Kia stellt einen größeren elektrischen Van PV7 mit 800-Volt-Technologie vor

Kia hat den PV7 auf der IAA Transportation vorgestellt. Im Vergleich zum PV5, dem zweiten Vertreter der PBV-Strategie, wächst er nicht nur in den Abmessungen, dem Ladevolumen und der Batteriekapazität, sondern setzt auch auf 800-Volt-Technologie. In Europa soll der PV7 in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 auf den Markt kommen.
Bild: Kia
Kias Absicht, in den Markt der leichten Nutzfahrzeuge einzudringen, war bereits klar, als das Unternehmen Anfang 2024 seine zukunftsorientierte „Platform Beyond Vehicle“ (PBV)-Strategie vorstellte. Der erste Schritt war der kleine Elektrovan PV5 – er ist sowohl als Passagierfahrzeug (siehe unser Testbericht) für den Personenverkehr als auch als Ladefahrzeug für den Gütertransport erhältlich.
Durch den PV7 tritt Kia nun in eine höhere Klasse im Segment der elektrischen Leichtkraftfahrzeuge ein. Kia unterscheidet die beiden Modelle konzeptionell durch das sogenannte „Open Box“-Konzept des PV5, das hauptsächlich für Flexibilität im städtischen Einsatz konzipiert ist, sowie den „Tool Box“-Ansatz des PV7. Der größere Van wurde entwickelt, um mehr Ladekapazität und Tragfähigkeit für anspruchsvollere Anwendungen sowie größere Betriebe zu bieten.
Bedeutend größer als der PV5
Ebenso wie der PV5 basiert auch der PV7 nicht auf der bekannten E-GMP-Pkw-Architektur, sondern auf der neuen E-GMP.S („Electric Global Modular Platform for Service“), die speziell für kommerzielle Anwendungen entwickelt wurde.
Die gemeinsame Plattform sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden Modelle in unterschiedlichen Fahrzeugklassen konkurrieren. Die Langwagenbasis-Version des PV7 ist 5,35 Meter lang, 1,995 Meter breit und 1,99 Meter hoch. Die Radstandlänge beträgt 3,50 Meter. Im Vergleich ist der lange PV5 L2 4,67 Meter lang und hat einen Radstand von drei Metern. Eine kürzere Standardversion des PV7 wurde angekündigt, doch das südkoreanische Unternehmen hat bislang weder seine Abmessungen noch den Ladevolumen angegeben.
Zwei Batterien, Antrieb an die Vorderräder bei Markteinführung
Abschließend hängt die Leistung des Standardmodells mit Frontantrieb vom Markt und der Konfiguration ab: Es liefert bis zu 200 kW Leistung und entwickelt ein Drehmoment von 420 Nm. Eine Allradantriebsvariante soll in Zukunft folgen. Die Antriebssysteme sollen mit zwei Batterien kombiniert werden, die über NMC-Zellen verfügen und Energiekapazitäten von 71,5 beziehungsweise 96,2 kWh haben. Für den PV7 Cargo mit der größeren Batterie gibt Kia auf Basis interner Messungen nach WLTP-Kriterien eine Reichweite von bis zu etwa 460 Kilometern an – die Homologation ist noch ausstehend. In der internationalen Version der Ankündigung gibt Kia an, dass die Reichweite ebenfalls über 460 Kilometern liegt.
Der PV5 bietet nun Akkumulatorvarianten mit einer Kapazität von 43,3 bis 51,5 sowie 71,2 kWh. Die Varianten mit 51,5 und 71,2 kWh liefern jeweils 89 bzw. 120 kW Leistung und verfügen über ein Drehmoment von 250 Nm, während die Version mit 43,3 kWh 111 kW leistet. Für den PV5 Cargo beträgt die maximale Reichweite mit dem größten Akku laut WLTP 416 Kilometer.

Bild: Kia
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800 Volt anstelle von 400 Volt
Es gibt noch einen weiteren Unterschied in der Ladetechnologie. Der kleinere Van arbeitet mit 400 Volt und benötigt für alle drei Batterien etwa 30 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent aufgeladen zu werden. Der PV7 nutzt eine 800-Volt-Architektur und soll an einer 350 kW starken Ladesäule in etwa 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Kia hat weder mitgeteilt, ob dieser Wert für beide Batteriegrößen gilt, noch die maximale Gleichstrom-Ladeleistung des Fahrzeugs angegeben. Auch zu der Wechselstrom-Ladeleistung liegen bisher keine Angaben vor.
Eine besondere Eigenschaft sind die beiden Ladeanschlüsse: Einer befindet sich vorne mit einem kombinierten AC/DC-Anschluss, während ein zusätzlicher AC-Anschluss optional hinten verfügbar ist. Laut Kia ist der PV7 das erste Elektrofahrzeug des Herstellers, das diese Lösung bietet – sie dient dazu, Platz in engen Parkplätzen sowie an Ladestellen am Straßenrand zu sparen. Das Fahrzeug stellt außerdem über die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load) 230-Volt-Steckdosen sowohl im Inneren als auch außen bereit.
Bis zu acht Kubikmeter und 1,2 Tonnen Nutzlast
Die vergrößerten Außenabmessungen sind insbesondere bei der Cargo-Version auffällig. Die Version mit langer Radstandlänge und Standard-Dachhöhe bietet laut VDA-Standards bis zu 6,1 Kubikmeter Ladevolumen, was Platz für bis zu drei Euro-Paletten bietet. Bei der Version mit hohem Dach soll das Ladevolumen bis zu 8,0 Kubikmeter betragen. Im Vergleich hat der PV5 Cargo L2H1 4,42 Kubikmeter, während der bereits angekündigte PV5 L2H2 mit hohem Dach über fünf Kubikmeter bietet. Die kurze PV5 L1H1-Version verfügt über 4,03 Kubikmeter.
Auch der Anstieg der Zuladung ist äußerst bedeutend. Kia gibt für die Langwagenbasis-Version PV7 Cargo eine maximale Zuladung von 1.165 Kilogramm an und für die kürzere Standardversion 1.200 Kilogramm. Bei der PV5 Cargo liegt die Zuladung je nach Karosserietyp, Batterie und Ausstattung zwischen 605 und 800 Kilogramm – der höchste Wert gilt für die kurze Version mit der mittleren 51,5 kWh großen Batterie in der Basisausstattung, während die Langwagenbasis-Version mit der großen Batterie und voller Ausstattung am unteren Ende liegt. Im Vergleich zu den jeweiligen Maximalwerten bietet die PV7 einen Anstieg von 50 Prozent. Kia hat das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs noch nicht bekannt gegeben – für die PV5 Cargo beträgt es 2.650 Kilogramm.
Die Ladekante liegt bei 550 Millimetern, was deutlich höher ist als die 399 Millimeter an der Seite und 419 Millimeter hinten beim PV5. Kia’s Werbeversprechen einer niedrigen Ladekantenhöhe bezieht sich daher auf die größere Fahrzeugklasse und nicht auf seine eigene Modellreihe. Für schwere Frachten gibt es einen Fahrmodus, der die Fahrzeugsteuerung an die Ladung anpasst. Der Cargo ist mit zwei oder drei Sitzen erhältlich. Hinten kann man zwischen Doppeltüren oder einer nach oben schwingenden Heckklappe wählen. Die dreisitzige Version verfügt über eine Trennwand mit Möglichkeit zur Durchfahrt der Ladung.
Nine seats in the passenger version
Der PV7 Passenger wurde für den Personentransport, Shuttle- und Mietwagendienste, Tourismusdienstleistungen sowie als Familienfahrzeug entwickelt. In Europa wird das Modell mit bis zu neun Sitzen erhältlich sein, während es in Korea sogar mit elf Sitzen angeboten wird.
In der siebensitzigen Variante sollen die Sitze auf langen Schienen verschiebbar und abnehmbar sein, während die neunsitzige Version sowohl mit als auch ohne vierte Sitzreihe erhältlich sein wird. Dadurch steht der PV7 im Passagiertransport über dem PV5, da die Passagierausstattungslinie des Letzteren in diesem Land auf Varianten mit bis zu sieben Sitzen beschränkt ist.

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In der Fahrerkabine arbeitet das Pleos Connect-Informations- und Unterhaltungssystem, das auf Android Automotive OS basiert, mit einem offenen App-Marktplatz, Over-the-Air-Updates sowie dem Gleo AI-Stimmenassistenten. Es verfügt außerdem über Displays mit einer Größe von 12,9 und 14,6 Zoll. Für Geschäftskunden bietet Kia unter dem Namen Business Solutions ein Flottenmanagement-System, Schnittstellen für Fahrzeugdaten sowie Dienste zur Überwachung der Betriebszeit zur prädiktiven Diagnose und Wartung an.
Modulares Chassis für 23 Varianten
Aus langfristiger Sicht soll die PV7-Reihe auf insgesamt 23 Varianten anwachsen. Dazu gehören drei Cargo-Versionen (Standard, Lang und Hochdach), zwei Passagiervarianten, ein Chassis Cab sowie verschiedene Umbauten. Diese Vielfalt wird durch das Flexible Body System (FBS) ermöglicht – eine modulare Karosseriestruktur, die es erlaubt, Karosserivarianten, Ableitungen und Umbaumodelle auf einer standardisierten Fahrzeugbasis zu entwickeln.
Auf seinem Messestand in Hannover präsentiert das südkoreanische Unternehmen zunächst nur drei PV7-Varianten – einen PV7 Passenger mit langer Radstand sowie zwei PV7 Cargo-Versionen mit langer Radstand. Die erwähnte Hochdachversion sowie die bisher nur angekündigte Standardversion sind hingegen nicht ausgestellt. Die Preise für den PV7 wurden noch nicht bekannt gegeben. Kia plant außerdem, die endgültigen technischen Daten für den deutschen Markt in der Nähe des Markteinführungsdatums veröffentlichen zu wollen.
Neben dem PV5 und PV7 soll sich das Modellprogramm auch weiter nach oben erweitern. Für 2029 wurde bereits das nächste Mitglied der PBV-Familie, der noch größere PV9, angekündigt.
_Quelle: Informationen per E-Mail_, kia.com