Leapmotor B03X-Test – Wie kann dieses Elektroauto nur 23.995 Euro kosten?

Der Leapmotor B03X richtet sich gezielt auf den am stärksten umkämpften Teil des EV-Marktes: kompakt, geräumig und vor allem erschwinglich. In diesem Test des Leapmotor B03X prüfen wir, ob ein Einstiegspreis von 23.995 Euro, eine Reichweite von bis zu 382 Kilometern nach WLTP sowie außergewöhnlich viel Innenraum ausreichen, um die etablierten Hersteller nervös zu machen.
Leapmotor erhält europäische Unterstützung
Für die, die sich das Unternehmen noch nicht genau vorstellen können: Leapmotor gehört zu den schnell wachsenden chinesischen Automobilherstellern, die auch in Europa ernsthaft versuchen, Fuß zu fassen. Dabei hat das Unternehmen einen wichtigen Vorteil: Dank der Zusammenarbeit mit Stellantis steht in Europa nicht nur ein Auto, sondern auch ein Vertriebs- und Service Netzwerk hinter dem Unternehmen.
Dadurch wird der Schritt zu einem relativ jungen chinesischen Markenprodukt erheblich kleiner. Es gibt Händler, einen Ersatzteillieferdienst sowie eine Organisation, die auch nach der Fahrzeugübergabe erreichbar bleibt. Gerade bei einem Elektroauto in dieser Preisklasse ist das mindestens genauso interessant wie ein weiteres großes Display oder ein zusätzlicher elektrisch verstellbarer Sitz.



Leapmotor B03X Test: kompakt von außen, geräumig von innen
Durch den B03X zielt Leapmotor auf das B-Segment der Elektro-Crossovers ab. Das Auto ist 4,27 Meter lang, 1,81 Meter breit und 1,64 Meter hoch. Die Radstand beträgt 2,605 Meter. Damit ist es keineswegs ein winziger Stadtauto, bleibt aber ausreichend kompakt, um sich in einem stark befahrenen Stadtzentrum leicht zurechtzufinden.
Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise, wie Leapmotor die verfügbaren Platzverhältnisse genutzt hat. Im Fond gibt es ausreichend Beinfreiheit, und als Erwachsener kann man seine Füße problemlos unter den Vordersitz legen. Das klingt nach einem kleinen Detail, ist bei kompakten Elektroautos aber keineswegs immer selbstverständlich.
Auch der Kofferraum ist durchaus nützlich. Inklusive des zusätzlichen Fachs unter dem Boden sind maximal 510 Liter verfügbar. Wenn die Rücksitze umgeklappt werden, steigt diese Menge auf 1.605 Liter. Unter dem Kofferraumboden befindet sich zudem ein separates, waschbares Fach mit 105 Litern Fassungsvermögen. Das ist praktisch für beispielsweise nasse Schuhe, Ladekabel oder andere Gegenstände, die man lieber nicht zwischen den restlichen Sachen im Kofferraum legt.
Kein Design, das überflüssig auffällt
Auch von außen versucht der B03X nicht, aufdringlich Aufmerksamkeit zu erregen. Das Design ist schlicht und glatt, mit kurzen Überhängen, eingelassenen Türgriffen sowie einer relativ hohen Motorhaube. Es gibt weder wildes Faltenmuster noch riesige künstliche Lufteinlässe, sondern ein eher ruhiges Erscheinungsbild.
Deshalb wirkt der B03X reifer, als sein Preis vielleicht vermuten lässt. Er sieht nicht aus wie ein Auto, das in erster Linie günstig gebaut werden sollte. Und das ist in diesem Marktsegment wichtig, denn bei Preisen zwischen 25.000 und 30.000 Euro wächst das Angebot an Elektroautos rasant.

Zwei LFP-Akku-Pakete und eine Reichweite von bis zu 382 Kilometern
Im Inneren ist der B03X das erste Modell auf Leapmotors neuer A-Plattform. Es sind zwei LFP-Akku-Pakete vorhanden. Die Einstiegsversion verfügt über 39,8 kWh und erreicht laut WLTP-Messmethode eine maximale Reichweite von 292 Kilometern. Wer sich für das größere Akku-Paket mit 53,0 kWh entscheidet, erhält eine maximale WLTP-Reichweite von 382 Kilometern.
Auch die Motorleistung unterscheidet sich. Der Pro liefert 130 kW, das sind 176 PS. Der ProMax mit dem größeren Akkupaket verfügt über 145 kW, was 197 PS entspricht. Beide erbringen ein Drehmoment von 200 Nm und antreiben die Vorderräder an.
Noch interessanter ist vielleicht das Laden. Leapmotor setzt eine 2,5C-Ladetechnologie ein, wodurch beide Akkupakete unter günstigen Bedingungen in etwa 16 Minuten von 30 auf 80 Prozent aufgeladen werden können. Die maximale Ladeleistung beträgt somit grob gesehen 100 kW beim kleinen Akkupaket und 133 kW bei der größeren Version. Der Spitzenwert macht auf dem Papier also keinen sofortigen Eindruck, die kurze Ladezeit schon.
Für den täglichen Pendelverkehr bietet die kleinere Version bereits ausreichend Reichweite für viele Nutzer. Wer häufig längere Strecken zurücklegt, wird wahrscheinlich schneller zur 53 kWh-Version greifen – nicht nur wegen der zusätzlichen Kilometer, sondern auch aufgrund der höheren Motorleistung.
Bereit für die Autobahn
Während dieses Tests des Leapmotor B03X zeigt sich außerdem, dass die relativ lange Radstandlänge nicht nur dem Innenraum zugutekommt. Bei höheren Geschwindigkeiten wirkt das Auto ausreichend reif. Das ist vielleicht sogar wichtiger als ein präzises Lenkverhalten oder eine Sprintzeit, mit der man bei Geburtstagen Eindruck machen kann.
Der B03X ist eindeutig nicht als sportlicher Elektroauto konzipiert. Er soll vor allem komfortabel, praktisch und einfach in der Bedienung sein. Diese Eigenschaften passen besser zur Zielgruppe: Familien und Autofahrer, die vor allem ein erschwingliches Elektroauto suchen, mit dem sie täglich ohne Probleme fahren können.



Großer Bildschirm, wenige Knöpfe
Innen folgt der Leapmotor dem inzwischen bekannten Weg vieler neuer Elektrofahrzeuge. Das Armaturenbrett ist minimalistisch und der größte Teil der Bedienung erfolgt über den zentralen 14,6-Zoll-Touchscreen mit Leap OS. Liebhaber vieler physischer Tasten müssen sich daher erst einmal daran gewöhnen.
Zum Glück hat Leapmotor bei der Konzeption des Fahrzeugs an einige häufig genutzte Funktionen gedacht. Über eine Schnellzugriffstaste am Lenkrad kann man beispielsweise schneller auf die Einstellungen der Fahrassistentensysteme zugreifen. Das ist praktisch, denn auch der B03X verfügt über notwendige Assistenzsysteme, die man nicht bei jedem Fahrtenstart begeistert begrüßen muss.
Auch V2L ist nützlich. Damit kann die Batterie des Autos Strom an externe elektrische Geräte liefern. So sind beispielsweise das Anschließen einer Kaffeemaschine im Campingbereich oder das Aufladen eines E-Bikes unterwegs möglich.
Ab 23.995 € wird es ernst
Dann kommt der Preis – schließlich ist das vielleicht die stärkste Waffe in diesem Leapmotor B03X-Test. Der Pro mit dem 39,8 kWh großen Akkupaket kostet in den Niederlanden 23.995 €. Der ProMax mit 53 kWh beginnt bei 26.995 €. Für die besser ausgestattete Design-Version mit dem großen Akkupaket verlangt Leapmotor 28.495 €.
Dadurch positioniert Leapmotor das Auto sehr klar. Zum Vergleich: Der Volkswagen ID. Polo beginnt derzeit bei 24.990 € und für den Škoda Epiq verlangt Škoda mindestens 26.990 €. Das sind natürlich keine direkt vergleichbaren Ausstattungsvarianten, zeigt aber, wo Leapmotor mit dem B03X ansetzen will.
Für weniger als 24.000 Euro erhält man somit einen elektrischen Crossover mit 176 PS, einem brauchbaren Innenraum und einem ziemlich umfassenden Digitalpaket. Wer für 3.000 Euro mehr das größere Akkupaket wählt, bekommt außerdem eine WLTP-Reichweite von fast 400 Kilometern sowie 197 PS.
Diese Preisklasse macht den B03X schwer zu ignorieren
Markenbegeisterung wird voraussichtlich vorerst nicht der wichtigste Grund sein, einen Leapmotor B03X zu kaufen. Für das ist die Marke in den Niederlanden einfach noch zu jung. Rational gesehen wird die Sache jedoch deutlich interessanter.
Der B03X verbindet viel Innenraum mit LFP-Technologie, kurzen Ladezeiten, V2L-Funktion sowie einen Preis, der unter einigen neuen europäischen Konkurrenten liegt. Hinzu kommt das europäische Netzwerk von Stellantis – dann bleibt überraschend wenig übrig, um das Auto im Voraus abzulehnen.
Dar liegt genau die Stärke des Leapmotor B03X. Er muss nicht das aufregendste Elektroauto seiner Klasse sein. Für 23.995 Euro muss er vor allem zeigen, wie viele Elektroautos man heutzutage für diesen Preis bekommen kann – und das sind tatsächlich ziemlich viele.
Text: Werner Budding