Die Welle der chinesischen Elektro-Lkw könnte den europäischen Herstellern erheblichen Schaden zufügen.


Elektrische Lkw gewinnen in Europa schnell an Bedeutung, und etablierte Hersteller könnten einen erheblichen Anteil an diesem neuen Markt verlieren. Laut einer Studie von Transport & Environment verfügen chinesische und amerikanische Neueinsteiger über einen entscheidenden Vorteil: Die Gesamtbetriebskosten können deutlich niedriger sein als die der europäischen Modelle.
Der europäische Markt für Schwerlastfahrzeuge könnte an den Anfängen einer tiefgreifenden Veränderung stehen. Eine von Transport & Environment (T&E) veröffentlichte Analyse warnt vor dem beunruhigenden Aufstieg ausländischer Hersteller im Bereich der Elektro-Lkw. Während Daimler Truck, Traton, IVECO, DAF und Volvo Group derzeit einen europäischen Markt mit jährlich etwa 245.000 Fahrzeugen dominieren, könnte ihre Position ins Wanken geraten, je schneller die Elektrifizierung voranschreitet.
Ein Markt für Elektro-Schwerlastfahrzeuge, der in Europa an Fahrt gewinnt
Bis 2025 machten emissionsfreie Schwerlastfahrzeuge 5,6 % der Neuzulassungen von Lkw in Europa aus – das sind doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Dieser Anstieg wird sowohl durch die Entwicklung der europäischen Vorschriften zu den CO₂-Emissionen von Schwerlastfahrzeugen als auch durch den allmählichen Rückgang der Batteriekosten vorangetrieben.
In mehreren Ländern ist der Wandel bereits viel weiter fortgeschritten. In Norwegen, Schweden und den Niederlanden machen elektrische Schwerlastfahrzeuge mittlerweile über 15 % der Neufahrzeugverkäufe aus. Diese Märkte geben einen Einblick in die Geschwindigkeit, mit der sich Elektrofahrzeuge durchsetzen können, wenn Vorschriften, Infrastruktur und Kosten ausreichend günstig sind.
Bis zu 12 % weniger Gesamtbetriebskosten: das starke Argument chinesischer Hersteller
Die größte Gefahr für europäische Hersteller könnte aus den Betriebskosten resultieren. Laut T&E kann der Kauf und Betrieb eines chinesischen Elektro-Lkw die Gesamtbesitzkosten im Vergleich zu einem vergleichbaren europäischen Modell um 12 % senken. Für einen typischen deutschen Transportunternehmen schätzt die Organisation den Unterschied auf etwa 43.000 € über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Gesamtbesitzkosten würden somit von 0,63 €/km bei einem europäischen Modell auf 0,55 €/km beim chinesischen Konkurrenten sinken.
In der Straßentransportbranche, wo die Gewinnmargen oft auf wenige Prozentpunkte beschränkt sind, ist ein solcher Unterschied keineswegs unbedeutend. Er könnte zum entscheidenden Argument beim Erneuern einer Flotte von Dutzenden oder Hunderten Fahrzeugen werden.

Laut T&E ist der Preis nicht das einzige Argument für neue Marktteilnehmer. Die bereits verfügbaren oder angekündigten chinesischen Modelle weisen in mehreren entscheidenden Kriterien vergleichbare Leistungen zu den europäischen Elektrolastwagen auf: Reichweite, Ladezeit, maximale Nutzlast sowie Energieeffizienz. Chinesische Hersteller, aber auch amerikanische wie beispielsweise Tesla Semi, könnten so bis 2030 gemeinsam einen erheblichen Anteil am europäischen Markt für Elektro-Schwerlastwagen übernehmen. Ein Szenario, das starke neue Konkurrenten auf ein Gebiet bringt, das bislang weitgehend von europäischen Konzernen kontrolliert wurde.
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Bis zu 31 % des Marktes könnten den europäischen Herstellern entgehen
Laut den von T&E untersuchten Szenarien könnten die etablierten europäischen Hersteller 24 bis 31 % des Marktes für Elektrolastwagen verlieren, falls ihre Umstellung nicht ausreichend beschleunigt wird.
Marie Chéron, vorübergehende Leiterin von T&E France, ist der Ansicht, dass die Branche an einem entscheidenden Punkt angekommen ist: „Einige wettbewerbsfähige chinesische und amerikanische Lastwagenmodelle sind bereits auf dem europäischen Markt vorhanden, und viele weitere stehen kurz davor, dort einzutreten. Es handelt sich um einen kritischen Moment für die europäische Lastwagenindustrie, die aus den Erfahrungen der Automobilindustrie lernen sollte.“
Der Vergleich mit dem Elektroauto ist offensichtlich treffend. Europäische Automobilhersteller haben beobachtet, wie chinesische Marken dank wettbewerbsfähiger Modelle, die oft preislich sehr aggressiv sind, schnell an Sichtbarkeit auf dem Automobilmarkt gewonnen haben. T&E befürchtet nun, dass sich ein ähnliches Szenario im Schwerlastverkehr wiederholen könnte…
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