Li Auto trennt sich von CATL. Der europäische Li 6 erhält bereits im November eigene Zellen.

Li Auto hat begonnen, die CATL-Zellen durch auf seinem eigenen Entwurf basierende Pakete zu ersetzen, die von Sunwoda hergestellt werden. Die Änderung betrifft auch den Li 6 für Europa, der im Oktober in Paris vorgestellt werden soll, wobei die ersten Lieferungen mit der neuen Batterie Anfang November 2026 geplant sind.
Es handelt sich dabei um einen größeren Schritt als nur ein gewöhnlicher Wechsel des Lieferanten. Li Auto übernimmt die Produktspezifikationen, die Zellmaterialien, die Zellstruktur sowie das BMS. CATL bleibt außen vor, obwohl Li Auto noch im April zu den vier größten Kunden des chinesischen Herstellers gehörte.
Welche Modelle wechseln bereits ihre Batterien
Die von Li Auto entwickelten neuen Zellen werden bereits in den Modellen L8, L6 und i8 eingesetzt. Die Erweiterung auf weitere Modelle soll im vierten Quartal 2026 beginnen.
In dem elektrischen Van Mega Home gehen die Vorräte an den bisher verwendeten dreiteiligen 5C-Akkus von CATL zu Ende. Neue Bestellungen sollen künftig mit eigenen 5C-Akkus abgewickelt werden, wobei der Hersteller die ersten Fahrzeuge in dieser Konfiguration für November ankündigt.
Der neue i9 wird hingegen zunächst weiterhin mit CATL-Akkus ausgeliefert. Später soll er auf eine eigene Lösung umgestellt werden, sobald die notwendige Produktionskapazität vorhanden ist. Also Klassik: Zuerst der Plan, dann die Leistung.
Für Europa ist der i6 am interessantesten, der bei uns als Li 6 angeboten werden soll. Das Modell des Jahres 2026 erhält einen neuen 5C-Akku sowie einen eigenen Mach-Chip. Auch die Lieferungen sind für Anfang November geplant.
2,65 Milliarden Yuan in Sunwoda und 11,17 Prozent Anteile
Anfang September kündigte Li Auto eine Investition in Höhe von 2,65 Milliarden Yuan, das sind etwa 390 Millionen Dollar, in das Unternehmen Sunwoda EVB an. Nach Einbeziehung der bisherigen indirekten Beteiligungen wird Li Autos Anteil auf 11,17 Prozent steigen. Dadurch erhält das Unternehmen den Status des zweitgrößten Aktionärs.
Die Zusammenarbeit beider Unternehmen dauert bereits seit 2017 an, erreicht nun aber ein neues Niveau. Sunwoda produziert Zellen, während Li Auto die Produktparameter festlegt und die wichtigsten Komponenten der Batterietechnologie entwickelt. Dies erinnert an den Ansatz von Xpeng, das ebenfalls versuchte, seine Abhängigkeit vom großen Lieferanten zu verringern.
Für den europäischen Kunden ist die Schlussfolgerung einfach: Der Li 6 wird nicht nur ein weiteres chinesisches Elektroauto sein, das in die EU importiert wird, sondern ein Fahrzeug mit einer Batterie, die bereits unter Berücksichtigung der eigenen Anforderungen des Herstellers konzipiert wurde. Auf dem Papier sieht das ambitioniert aus. Erst die ersten Lieferungen werden zeigen, ob der 5C mehr ist als nur ein schöner Slogan aus einer Präsentation.
Falls Li Auto tatsächlich seine eigenen Zellen in großem Maßstab und ohne Probleme liefern kann, macht es einen Schritt in Richtung BYD – und nicht nur in Richtung eines weiteren Montagebetriebs, der auf fremden Komponenten arbeitet. Würdet ihr ein chinesisches EV mit einer neuen, neu eingeführten Batterie eigener Konstruktion kaufen, oder bevorzugt ihr lieber die bewährten Zellen von CATL?
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