Hydrovolt recycelt künftig Islands E-Auto-Batterien

Der norwegische Batterierecycler Hydrovolt hat eine Kooperationsvereinbarung mit dem isländischen Recyclingfonds IRF unterzeichnet. Auf dieser Grundlage will Hydrovolt ausgediente Batterien aus Elektroautos und Industrieanwendungen in Island einsammeln, nach Norwegen bringen und im eigenen Werk in Fredrikstad stofflich verwerten. Das Unternehmen ordnet diesen Schritt seiner nordischen Strategie zu: In der Region soll keine Batterie mehr ungenutzt bleiben.
Der IRF setzt in Island die erweiterte Herstellerverantwortung um. Das Prinzip ist einfach: Wer Produkte wie Batterien auf den Markt bringt, ist auch dafür verantwortlich, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus ordnungsgemäß gesammelt und recycelt werden. Der Fonds verwaltet die dafür fälligen Recyclinggebühren gemäß dem isländischen Gesetz und verteilt sie weiter. Antriebsbatterien von Elektrofahrzeugen fallen ausdrücklich darunter.
Der Bedarf wächst. Laut einer Pressemitteilung bestehen inzwischen 17 Prozent des isländischen Pkw-Bestands aus Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Bei den Neuwagen spricht Hydrovolt von einem Elektroanteil von fast 80 Prozent. Diese Zahl umfasst allerdings auch Hybride. Laut Daten des isländischen Automobilclubs FÍB, über die Iceland Review im September 2025 berichtete, waren bis dahin gut ein Drittel der Neuwagen reine Elektroautos, 21 Prozent Plug-in-Hybride und 24 Prozent Hybride. Recycelt werden die Altbatterien künftig in Norwegen. „Weil die Batteriemengen weiter steigen, müssen passende Recyclinglösungen bereitstehen“, sagt Íris Gunnarsdóttir, die beim IRF für Elektroschrott und Batterien zuständig ist. In Zusammenarbeit mit Hydrovolt möchte man ein effizientes und verantwortungsvolles System für Altbatterien aufbauen und wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen.
Vom Akkupack zur Schwarzmasse
Hydrovolt bietet Batterieimporteuren das komplette Paket: Prüfung, ob eine Batterie noch ein zweites Leben bekommen kann, Sammlung, Transport und Recycling. Für Island bedeutet dies konkret, dass die Altbatterien über den Nordatlantik nach Fredrikstad, südlich von Oslo, gelangen. „Über unser Logistiknetz und unseren Recyclingprozess stellen wir sicher, dass kritische Rohstoffe mit hohen Rückgewinnungsraten aus den Batterien zurückgeholt werden“, sagt Hans Bjerkaas, Chief Commercial and Development Officer bei Hydrovolt.
Das Werk in Fredrikstad ist seit Mai 2022 in Betrieb und laut Firmenangaben die größte Batterierecyclinganlage im Norden. Es ist auf die Verarbeitung von 12.000 Tonnen Batteriepacks pro Jahr ausgelegt, was Batterien aus 25.000 bis 30.000 Autos entspricht.
Hydrovolt arbeitet mechanisch und trocken: Die Packs werden entladen, zerlegt und geschreddert. Dabei lassen sich Aluminium, Kupfer und Kunststoffe direkt abtrennen. Übrig bleibt die sogenannte Schwarzmasse, ein feines Pulver, das Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan enthält. Diese Metalle werden in einem zweiten, chemischen Schritt herausgelöst. Dafür arbeitet Hydrovolt mit Partnern zusammen. So vereinbarte das Unternehmen etwa im Jahr 2024 eine Zusammenarbeit mit Fortum, das die Schwarzmasse in seiner hydrometallurgischen Anlage im finnischen Harjavalta weiterverarbeitet. Hydrovolt gibt die Gesamtrecyclingquote mit nahezu 100 Prozent an.
Ohne Northvolt
Hydrovolt ist in Norwegen, Schweden und Dänemark als Behandlungsbetrieb zugelassen und unterstützt Hersteller und Importeure dabei, ihre Pflichten aus der Herstellerverantwortung zu erfüllen. Die beiden Nachbarmärkte sind noch neu: Hydrovolt ging im Februar 2026 nach Schweden und im September desselben Jahres gemeinsam mit dem Partner KABoB nach Dänemark. Island ist der nächste Schritt. Bereits 2024 hatte das Unternehmen seine Pläne über Skandinavien hinaus erweitert und eine Expansion nach Hordain in Nordfrankreich beschlossen, zunächst als Sammel- und Demontagestandort.
Hydrovolt wurde 2020 als Gemeinschaftsunternehmen des Aluminiumkonzerns Norsk Hydro und des schwedischen Zellherstellers Northvolt gegründet. Northvolt zog sich im November 2024 aus der Finanzierung zurück; seit der zweiten Jahreshälfte 2024 trägt Hydro das Recyclingunternehmen allein. Im Januar 2025 vereinbarten beide Seiten, dass Hydro die übrigen Anteile für 78 Millionen Norwegische Kronen (rund 6,7 Millionen Euro) übernimmt und seinen Anteil von 72 auf 100 Prozent aufstockt. Der Abschluss war für Ende des ersten Quartals 2025 geplant und hing unter anderem von der Zustimmung des Gerichts im US-Insolvenzverfahren von Northvolt ab. Northvolt selbst meldete im März 2025 auch in Schweden Insolvenz an.
hydrovolt.com (Pressemitteilung Hydrovolt), hydrovolt.com (Newsroom Hydrovolt), hydro.com (Pressemitteilung Hydro), euwid-recycling.de (Bericht Hydro-Übernahme, inkl. Wechselkurs), de.wikipedia.org (Northvolt), icelandreview.com (Neuzulassungen Island)