Jaguar zeigte das Interieur des Type 01. Ohne Heckscheibe, ohne Spiegel, mit Bildschirmen, die „auf Wunsch“ sichtbar werden.

Jaguar hat die ersten offiziellen Fotos des Innenraums des Type 01 veröffentlicht, des elektrischen Vier-Türen-GT, dessen offizielle Präsentation für den 6. Oktober in New York geplant ist. Laut Angaben des Herstellers behält das Fahrzeug die meisten umstrittenen Konzepte des Type 00 bei: vier separate Sitze, ein zentraler Tunnel, der durch den gesamten Innenraum verläuft, sowie das Fehlen eines Heckscheibens.
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Der Type 01 soll eine neue Ausrichtung für Jaguar als rein elektrisches und luxuriöses Automobilmarken darstellen. Schon anhand der Fotos des Innenraums ist zu erkennen, dass die Briten nicht den Weg eines „Tablets auf Rädern“ einschlagen wollen, sondern eher einen retro-futuristischen Minimalismus anstreben – ähnlich wie ein Konzeptfahrzeug aus den 70er Jahren, das auf wundersame Weise in die Serienproduktion gelangt ist.
Vier Sitze, ein zentraler „Rückenmark“ und ein GT-Cockpit
Die Kabine vom Typ 01 wurde als 2+2-Konfiguration mit vier separaten Sitzen konzipiert, sodass von einer klassischen Rücksitzbank keine Rede sein kann. Durch den gesamten Innenraum verläuft die sogenannte Central Spine, also ein hoher Element, der die Kabine in zwei Teile teilt. Jaguar beschreibt ihn als skulpturales Detail, doch in der Praxis bedeutet das auch, dass das Fahrzeug per Definition für vier Personen ausgelegt ist.
Die Sitzposition hinter dem Lenkrad soll niedrig sein, eher im Stil eines GT als eines Crossovers. Der Hersteller spricht von einer Cockpitkonstruktion, die sich „um den Fahrer schließt“, was nach Marketing klingt, doch auf den Bildern ist tatsächlich ein stark abgeschlossener Bereich für die Vordersitze sowie ein ziemlich hoher Mitteltunnel zu erkennen.
Ein großer Teil der Gestaltung wurde direkt vom Konzept Type 00 übernommen, nur in einer weniger auffälligen, eher luxuriösen Variante. Es gibt einfache Linien, ein stark horizontales Armaturenbrett, eine hellbraune Farbgebung sowie metallische Akzente, die eher an hochwertige Möbel erinnern als an das typische Cockpit eines modernen Elektrofahrzeugs.
Jaguar geht gegen den Trend zu großen Bildschirmen
Am interessantesten ist das, was hier fehlt. Der Type 01 verfügt weder über einen großen zentralen Infotainmentscreen noch über einen separaten Bildschirm für den Beifahrer – obwohl das heutzutage in der Klasse der Fahrzeuge ab 130.000 US-Dollar fast schon selbstverständlich ist.
Vor dem Fahrer befindet sich ein großer, gewölbter Satz digitaler Anzeigen. Für die Steuerung der Klimaanlage und des Audios ist ein kleinerer, vertikaler Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts oder der Konsole zuständig, der eher wie ein schmaler Panel aussieht als wie das klassische „Fernsehgerät“, wie es von Mercedes EQS oder chinesischen Premium-Limousinen bekannt ist.
Die physischen Knöpfe sind kaum sichtbar. Auf den Fotos sind nur die Scheibenwischerhebel an den Türen zu erkennen. Der Rest soll nach dem Prinzip „hidden-until-needed“ funktionieren, also mit einer Technologie, die bis zum Bedarf versteckt bleibt. Das klingt beeindruckend, bedeutet aber in der Regel etwas Einfaches: Weniger sichtbare Elemente, mehr Funktionen, die im Interface versteckt sind.
Ohne Heckscheibe und ohne klassischen Spiegel
Der Type 01 verfügt über keine Heckscheibe, genauso wie der Polestar 4 oder der Avatr 12. Dazu gehört auch das Fehlen eines traditionellen Rückspiegels, der an dem oberen Rand der Frontscheibe angebracht ist.
Anstelle dessen setzte Jaguar das ClearSight Rear View Display ein, also ein digitales Bild von hinten des Autos, das zentral am unteren Rand der Frontscheibe angezeigt wird. Der Hersteller behauptet, diese Position helfe dem Fahrer, da sich der Bildschirm ungefähr auf der Höhe der Seitenspiegel befindet. Das kann aus ergonomischer Sicht sinnvoll sein, erfordert aber eine Eingewöhnungsphase – und nicht jedem Fahrer gefällt es, auf den Bildschirm zu schauen, wo seit Jahrzehnten kein Rückfahrbild vorhanden war.
Diese Lösung passt gut zum Design des Autos, denn das Fehlen einer Rückfahrscheibe gibt den Designern mehr Freiheit, hat aber auch einen offensichtlichen Nutzungspreis. Wenn Elektronik und Kamera einwandfrei funktionieren, gibt es kein Problem. Funktionieren sie jedoch nicht gut, bleibt dem Fahrer ein klassischer Plan B verwehrt.
Innenausstattung wie ein Konzept aus den 70er Jahren – nur mit dem Jaguar-Logo
Stilistisch bewegt sich der Type 01 in eine Richtung, die man kaum mit dem aktuellen Jaguar verwechseln kann. Es gibt cremefarbene und braune Polsterungen, messingartige Akzente, ein Panoramaglasdach, türlose Fenster sowie dezentes Ambientenlicht. An den Türseiten ist das neue „leaping cat“-Logo integriert.
Jaguar spricht auch von Verstecken im Innenraum und „unerwarteten Farbakzenten“. Das klingt zwar nach einer Katalogbeschreibung, doch aus den Fotos geht tatsächlich hervor, dass das Interieur mehrere Schichten aufweist und nicht nur aus asketischem Minimalismus im Stil von Tesla besteht. Hier geht es eher darum, durch Form und Materialien eine Atmosphäre des Luxus zu schaffen als durch die Anzahl der Bildschirme.
Auch das grafische Konzept, das Kühlergrill und Armaturenbrett miteinander verbindet, ist interessant. Auf Aufnahmen von oben sind linienförmige Motive zu erkennen, die die Grenze zwischen Außen- und Innenraum verwischen sollen. In der Praxis erzeugt das einen stark konzeptionellen, fast schon demonstrativen Effekt.
1.000 PS und der Kampf um den Bentley-Kunden – nicht um einen BMW i5
Jaguar hat bereits zuvor bestätigt, dass der Type 01 ein elektrischer Flaggschiffwagen mit 1.000 PS und einem Dreimotorsystem sein wird. Dadurch steht das Auto deutlich über herkömmlichen elektrischen Limousinen der Premiumklasse und rückt näher an die Welt der Bentleys oder sehr teurer GTs heran – zumindest was die Ambitionen angeht.
Der Preis wurde noch nicht bekannt gegeben, dürfte aber über 130.000 US-Dollar liegen. Bei diesem Niveau kauft der Kunde nicht mehr nur nach Leistungsparametern, sondern ein ganzes Paket: Marke, Design, Ausstattung und das Gefühl der Exklusivität. Genau deshalb ist das Interieur des Type 01 so wichtig – Jaguar muss damit beweisen, dass er nach dem Wegfall seines bisherigen Produktportfolios nicht einfach nur zu einer weiteren Premiummarke mit kühnem Pressematerial geworden ist.
Die nächste öffentliche Fahrzeugpräsentation ist während der Monterey Car Week in Kalifornien geplant, wo das Type 01 erneut in einem neuen Tarnanstrich zu sehen sein wird. Die vollständige Enthüllung findet am 6. Oktober in New York statt.
Auf den Fotos wirkt Jaguar wie eine Marke, die eher ein Designmanifest sein möchte als nur ein Hersteller von Luxus-EVs – die Frage ist nur, ob Kunden bei einem Preis von über 130.000 Dollar den Mangel an Heckscheibe und die geringe Anzahl an Displays als Mut und nicht als Seltsamkeit wahrnehmen werden. Ist diese Ausrichtung von Jaguar für Sie etwas Neues oder eher zu viel Konzept in einem Fahrzeug, das normalerweise auf Straßen fahren soll?