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Kontroverse E-Auto-Studie: TUM-Forscher erklären ihre Differenzen

Kontroverse E-Auto-Studie: TUM-Forscher erklären ihre Differenzen

Bild: VW (Symbolbild)

Eine Studie des Forschungsverbunds CirculaTUM an der Technischen Universität München (TUM) zum CO₂-Ausstoß von Fahrzeugen hat eine öffentliche Kontroverse ausgelöst. In Auftrag gegeben wurde sie von TUM-Präsident Thomas F. Hofmann vor den anstehenden politischen Entscheidungen zur Zukunft der Automobilindustrie in Europa. Kritik entzündete sich besonders an der Kommunikation rund um die Studie und an Interpretationen, die auch laut einem der Autoren kaum durch deren Inhalt gedeckt waren.

TUM-Fahrzeugtechnik-Professor Markus Lienkamp, der nicht an der Studie beteiligt war, kritisierte die Arbeit seines Kollegen und Hauptautors Johannes Fottner öffentlich scharf. Er beanstandete unter anderem Umfang, Lesbarkeit und Detailtiefe und bezeichnete die Studie an anderer Stelle als „Alter Wein, in nicht besonders attraktiven Schläuchen“. In einem gemeinsamen Interview mit dem Merkur erklärte Lienkamp später, er hätte seine Kritik im Nachhinein vermutlich milder formuliert.

Lienkamp führte seine scharfe Reaktion vor allem auf die Kommunikation der TUM und die anschließende Berichterstattung zurück. Er sagte zudem, er habe die Studie erst sehr kurz vor der Veröffentlichung erhalten und wenig Zeit zum Lesen gehabt. Fottner betonte dagegen, dass an der Universität ein offener wissenschaftlicher Diskurs gepflegt werde und die Studie aus seiner Sicht die langjährige Arbeit Lienkamps eher unterstreiche als ihr zu widersprechen.

Umstritten war auch die Auswahl der beteiligten Wissenschaftler. Lienkamp kritisierte, dass mehrere Fachkollegen aus Bereichen wie Fahrzeugtechnik, Batterietechnik, Produktion, Wasserstoff und Energietechnik nicht eingebunden wurden. Fottner erklärte, das Team sei bewusst so zusammengestellt worden, dass die Untersuchung mit wenigen Ausnahmen frei von Technologie bleibe und sich nicht speziell um Elektromobilität drehe.

Kritik an Pressemeldung und politischer Deutung

Deutlich widersprach Fottner der politischen Deutung, die Studie spreche für ein Ende des geplanten, inzwischen abgeschwächten EU-„Verbrenner-Aus“. Auf die Frage, ob dies die Aussage der Studie sei, antwortete er: „Nein, absolut nein.“ Auch die prominent kommunizierte Angabe einer Verbesserung der Lebenszyklus-Emissionen eines Fahrzeugs durch E-Antrieb um 41 Prozent bewertete er in ihrer Darstellung kritisch und erklärte, er habe bei mehreren Beiträgen darauf hingewirkt, das Wort „nur“ zu entfernen.

Lienkamp sieht insbesondere zwischen dem Inhalt der Studie und der öffentlichen Kommunikation eine Diskrepanz. Die Auswertung selbst bezeichnete er als recht sachlich und als Metastudie zu Veröffentlichungen aus den Jahren 2020 bis 2026. Fottner erklärte wiederum, problematisch sei vor allem eine unzutreffende Vorberichterstattung der Bild am Sonntag gewesen. Weder die beteiligten Forscher noch die Pressestelle hätten das Blatt vorab über die Studie oder die deutsche Kurzzusammenfassung informiert.

Fottner betont die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs und nicht allein der Betriebsphase. Nach seiner Darstellung sollen Nachhaltigkeitspotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigt werden. Lienkamp verwies auf ein drei Jahre zuvor veröffentlichtes Buch, in dem er nach eigener Aussage ebenfalls kritisiert, dass die aktuelle Bilanzierung den CO₂-Ausstoß von Elektroautos mit null ansetzt, und forderte kleinere E-Autos.

Lienkamp spricht sich für eine Beibehaltung des von der EU ab 2035 geplanten „Verbrenner-Verbots“ aus und verweist auf Investitionen der europäischen Automobilindustrie sowie deren Ausrichtung auf einen Anteil von 50 Prozent Elektroautos bis 2030. Fottner stellt dagegen lediglich klar, dass die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zitierte Forderung nach einem Ende des „Verbrenner-Aus“ nicht in der Studie stehe. Trotz der fachlichen Auseinandersetzung beschreiben beide ihr persönliches Verhältnis als weiterhin gut.

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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