Group14 baut Batteriematerial-Fabrik in Sagunt

Der auf Silizium-Anoden spezialisierte US-Batteriematerial-Hersteller Group14 wird künftig auch in Europa produzieren. Die Zusage zum Aufbau eines Fertigungsstandorts in Spanien hängt dabei unmittelbar mit einer neuen Kapitalaufstockung zusammen – genauer: mit einem europäischen Geldgeber.

In Südkorea läuft die Group14-Produktion bereits.
Bild: Group14
Group14 ist ein auf Silizium-Anoden spezialisierter Batteriematerial-Entwickler mit Sitz in Woodinville im US-Bundesstaat Washington. Als einer der wichtigsten Investoren und Kooperationspartner des US-Startups gilt Porsche. Nach einer vorherigen Finanzierungsrunde im Sommer 2025, in der u.a. auch Porsche noch einmal nachgelegt hatte, meldet das Unternehmen nun den Abschluss einer weiteren Kapitalerhöhung. Konkret geht es um 150 Millionen Euro eines namentlich nicht genannten Investors.
Wirklich interessant ist dabei, dass sich Group14 im Gegenzug für diese Kapitalerhöhung verpflichtet hat, seine sogenannte „SCC55“-Produktion nach Europa auszuweiten. Die Standortentscheidung ist dabei schon gefallen: Man habe „Sagunt in Spanien als Standort für das nächste Produktionsmodul im industriellen Maßstab mit einer anfänglichen Kapazität von 10 GWh ausgewählt“, teilt Group14 mit. Durch die Errichtung eines Betriebsstandorts in Spanien wolle man seine Batteriematerialien „direkt in unmittelbarer Nähe zu den Lieferketten der wichtigsten europäischen OEMs positionieren“.
Bei Sagunt fällt uns in diesem Kontext natürlich sofort PowerCo ein. Die Volkswagen-Tochter baut in dieser Stadt bekanntlich eine ihrer großen Batteriezellfabriken. Künftig soll das Werk zu einem Joint-Venture-Projekt unter Einbeziehung von Gotion High-tech werden.Group14 könnte über die enge Porsche-Connection natürlich eine Rolle im künftigen Batterie-Ökosystem von Volkswagen spielen. Der nun erwähnte Investor könnte also aus dem Volkswagen-Konzern oder dessen Umfeld stammen. Diese Schlussfolgerung liegt nah, ist aber nicht bestätigt.
So oder so: Group14s Material mit der Kennung SCC55 hat nach Angaben der Entwickler bereits „kommerziellen Erfolg in Anwendungen wie Smartphones, Drohnen, Hypercars und eVTOLs erzielt“. Künftig soll es auch in Batterien von Elektroautos zum Einsatz kommen. Hauptmerkmal des neuen Materials ist es, dass es den Einsatz von Silizium-Kohlenstoff-Anoden anstelle des üblichen Graphits in Lithium-Ionen-Batterien erlaubt.
Hergestellt werden soll diese Batteriezutat künftig also auch im Umfang von 10 GWh pro Jahr in Spanien. Damit würde die „kurzfristige Gesamtproduktionskapazität“ auf 40 GWh steigen, heißt es in einer begleitenden Mitteilung. Neben einer seit 2021 ans Netz genommenen kommerziellen Pilotanlage in Woodinville betreibt Group14 einen weiteren Standort in Sangju in Korea (mit 10 GWh) und plant für 2027 die Eröffnung von zwei 10-GWh-Anlagen in Moses Lake im US-Bundesstaat Washington. Für das nächsten Jahrzehnts verfolgt das Unternehmen nach eigenen Angaben die Vision, „Produktionskapazitäten im Umfang von Hunderten von Gigawattstunden aufzubauen“.
Rick Luebbe, CEO und Mitbegründer von Group14 Technologies, resümiert: „Um die Energiewirtschaft wirklich zu transformieren, müssen die Hersteller von Batteriematerialien dort angesiedelt sein, wo die Batterien hergestellt werden. Unsere Expansion nach Spanien spiegelt unsere Vision wider: flexibel zu bleiben, in der Nähe wichtiger Kundenzentren zu produzieren und sichere, lokale Lieferketten aufrechtzuerhalten.“
Mit der neuen Finanzierungszusage über 150 Millionen Euro (umgerechnet 169 Millionen Dollar) steigt das Gesamtvolumen der Serie-D-Finanzierungsrunde von Group14 nach Unternehmensangaben auf über 665 Millionen US-Dollar. Schon 2025 sammelte das Startup wie berichtet 463 Millionen Dollar verschiedener Geldgeber ein. Die Serie-D-Runde erstreckte sich somit über fast eineinhalb Jahre.
Was die engen Verbindungen von Group14 nach Deutschland angeht, noch folgender Exkurs: 2022 stieg Porsche im Rahmen der damaligen Serie-C-Finanzierungsrunde bei dem Startup erstmalsals Investor einund steuerte 100 Millionen US-Dollar zur seinerzeitigen insgesamt 400 Millionen US-Dollar schweren Kapitalspritze bei. Im Zuge dessen gab Porsche auch bekannt, dass Group14 künftig auch die Porsche-BatterietochterCellforce mit Batteriematerial beliefern sollte. Allerdings hat Porsche im Laufe dieses Jahres bekannt gemacht, Cellforce komplett dicht zu machen.
Group14 übernahm unterdessen 2023 das deutsche Unternehmens Schmid Silicon, das im Industriepark Schwarze Pumpe an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg eine Anlage zur Produktion von Monosilan-Gas betreibt, einem wichtigen Vorprodukt für die Silizium-Batterietechnologie des US-Entwicklers.
2025 stellte dann V4Smart, die von Porsche übernommene und umbenannte Varta-Batterietochter,ihre Batteriezelle der zweiten Generation vor und gab bekannt, in dieser Zelle auf das neue Anodenmaterial der Porsche-Beteiligung Group14 zu setzen. Kurz zuvor hatte auch der deutsche Batteriezellhersteller CustomCells eineLiefervereinbarung mit Group14 unterzeichnet, die Firma ging jedoch nur wenige Monate späterinsolvent.
Eine weitere wichtige Partnerschaft von Group14 in Deutschland besteht zudem mit dem Chemiekonzern BASF: Beide Firmen haben im Frühjahr 2025 eine marktreife Siliziumanodenlösung vorgestellt, die ebenfalls das Graphit in Lithium-Ionen-Batterien ersetzen soll.Dabei wird das BASF-Bindemittel Licity 2698 X F mit dem fortschrittlichen Silizium-Anodenmaterial SCC55 von Group14 kombiniert.