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Politik

KIRA-Nachfolger KIRA+ setzt auf autonome Shuttles von Holon

KIRA-Nachfolger KIRA+ setzt auf autonome Shuttles von Holon

Das hessische Robotaxi-Projekt KIRA bekommt einen Nachfolger: Bei KIRA+ wollen Deutsche Bahn, RMV sowie der Hersteller Holon schon bald autonome E-Shuttles auf öffentlichen Straßen erproben. Dabei soll ein On-Demand-Verkehr mit barrierefreien Fahrzeugen umgesetzt werden.

Bei KIRA+ soll der Holon Urban eingesetzt werden

Bild: Holon

Seit Mai 2025 sind im Projekt KIRA erstmals Robotaxis auf deutschen Straßen unterwegs. Bei den eingesetzten Fahrzeugen handelt es sich um Einheiten des E-SUV ES8 von Nio, die mit zusätzlichen Lidar-Sensoren, Kameras und Software von Mobileye ausgerüstet sind. Testnutzer konnten die Robotaxis zunächst in der Stadt Langen und in der Gemeinde Egelsbach im Kreis Offenbach über die spezielle KIRA-App buchen. Später kamen auch noch Teile Darmstadts als Betriebsgebiet hinzu. Auch wenn die Robotaxis dabei grundsätzlich selbst lenken: Während des Erprobungsbetriebs ist immer ein Sicherheitsfahrer an Bord. Und: Die Fahrmanöver der Fahrzeuge werden von technischem Aufsichtspersonal in einer Leitstelle überwacht.

Das vom Bundesministerium für Verkehr und dem Land Hessen mit rund 2,2 Millionen Euro läuft jedoch Ende 2026 aus. Allerdings haben die Projektpartner Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), Deutsche Bahn (DB) nun ein neues Projekt zur Erprobung und Etablierung autonomen Fahrens im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bekanntgegeben und auch gleich gestartet: KIRA+.

Prof. Knut Ringat, Vorsitzender der RMV-Geschäftsführung, sagt: „Mit KIRA+ knüpfen wir an die bisher gesammelten Erfahrungen zum autonomen Fahren an und erproben die weiterentwickelte Technologie in Fahrzeugen, die für den Einsatz im ÖPNV entwickelt wurden. Wir kommen damit der von uns anvisierten Modellregion im RMV einen entscheidenden Schritt näher. Das Ziel ist es, in naher Zukunft autonome Angebote in den regulären ÖPNV zu integrieren. Denn fahrerlose Verkehre bieten die große Chance, mit entsprechender politischer Unterstützung auch künftig überall und zu jeder Zeit einen attraktiven und finanzierbaren ÖPNV anzubieten.“

KIRA+ will autonome Fahrzeuge in ÖPNV integrieren

Harmen van Zijderveld, Vorstandsvorsitzender der DB Regio, ergänzt: „Das Autonome Fahren bietet die Chance auf ein schnelleres, günstigeres und digitales Mobilitätsangebot. Damit wir am Ende aber nicht einfach nur noch mehr Autos auf den Straßen haben, müssen wir autonome Fahrzeuge klug in den ÖPNV integrieren. Mit KIRA+ erproben wir genau das. Mit allen Anforderungen, die ein moderner, autonomer ÖPNV leisten muss. Von der Nutzbarkeit für mobilitätseingeschränkte Kunden bis zur verlässlichen technischen Aufsicht in der Leitstelle unter realen Einsatzbedingungen.“

Bei KIRA+ soll jedoch nicht mehr ein Elektro-SUV von Nio zum Einsatz kommen, sondern das barrierefrei ausgelegte Elektro-Shuttle Holon Urban der Paderborner Benteler-Tochter Holon, das wie schon die Nio-Fahrzeuge mit autonomer Fahrtechnologie von Mobileye ausgestattet ist. Der Holon Urban ist ein alter Bekannter, denn er ist auch bereits eines von zwei Fahrzeugenmodellen, das im Hamburger Projekt ALIKE eingesetzt wird. Der Holon Urban ist von Grund auf für den autonomen Betrieb auf Level 4 konzipiert, für den öffentlichen Nahverkehr entwickelt und bietet im Testbetrieb fünf Sitzplätze für Fahrgäste sowie einen Rollstuhlplatz. Wird der Rollstuhlplatz genutzt, stehen drei Fahrgastsitze zur Verfügung.

Drittes Holon-Testgebiet nach Hamburg und Paderborn

Holon-Chef Sven Herzig sagt: „KIRA+ ist für uns ein wichtiger Schritt in Deutschland: Nach Hamburg und Paderborn fährt der Holon Urban damit in einer dritten deutschen Region auf öffentlichen Straßen. Entscheidend ist für uns die Zielrichtung. Mit dem RMV und DB Regio arbeiten hier zwei der großen Akteure des deutschen ÖPNV auf eine Modellregion hin, in der autonome Fahrzeuge in großer Zahl Teil des regulären Angebots werden sollen. Diese Größenordnung ist der Maßstab, an dem sich autonome Mobilität messen lassen muss. Dafür braucht es Fahrzeuge, die für den Dauerbetrieb ausgelegt sind, und genau dafür ist der Holon Urban gebaut.“

Das vorgesehene Betriebsgebiet baut auf dem Vorgängerprojekt KIRA auf. Dadurch können bereits vorhandene Kompetenzen für den autonomen Betrieb, wie die Leitstelle, weiter genutzt werden. Auch bei Buchungsprozessen, Betriebsabläufen und Fahrzeugausstattung fließen Erfahrungen aus KIRA und weiteren bisherigen Projekten zum autonomen Fahren ein. Auf dieser Basis sollen mit KIRA+ weitere Erkenntnisse für den künftigen Einsatz autonomer Fahrzeuge im regulären ÖPNV gewonnen werden, unter anderem auch rund um die Technische Aufsicht. Erste Fahrten zum Einlesen der Gebiete werden im Laufe des Jahres 2027 in Teilen von Darmstadt und des Kreises Offenbach stattfinden. Einen Starttermin für die öffentliche Erprobung gibt es noch nicht.

KIRA+ ist eines von fünf Testfeldern im Projekt MILA.mobility, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird und für „Middleware-Integration von Leitstellen- und Dispositionssystemen für Autonome Mobilität“ steht.

Separates Projekt soll Genehmigungen beschleunigen

Im Vorfeld von KIRA+ haben DB Regio, RMV, Holon, Mobileye sowie weitere Partner wie etwa der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zudem einen Vorstoß gestartet, um den Genehmigungsprozess für autonome Shuttles zu vereinfachen und zu verkürzen. Das Konsortium entwickelt gemeinsam Grundlagen, um eine Betriebsbereichsgenehmigung schnell und effizient auf den Weg zu bringen, sobald die ersten Fahrzeuge auf den Markt kommen.

Ziel ist es, Voraussetzungen zu schaffen, eine Betriebsbereichsgenehmigung für autonome Fahrzeuge innerhalb von rund drei Monaten zu erreichen. So kann die „time to market“ für fahrerlose Angebote im öffentlichen Verkehr geringgehalten werden. Die Ergebnisse des Vorhabens sollen direkt in künftige Genehmigungsverfahren in Hessen und Bayern einfließen und den Weg für komfortable und verlässliche Shuttle-Angebote ebnen.