteren Finanzierungsbedarf.

Eine Insolvenz ist damit natürlich noch nicht angekündigt. LiveWire macht allerdings deutlich, dass eine zusätzliche Finanzierung oder eine strategische Lösung notwendig werden könnten. Geprüft werden laut Berichten des Onlineportals Electrek, unter anderem Fremd- und Eigenkapitalfinanzierungen, Partnerschaften oder Investitionen sowie ein Verkauf, eine Restrukturierung oder Rekapitalisierung.

Der Verwaltungsrat hat dazu am 22. Oktober ein eigenes Restrukturierungskomitee eingerichtet. Es soll mögliche Transaktionen prüfen und verhandeln. Zudem wurde Roy Gallagher zum Chief Restructuring Officer ernannt. LiveWire verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine im Dezember 2027 fällige Verschuldung.

Motorradabsatz wächst von niedrigem Niveau

Operativ konnte LiveWire im dritten Quartal zwar zulegen. Der Konzernumsatz stieg um 38 Prozent auf 7,9 Millionen Dollar, der Nettoverlust verringerte sich leicht von 19,4 auf 18,6 Millionen Dollar. Das bereinigte Ebitda lag bei minus 14,7 Millionen Dollar.

Bei den eigentlichen Elektromotorrädern setzte LiveWire 241 Fahrzeuge ab, nach 184 Einheiten im Vorjahresquartal. Das entspricht einem Plus von 31 Prozent. Der Umsatz des Motorradsegments stieg von 1,0 auf 2,7 Millionen Dollar, der operative Verlust lag mit 17,0 Millionen Dollar weiterhin deutlich über dem Umsatz. Der überwiegende Teil der insgesamt 7.233 verkauften Einheiten entfiel weiterhin nicht auf Motorräder, sondern auf das STACYC-Geschäft mit elektrischen Balance Bikes und E-Bikes für Kinder. Dort wurden im Quartal 6.992 Fahrzeuge verkauft.

Entscheidender für die aktuelle Lage ist jedoch die Liquidität. LiveWire verfügte zum 30. September noch über 39,9 Millionen Dollar an Zahlungsmitteln. Ende 2025 waren es 82,8 Millionen Dollar gewesen. In den ersten neun Monaten 2026 flossen 38,3 Millionen Dollar aus dem operativen Geschäft ab; der Free Cashflow lag bei minus 40,5 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vorjahr haben sich beide Werte zwar um jeweils 16 Prozent verbessert, der Mittelabfluss bleibt aber hoch.

LiveWire hat deshalb auch seine bisherige Jahresprognose zurückgezogen. Zuletzt hatte das Unternehmen für 2026 mit einem operativen Verlust von 70 bis 80 Millionen Dollar gerechnet.

LiveWire will mit S4 Honcho neue Käufer erreichen

Die finanziellen Probleme treffen LiveWire mitten im Marktstart der neuen S4-Honcho-Baureihe. Mit ihr versucht das Unternehmen, sein Angebot deutlich nach unten zu erweitern. Die S4 Honcho Trail startet in Europa bei 5.299 Euro, die Straßenversion S4 Honcho Street bei 5.699 Euro. Bisherige LiveWire-Modelle wie dieS2 Mulholland bewegen sich dagegen eher um die 20.000-Euro-Marke.

Image 2: Livewire s4 honcho trail

Die Produktion der beiden leichten Elektromotorräder hat bereits begonnen und erfolgt bei Kymco. Erste S4 Honcho Trail wurden laut LiveWire im August in den USA ausgeliefert, die Street-Version folgte jetzt im Oktober bei den Händlern. Für Europa waren erste Trail-Auslieferungen für Oktober und die Street-Version für November angekündigt.

Mit den günstigeren Modellen zielt LiveWire auf eine deutlich breitere Kundengruppe als bisher. Parallel arbeitet das Unternehmen an weiteren S2-Derivaten und einem gemeinsam mit Kymco entwickelten elektrischen Maxi-Scooter.

Ob dieser Ausbau der Modellpalette finanziell schnell genug Wirkung entfalten kann, ist allerdings offen. Die Going-Concern-Warnung zeigt vielmehr, dass LiveWire zunächst zusätzliche Finanzierung oder eine andere strategische Lösung benötigt, um seinen Geschäftsplan wie vorgesehen weiterzuführen.

LiveWire wurde 2022 aus Harley-Davidson ausgegliedert und separat an die Börse gebracht. Harley-Davidson ist weiterhin Mehrheitsaktionär des Elektro-Motorradherstellers.