← Zurück zu den Nachrichten
Politik

Kraftstoffverbrauch: Neuregelung bremst E-Auto-Hochlauf in den USA

Kraftstoffverbrauch: Neuregelung bremst E-Auto-Hochlauf in den USA

Mit deutlich gesenkten Kraftstoffverbrauchstandards fördert die US-Regierung unter Präsident Donald Trump den Markt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Dies erschwert den Hochlauf der Elektromobilität in den USA spürbar und nimmt den Druck von den Autoherstellern, verstärkt E-Autos zu verkaufen.

Dodge Charger Scat Pack (Symbolbild)

Bild: Stellantis

Das US-Verkehrsministerium hat – wie seit einer Ankündigung durch US-Präsident Donald Trumpim Februar 2026 erwartet – deutlich niedrigere Kraftstoffverbrauchsstandards für Fahrzeuge verabschiedet. Dies ist die jüngste Maßnahme der Trump-Administration, um den Absatz von benzinbetriebenen Fahrzeugen zu fördern und die Bemühungen des vorherigen US-Präsidenten Joe Biden um mehr Kraftstoffeffizienz und Elektrofahrzeuge rückgängig zu machen. Das Verkehrsministerium teilte konkret mit, dass es einen flottenweiten Durchschnittswert von 34,9 Meilen pro Gallone (14,7 km pro Liter) bis 2031 festlegt – eine deutliche Senkung gegenüber den unter Biden geltenden 50,4 Meilen pro Gallone (21,4 km pro Liter).

Durch die Entlastung der Automobilindustrie bei den Kraftstoffverbrauchstandards verlieren die Hersteller an regulatorischem Druck, ihre Modellpaletten rasch auf vollelektrische Fahrzeuge umzustellen. Da konventionelle Verbrenner wieder deutlich attraktiver und wirtschaftlicher im Vertrieb werden, dürfte sich der Markthochlauf der Elektromobilität in den Vereinigten Staaten dadurch weiter verlangsamen – dieser war bereits Ende September 2025 durch den Stopp der Steuergutschrift beim Kauf neuer Elektroautos ins Stottern geraten. Bereits im Q1/2026 war der Absatz von E-Autos dann um 28 Prozent gesunken. Darauf haben die US-Autobauer Ford, GM und Stellantis bereits reagiert: Sie haben ihre Modellportfolios wieder mehr in Richtung Verbrenner orientiert und milliardenschwere Abschreibungen im E-Auto-Geschäft vorgenommen.

US-Verkehrsminister Sean P. Duffy findet dazu markige Töne: „Dank Präsident Trumps Führungsrolle haben wir endlich die illegale Verordnung beendet, die Autohersteller zwang, teurere Elektrofahrzeuge zu produzieren, die amerikanische Familien nicht wollten. Während Joe Biden und Pete Buttigieg _(vorheriger Verkehrsminister, Anm. der Redaktion)_ eine grüne Agenda verfolgten, die unsere Straßen unsicherer machte und die Kosten für hart arbeitende Amerikaner in die Höhe trieb, entlastet diese Regierung Familien und belebt das Herzstück der amerikanischen Fertigungsindustrie. Mit unseren vernünftigen Standards machen wir den amerikanischen Traum wieder bezahlbar, bringen sicherere Autos auf die Straße und investieren in die amerikanischen Automobilarbeiter.“

Zertifikatehandel wird abgeschafft

Neben der Einführung neuer Kraftstoffverbrauchstandards schafft die US-Regierung ab dem Modelljahr 2028 auch das CAFE-Zertifikatehandelsprogramm ab, das die Elektromobilitätsbranche laut US-Verkehrsministerium „künstlich auf Kosten traditioneller Automobilhersteller gefördert hat“. Die Abschaffung des Programms stelle demnach die Fairness wieder her, schaffe gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Automobilhersteller und gewährleiste, dass diese kraftstoffsparende Technologien in ihren gesamten Fahrzeugflotten einsetzen.

Marktbeobachter und Verbände werten die gesenkten Kraftstoffverbrauchstandards als Gift für die ökologische Transformation des US-Verkehrssektors. Mehrere US-Organisationen sehen in der Entscheidung explizit einen Rückschlag für den Hochlauf der Elektromobilität. Die Electrification Coalition warnt, die USA drohten beim Übergang zum elektrischen Verkehr gegenüber China und anderen Wettbewerbern zurückzufallen. „Der Rest der Welt setzt zunehmend auf elektrischen Verkehr, aber die Vereinigten Staaten fallen hinter China und andere globale Wettbewerber zurück“, erklärte Executive Director Ben Prochazka. Auch das Center for Biological Diversity sieht die Gefahr, dass US-Autobauer bei der Entwicklung sauberer Fahrzeuge ins Hintertreffen geraten, während Elektroautos weltweit weiter an Bedeutung gewinnen. Die Organisation spricht von einer Entscheidung, die die US-Autoindustrie auf der „Seitenlinie“ stehen lassen könnte, während sich andere Märkte weiter elektrifizieren.

Auch der Environmental Defense Fund (EDF) wertet die neuen Kraftstoffverbrauchstandards als technologischen Rückschritt. Nach den Berechnungen der US-Verkehrsbehörde NHTSA würde die Neuwagenflotte des Modelljahrs 2031 unter den neuen Vorgaben weniger effizient sein als die bereits 2024 verkaufte Neuwagenflotte. Aus Sicht der Kritiker nimmt die Regierung damit einen wichtigen regulatorischen Anreiz für die Hersteller zurück, effizientere und elektrische Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Die Union of Concerned Scientistsspricht ebenfalls von einem deutlichen Rückschritt bei den Effizienzanforderungen. Damit steht die Entscheidung für die Kritiker nicht nur für weniger strenge Verbrauchsvorgaben, sondern auch für die Frage, ob die US-Autoindustrie bei der weltweiten Transformation hin zum Elektroantrieb technologisch Schritt halten kann.