Ionity plant Batteriespeichersysteme in 50 Ladeparks

Ionity hat erstmals ein Batteriespeichersystem an einem seiner Standorte integriert, wodurch die Anzahl der Ladepunkte in einem Ladepark in Baden-Württemberg erhöht werden kann. Doch das ist erst der Anfang, denn Ionity plant, im nächsten Jahr 50 Batteriespeichersysteme in seinen Ladeparks zu installieren.
Ladepark von Ionity mit Batteriespeichersystem von Sungrow in Wertheim
Bild: Ionity
Laut einer Stellungnahme des Unternehmens auf eine Anfrage von _electrive_ ist der Einsatz von Batteriespeichersystemen ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Expansionsstrategie von Ionity. Der Betreiber der Ladepunkte plant, Batteriespeichersysteme an ausgewählten Standorten einzusetzen, um zusätzliche Ladepunkte bereitzustellen und die verfügbare Energie effizienter zu nutzen. An Standorten mit Photovoltaikanlagen werden die Batterien außerdem die dort erzeugte Solarenergie speichern und sie später für Ladevorgänge zur Verfügung stellen.
Der erste Ladepark des Unternehmens mit integriertem Batteriespeichersystem ist nun seit einigen Tagen in Wertheim, Baden-Württemberg, in Betrieb. Der bestehende Ladepark, der sich zwischen einer Ausfahrt der Autobahn A3, einem McDonald’s und dem Einkaufszentrum Wertheim Village befindet, wurde nun erweitert. Während zuvor vier Ladepunkte verfügbar waren, hat Ionity nun mithilfe des Batteriespeichersystems die Anzahl auf sechs Ladepunkte erhöht, wobei alle mit Alpitronic HYC400-Ladestationen betrieben werden. Zwei weitere Ladepunkte sollen in Kürze hinzukommen und sind mit Ladestationen von ABB ausgestattet, die eine Spitzenleistung von 350 kW haben.
BESS überbrückt lange Wartezeiten auf die Erneuerung der Stromnetzanbindung
In Wertheim dient das Batteriespeichersystem hauptsächlich dazu, die Zeit bis zur Aufrüstung der Mittelspannungsanbindung zu überbrücken. Laut Ionity kann diese Aufrüstung bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen. Das Speichersystem wird vom chinesischen Hersteller Sungrow geliefert und besteht aus vier modularen Einheiten mit einer Gesamtkapazität von 1.028 kWh und einer maximalen Leistungsausgabe von 500 kW. Die Batterien sind als externe Lösung in Schaltschrankgehäusen auf dem Gelände des Ladeparks untergebracht.

Die zusätzliche Speicherkapazität kann in Kombination mit der bestehenden Netzanschlussverbindung genutzt werden. Ein intelligentes Energiemanagementsystem ist dafür konzipiert, die verfügbare Leistung je nach Bedarf zwischen Netzanschlussverbindung, Batteriespeicher und Ladepunkten aufzuteilen. Neben der Überbrückung begrenzter Netzanschlusskapazitäten sieht Ionity weitere Anwendungsmöglichkeiten: In Zeiten hoher Auslastung des Ladeparks kann das Batteriespeichersystem zusätzliche Ladeleistung bereitstellen und gleichzeitig die Spitzenlasten verringern.
Zwölf Ladepunkte, PV-Anlage und Batteriespeicher
Ein weiteres Projekt befindet sich in der Entwicklung in Hemsbach, Baden-Württemberg. Dabei handelt es sich um einen völlig neuen Bau: einen Schnellladepark mit einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeichersystem. Die PV-Anlage soll eine Leistung von mehr als 223 kWp erreichen, während das BESS eine Kapazität von über 2 MWh haben wird. Im Gegensatz zu Wertheim wird auch die vor Ort erzeugte Solarenergie gespeichert und später zur Aufladung an zwölf Schnellladepunkten genutzt.

Aus langfristiger Sicht strebt Ionity an, seine Batteriespeichersysteme auch für Zwecke außerhalb der unmittelbaren Ladevorgänge zu nutzen. Das Unternehmen arbeitet bereits daran, in Zukunft BESS für Netzdienste einzusetzen, um so zur Stabilität des Stromnetzes beizutragen. Auch die Beteiligung am Energiehandel ist ein möglicher Weg. Zu diesem Zweck entwickelt Ionity weiterhin sein intelligentes Energiemanagementsystem, das darauf ausgelegt ist, die Netzanschlüsse, Speicher, Solarsysteme sowie Ladepunkte zu koordinieren.
Ionity plant bis 2027 eine BESS-Kapazität von mehr als 20 MWh
Durch die geplante Erweiterung bis 2027, bei der rund 50 Batteriespeichersysteme in ganz Europa mit einer Gesamtkapazität von über 20 MWh installiert werden sollen, wird der Einsatz von BESS zu einem zentralen Bestandteil der Expansionsstrategie des Schnellladepioniers. Für diesen Schritt gibt es mehrere Gründe, wie Christoph Strecker, Leiter der Rollout-Abteilung bei Ionity, _electrive_ erklärte: „Für uns geht es nicht nur darum, mehr Ladepunkte zu errichten, sondern auch darum, die richtige Ladungsinfrastruktur an den richtigen Orten zu schaffen und das Ladenerlebnis für unsere Kunden kontinuierlich zu verbessern.“
Strecker fährt fort: „Batteriespeichersysteme spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie ermöglichen es uns, neue Standorte zu erschließen, den Strom effizienter zu nutzen und in Zukunft eine aktive Rolle im Energiesystem einzunehmen. Wertheim ist erst der Anfang. Mit der geplanten Ausweitung in ganz Europa möchten wir den nächsten großen Schritt in Richtung einer intelligenteren, leistungsstärkeren und flexibleren Ladeinfrastruktur machen.“
Batteriespeichertechnologie kann CPOs wie Ionity daher auf verschiedene Weise zugutekommen: Sie kann dazu beitragen, lange Wartezeiten für leistungsstärkere Netzanschlüsse zu überbrücken und Ladeparks früher in Betrieb zu nehmen oder mit mehr Ladepunkten auszustatten. Gleichzeitig schafft sie die Voraussetzungen für einen flexibleren Stromverbrauch sowie künftig zusätzliche Einnahmequellen durch Netzdienstleistungen und Energietrading.
Ein interessanter Hinweis: Bisher hat Ionity ausschließlich externe BESS-Systeme verwendet, obwohl auf dem Markt Ladestellen mit integriertem Batteriespeicher erhältlich sind. Laut dem Unternehmen bieten externe Lösungen derzeit mehr Flexibilität, da sie mehrere Ladepunkte unabhängig von der verwendeten Ladehardware versorgen und für verschiedene Anwendungsfälle eingesetzt werden können. Deshalb konzentriert sich Ionity derzeit auf externe Batteriespeichersysteme. Allerdings bleibt das Unternehmen offen für Ladesysteme mit integriertem Batteriespeicher und prüft deren Einsatzmöglichkeiten.
_Quelle: electrive – eigene Recherche_