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Sonstiges

Katrin Adt, die Leiterin von Dacia, bittet Europa, seine Pläne um 10 Jahre zu verschieben „um die Möglichkeit zu haben, erschwingliche Mobilität anzubieten“.

Katrin Adt, die Leiterin von Dacia, bittet Europa, seine Pläne um 10 Jahre zu verschieben „um die Möglichkeit zu haben, erschwingliche Mobilität anzubieten“.

19/09/2026 11:30

Aufgeführt am

19/09/2026 11:30

Nur wenige Marken verkörpern das Konzept des erschwinglichen Autos so gut wie Dacia, weshalb die Worte ihrer Geschäftsführerin, Katrin Adt, besondere Bedeutung haben. Bei der Präsentation des neuen Dacia Spring appellierte Adt an die europäischen Gesetzgeber, die Vorschriften für kleine Autos zu lockern, um die Preise zu senken und dem Automobilsektor, der nach ihren eigenen Worten seit Jahren in Europa schrumpft, wieder Wachstum zu verschaffen.

Die Botschaft von Adt ist keine isolierte Beschwerde, sondern eine umfassende Analyse darüber, warum der europäische Markt nicht wieder zu dem Schwung findet, den er vor der Pandemie hatte. Sie fasst dies in einem Satz zusammen, der kaum Zweifel an der Situation der rumänischen Marke lässt: „Die Welt braucht Dacia mehr denn je – und es war noch nie so schwierig, Dacia zu sein.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Adt Kritik an den europäischen Gesetzen äußert.

Drei Millionen Autos, die Europa aufgehört hat zu verkaufen

CEO Dacia Striker

Der zentrale Argument von Adt stützt sich auf eine konkrete Zahl: Der europäische Markt hat seit 2019 drei Millionen verkaufter Autos verloren und ist nie wieder auf das Niveau vor der COVID-Pandemie zurückgekehrt. Um den Verlust in Perspektive zu rücken, vergleicht Adt ihn damit, den größten Markt Europas – den deutschen Markt – völlig verschwinden zu lassen. Er geht noch weiter und übersetzt diese Zahl in sehr anschauliche industrielle Begriffe: „Wenn man sagt, es sind drei Millionen Autos, dann rechnet man mal nach: Das entspricht 10 Fabriken, 12 Millionen Reifen, vielleicht 15 Millionen Sitzen, neun Millionen Scheibenwischern…“

Laut Adt hat ein solcher Rückgang in keiner anderen Region der Welt stattgefunden, und der Grund liegt darin, dass Autos allmählich zu teuer geworden sind. Bei der Analyse der Gründe für die starken Preiserhöhungen weist sie direkt auf die Vorschriften als Hauptursache hin. Das ist keine unbegründete Behauptung: Adt gibt an, dass derzeit 25 Prozent des Forschungs- und Entwicklungsbudgets von Dacia sowie ein entsprechender Anteil des Ingenieurpersonals ausschließlich darauf verwendet werden, der wachsenden Liste europäischer Sicherheits- und Emissionsvorschriften gerecht zu werden.

100 Vorschriften erfüllt, weitere 107 noch ausstehend

Dacia Hipster Lateral

Die Zahl, die am meisten Aufschluss über das Problem gibt, ist die der noch ausstehenden regulatorischen Vorgaben. Laut Adt hat Dacia bereits etwa 100 verschiedene Vorschriften erfüllt, es bleiben jedoch noch weitere 107, die vor Ende des Jahrzehnts umgesetzt werden müssen. Dieses Tempo entspricht seiner Ansicht nach nicht immer dem, was der Kunde tatsächlich verlangt. Als Beispiel weist er darauf hin, dass die am häufigsten genutzte Taste in den Fahrzeugen der Marke die sogenannte „Magietaste“ ist, die dazu dient, alle akustischen Warnungen der Fahrerassistenzsysteme (ADAS) auf einmal auszuschalten.

Angesichts dieser Entwicklung hat Dacia gemeinsam mit anderen Herstellern die Europäische Kommission aufgefordert, zumindest eine spezielle Regulierungs-Eiszeit für Kleinwagen einzuführen, um Raum für erschwingliche Mobilität zu schaffen. Die Forderung kommt nicht allein: Fabrice Cambolive, Vorstandsvorsitzender von Renault, dem Mutterkonzern von Dacia, erklärte kürzlich, seine Ingenieure müssten sich mit „einem Tsunami an Vorschriften aus Europa“ auseinandersetzen, und forderte direkt eine zehnjährige Regulierungs-Eiszeit. Laut Cambolive würde dies der Branche ermöglichen, sich auf Erschwinglichkeit und Elektrifizierung zu konzentrieren, was dazu beitragen würde, den europäischen Markt wieder in Gang zu bringen.

Der Hipster – in Erwartung dieser Entscheidung

Adt selbst hatte zuvor vorgeschlagen, dass eine flexiblere Regulierung für kleine Autos der Schlüssel sein könnte, damit ihr Mikroauto, der Hipster Concept, endlich in die Produktion geht. Auf erneute Fragen zum Stand dieses Projekts beschränkte sie sich darauf zu antworten, man müsse „aufmerksam bleiben“, ohne weitere Details über seine unmittelbare Zukunft zu geben.

Quelle: Autocar