Ich habe den neuen Volkswagen ID. Polo gefahren, und es gibt etwas, das ihn zu einem weitaus interessanteren Fahrzeug als ein gewöhnliches Stadtauto macht.

Der Volkswagen Polo wurde 1975 als kompaktes, preiswertes und praktisches Modell entwickelt, das ursprünglich auf dem Audi 50 basierte. Seine Größe, Effizienz und einfache Handhabung machten ihn zu einem der beliebtesten Kompaktwagen in Europa. Im Laufe der Generationen erhielt er Verbesserungen in Bezug auf Sicherheit, Technologie und Komfort, ohne seinen funktionalen Charakter zu verlieren.
1987 kam der Polo G40 auf den Markt, der die sportlichen Möglichkeiten des Modells zeigte, und 1998 erschien der erste Polo GTI. Die im Jahr 2017 auf der MQB-Plattform vorgestellte sechste Generation stellte einen bedeutenden technologischen Fortschritt dar. Mit über 20 Millionen verkauften Exemplaren tritt der Polo nun mit dem elektrischen ID. Polo in eine neue Ära ein, der seine Philosophie der Praktikabilität und Effizienz auf den emissionsfreien Verkehr überträgt.

Nun ist der Polo ein ID – also ein Elektroauto
Volkswagen hat mit dem neuen ID. Polo einen wichtigen Schritt in seiner Elektrifizierungsstrategie unternommen. Das deutsche Nutzfahrzeug behält die praktische Philosophie des uns allen bekannten Modells bei, ersetzt jedoch die Verbrennungsmotoren durch eine Reihe von Elektromotoren sowie eine modernere Plattform.
Der in Martorell bei Barcelona hergestellte ID. Polo ist 4,05 Meter lang. Es handelt sich somit um ein kompaktes Auto mit angemessenen Abmessungen für die Stadt, obwohl sein Ansatz weit über reine Stadtfahrten hinausgeht.
Die Serie bietet drei Leistungsstufen an: 116, 135 und 211 PS. Die ersten beiden Versionen verwenden eine LFP-Batterie mit einer Nettokapazität von 37 kWh, während die leistungsstärkste Variante auf eine NMC-Batterie mit 52 kWh setzt.
Die homologierte Reichweite beträgt bei der 211-PS-Version 449 Kilometer – ein Wert, der Reisen außerhalb der Stadt ermöglicht, ohne dass das Auto ausschließlich für den städtischen Gebrauch eingeschränkt ist.

Am Steuer des Volkswagen ID. Polo: mehr Auto, als man erwartet
Mi erste Begegnung mit dem Volkswagen ID. Polo lässt ein klares Fazit zu: Es handelt sich nicht um ein Elektrofahrzeug, das ausschließlich für den Stadtverkehr konzipiert ist. Obwohl seine Abmessungen denen eines Kombis entsprechen, ähnelt das Fahrgefühl eher dem eines höherwertigen Kompaktwagens.
Die Sitzposition ist natürlich, und das Innenraumdesign vermittelt einen Eindruck von Qualität und Ordnung. Volkswagen hat sich für eine intuitivere Anordnung der Bedienelemente entschieden – mit physischen Knöpfen für bestimmte Funktionen sowie einem 13-Zoll-Zentralbildschirm.
Im Betrieb ist der Komfort eines der auffälligsten Merkmale. Die akustische Isolierung sowie das Fehlen von Vibrationen, die typisch für Verbrennungsmotoren sind, sorgen dafür, dass der ID. Polo besonders angenehm im Stadtverkehr und auf Landstraßen ist.

Die Federung filtert die Unregelmäßigkeiten des Asphalts richtig ab und verleiht dem Auto ein Gefühl der Stabilität, das man nicht immer bei Elektrofahrzeugen dieser Klasse findet. Es handelt sich nicht um ein Fahrzeug, das in allen Versionen einen sportlichen Fahrkomfort anbieten will, sondern um ein Gleichgewicht aus Komfort, Präzision und Bedienungsfreundlichkeit.
Die leistungsstärkste Version des Volkswagen ID. Polo ist mit einem Elektromotor von 155 kW / 211 PS ausgestattet. Das ist eine beträchtliche Leistung für ein Auto dieser Größe und ermöglicht eine sofortige Reaktion auf das Gaspedal.
Während der Fahrt ist diese sofortige Drehmomentbereitstellung besonders spürbar, wenn man eine Autobahn betritt oder Überholmanöver vornimmt. Der ID. Polo reagiert schnell und ohne dass man warten muss, bis ein Gangwechsel oder ein Verbrennungsmotor seine Drehzahl erhöht.
Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h liegt in dieser Version bei 7,1 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h begrenzt ist. Das sind ausreichende Leistungen, damit das Modell auch außerhalb der Stadt mithalten kann.

Das Bremssystem trägt ebenfalls dazu bei, dass das Fahren einfach bleibt. Die Möglichkeit, die Energie des Elektromotors zur Rückgewinnung zu nutzen, ermöglicht es in bestimmten Situationen – insbesondere im Stadtverkehr – den Bremspedalgebrauch zu verringern.
Hier zeigt sich der große Unterschied zwischen dem Modus B, der das Auto effektiv bremst, bis es zum Stillstand kommt, und dem Modus D, der nur eine geringe Bremswirkung hat. Der erste ist daher ideal für die Stadt sowie für Gebiete mit langsamerem Verkehr, während der zweite für den Einsatz auf Autobahnen und Schnellstraßen geeignet ist.

Autonomie und Aufladen: Der ID. Polo verzichtet nicht auf Reisen
Die Batterie mit 52 kWh Nettokapazität in der 211-PS-Version ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 449 Kilometern. Unter realen Bedingungen hängt diese Zahl von Geschwindigkeit, Temperatur, Art der Fahrt sowie dem Einsatz der Klimaanlage ab und sollte daher nicht als garantierte Straßenreichweite interpretiert werden.
In den 116- und 135-PS-Versionen bietet die 37-kWh-Batterie je nach Konfiguration eine homologierte Reichweite von bis zu 329 Kilometern. Diese Kapazität ist eher für den täglichen Gebrauch ausgelegt, ermöglicht aber bei richtiger Planung auch Überlandfahrten.
Die schnelle Gleichstrom-Ladung erreicht 105 kW. Volkswagen gibt für die 52-kWh-Version eine ungefähre Ladezeit von 24 Minuten an, um vom 10 auf 80 Prozent der Batteriekapazität zu gelangen. In den 37-kWh-Versionen beträgt die angegebene Zeit etwa 23 Minuten.
Diese Zahlen platzieren den Volkswagen ID. Polo in einer wettbewerbsfähigen Position unter den Elektrofahrzeugen – insbesondere für diejenigen, die keinen Haushaltslader besitzen und auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind.
Ein praktischer Innenraum mit Technologie aus höheren Segmenten
Der Innenraum ist einer der Stärken des neuen Volkswagen ID. Polo. Das Unternehmen hat darauf hingewirkt, genügend Platz für fünf Insassen zu schaffen, wobei die zweite Sitzreihe bei einem Fahrzeug von etwas über vier Metern Länge immer noch einen angemessenen Komfort bietet.
Der Kofferraum fasst 441 Liter – eine bemerkenswerte Kapazität für ein Fahrzeug dieser Größe, die ausreicht, um den größten Teil der täglichen Bedürfnisse einer Familie zu decken.
In puncto Technologie verfügt der ID. Polo über ein 10-Zoll-Digitalinstrumentenbrett sowie einen 13-Zoll-Multimediascreen. Zudem kann er mit Fahrerassistenzsystemen wie dem Connected Travel Assist ausgestattet werden, das fortschrittliche Funktionen bietet, um die Straßenfahrt zu erleichtern.
Zu seinen auffälligsten Merkmalen gehören das 480-Watt-Harman Kardon-Soundsystem, die vorderen Sitze mit Massagefunktion sowie das Panoramaglasdach – wobei diese Ausstattungsmerkmale von der gewählten Ausstattung abhängen.
Ist der Volkswagen ID. Polo eine echte Alternative zum Verbrennungsmotor-Polo?
Nach dem Fahren lautet die Antwort zwar positiv, aber mit Nuancen. Der ID. Polo behält die Eigenschaften bei, die das Verbrennungsmodell beliebt gemacht haben: kompakte Abmessungen, einfache Handhabung und Praktikabilität. Die elektrische Antriebstechnologie bringt zusätzlich Sanftheit, Geräuschlosigkeit und eine sofortige Reaktionsfähigkeit mit sich.
Sein größter Vorteil ist, dass man nicht auf den Komfort eines Kombis verzichten muss, um an ein Elektroauto zu gelangen. Die größte Einschränkung bleibt weiterhin die Notwendigkeit, eine geeignete Ladelösung zu haben – insbesondere für diejenigen, die häufig lange Strecken zurücklegen.
Der von Volkswagen angegebene Einstiegspreis beträgt 17.900 Euro für den ID. Polo Match mit 116 PS und einer 37 kWh großen Batterie; dieser Preis unterliegt Werbekampagnen, Finanzierungsbedingungen sowie den Vorgaben des Plan Auto+. Ohne diese Unterstützungen ist der Preis höher.
Der neue Volkswagen ID. Polo will das Konzept des Kompaktwagens nicht revolutionieren, sondern es an die elektrische Mobilität anpassen. Genau darin liegt sein Wert: Er bietet einen recht natürlichen Übergang zum Elektroauto mit komfortablem Fahrverhalten, moderner Technologie und einer Reichweite, die es ermöglicht, ihn weit außerhalb der Stadt zu nutzen.