Lanxess nimmt Batterielabor für LFP-Materialien in Betrieb

Lanxess hat am Standort Krefeld-Uerdingen ein neues Batterielabor eröffnet. Dort will der Spezialchemiekonzern seine Materialien für LFP-Batterien künftig direkt in Batteriezellen testen und weiterentwickeln.
Lanxess baut seine Aktivitäten rund um Materialien für Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) aus. Im neuen Batterielabor in Krefeld-Uerdingen stehen vor allem Eisenoxide und Eisenphosphat im Fokus, die als Ausgangsstoffe für LFP-Kathodenmaterialien eingesetzt werden können. Mit der neuen Ausstattung kann Lanxess die Eigenschaften seiner Materialien nach eigenen Angaben direkt im Zellaufbau untersuchen. Dabei soll unter anderem geprüft werden, welchen Einfluss unterschiedliche Eisenoxid- und Eisenphosphat-Qualitäten auf Zellleistung, Verarbeitung und Eignung für bestimmte Anwendungen haben. Das Unternehmen verspricht sich davon kürzere Entwicklungszyklen und eine schnellere Bewertung neuer Materialien gemeinsam mit seinen Kunden.
Angaben zur Investitionssumme, zur Kapazität des Labors oder zu konkreten Kundenprojekten macht Lanxess nicht. Auch Leistungsdaten der dort untersuchten Materialien nennt der Konzern bislang nicht. Die technische Ausstattung soll allerdings nicht auf LFP beschränkt sein: Laut Lanxess können dort auch Materialien für andere Zellchemien untersucht werden, beispielsweise Natrium-Eisen-Pyrophosphat als Kathodenmaterial für Natrium-Ionen-Batterien.
Der Einstieg in die Entwicklung entsprechender Materialien ist für Lanxess nicht neu. Bereits Anfang 2024 hatte der Spezialchemiekonzern eine Forschungskooperation mit IBU-Tec gestartet. Gemeinsam wollten die Unternehmen Eisenoxide speziell für LFP-Kathodenmaterialien weiterentwickeln und damit unter anderem Verbesserungen bei Energiedichte, Ladegeschwindigkeit und Zyklenfestigkeit ermöglichen. Schon damals nannten die Partner den Aufbau einer europäischen Wertschöpfungskette für LFP-Materialien als Ziel.
Inzwischen hat Lanxess nach eigenen Angaben spezielle Eisenoxid-Qualitäten für Batterieanwendungen entwickelt und als sogenannte Battery Grades im Markt eingeführt. Hinzu kommt Eisenphosphat als weiteres Vorprodukt für LFP-Kathodenmaterialien. Das von Lanxess entwickelte Herstellungsverfahren basiert auf Eisen und Phosphorsäure und soll gegenüber etablierten Verfahren weniger salzhaltige Abwässer verursachen. Konkrete Vergleichswerte zu diesem Umweltvorteil liefert das Unternehmen allerdings nicht.

Lanxess baut LFP-Aktivitäten weiter aus
Das neue Labor ergänzt diese Materialentwicklung nun um eigene Zelltests. Damit kann Lanxess seine Ausgangsmaterialien nicht nur anhand ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften beurteilen, sondern auch untersuchen, wie sie sich im Zellaufbau verhalten. Für einen Chemiekonzern, der nicht selbst als Zellhersteller auftritt, ist das vor allem für die Entwicklung und Qualifizierung seiner Vorprodukte relevant.
Hinter dem Ausbau steht auch die zunehmende Bedeutung der LFP-Chemie. Lanxess verweist auf Zahlen von Roland Berger, wonach LFP-Batterien in Europa bis 2030 einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen könnten, gegenüber rund zehn Prozent heute. Neben Elektroautos sieht das Unternehmen stationäre Energiespeicher, Rechenzentren und kritische Infrastruktur als weitere Wachstumstreiber.
Gleichzeitig will sich Lanxess mit seinen Materialien als Zulieferer für westliche Batterie-Wertschöpfungsketten positionieren. Der Konzern verfügt bereits über eine großskalige Eisenoxid-Produktion und bezeichnet sich selbst als führenden westlichen Hersteller des Materials. Wie groß die Produktionskapazitäten speziell für Batterieanwendungen sind und in welchem Umfang die Battery Grades bereits kommerziell eingesetzt werden, geht aus der aktuellen Mitteilung jedoch nicht hervor.
Über LFP-Vorprodukte hinaus ist Lanxess bereits in weiteren Bereichen der Batterie-Wertschöpfung aktiv. Das Portfolio umfasst unter anderem Chemikalien für Elektrolytsalze, Ionenaustauscherharze zur Gewinnung und Raffination von Lithium, Nickel und Kobalt sowie Lösungen für Thermomanagement und Flammschutz. Für das Batterierecycling bietet der Konzern zudem Prozesschemikalien und Ionenaustauscherharze zur Aufbereitung von Schwarzmasse, Metallrückgewinnung und Abwasserbehandlung an.
Mit dem neuen Batterielabor will Lanxess vor allem seine Entwicklungs- und Testkompetenz für Batteriematerialien ausbauen. Ob daraus auch größere Produktionsvolumina oder konkrete Lieferverträge für LFP-Vorprodukte entstehen, bleibt vorerst offen.