Imagry und UNVI bringen autonomen Elektrobus nach Deutschland

Software-Spezialist Imagry und der spanische Bushersteller UNVI kooperieren bei der Entwicklung von autonomen Elektrobussen. Ein erstes gemeinsam konzipiertes Fahrzeug soll noch im dritten Quartal 2026 in Deutschland eingesetzt werden.
Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen 10,3 Meter langen Elektrobus der M3-Klasse, den UNVI mit Imagrys autonomer Fahrtechnologie ausgerüstet hat. Es ist laut den Partnern bereits auf dem Weg zu seinem deutschen Einsatzort. Imagry liefert die Software für Wahrnehmung, Bewegungsplanung und Steuerung. Das System kommt laut den Partnern ohne hochauflösende Karten aus und orientiert sich stattdessen über die Fahrzeugsensorik, was laut Imagry vor allem die Einrichtung neuer Strecken vereinfachen soll. Erprobt sei die Technologie bereits bei autonomen Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen in Deutschland, den USA, Japan und Israel.
Der Bus ist für die europäische Typgenehmigung WVTA unter Berücksichtigung der Sicherheitsvorgaben GSR2 vorbereitet. Die Integration von Fahrzeug und Fahrsystem habe weniger als drei Monate gedauert, heißt es. Zu Batterie, Reichweite oder Ladeleistung äußern sich Imagry und UNVI nicht, ebenso wenig dazu, wo genau der Bus in Deutschland erprobt wird und ob er komplett fahrerlos unterwegs sein soll oder zunächst nur im Erprobungsbetrieb. Klar ist aber: Als dritter Partner fungiert die Firma UBSI als Schnittstelle zwischen Hersteller und Technologieanbieter, zuständig für Beschaffung, Homologation, regulatorische Fragen sowie Leasing und Flottenbetrieb.
Die Kooperation mit Imagry soll nicht auf dieses Modell beschränkt bleiben, sondern sich laut UNVI auch auf weitere Fahrzeugkonfigurationen übertragen lassen. Neben dem klassischen ÖPNV nennen die Partner Flughäfen, Universitäten und Kliniken als mögliche Einsatzfelder. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Technologie hier nicht in einem kleinen Shuttle steckt, sondern in einem vollwertigen Busmodell der M3-Klasse. Imagry positioniert sein System für Level-4-Automatisierung, bei der ein Fahrzeug innerhalb eines definierten Einsatzbereichs ohne menschlichen Fahrer auskommt.
Ob und wie schnell sich das im deutschen Projekt zeigt, hängt auch von Zulassung und regulatorischem Rahmen ab, nicht allein von der Technik. Hier hat sich zuletzt einiges bewegt: Mitte Juli verabschiedete die UNECE erstmals einen international harmonisierten Rechtsrahmen für vollständig automatisierte Fahrsysteme (ADS) ab SAE-Level 4, unterstützt unter anderem von EU, USA, China und Japan. Er verpflichtet Hersteller zu einem Safety Management System und dem Nachweis der Systemleistung per Simulation und Testfahrten, ersetzt aber keine nationale Zulassung, sondern liefert dafür nur eine gemeinsame Grundlage. Der jetzt angekündigte Bus startet zunächst unter den bestehenden Regeln WVTA und GSR2, dürfte von der neuen ADS-Systematik aber mittelfristig profitieren.