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Infrastruktur

Geplantes Lkw-Schnellladenetz an 124 Rastanlagen geht in die Umsetzung

Geplantes Lkw-Schnellladenetz an 124 Rastanlagen geht in die Umsetzung

Nach der Vergabe der fünf Lose startet der Bund die Umsetzungsphase seines geplanten E-Lkw-Schnellladenetzes. An 124 unbewirtschafteten Rastanlagen in Deutschland sollen 836 Ladepunkte entstehen, davon 447 mit MCS. Die beauftragten Unternehmen beginnen nun mit der standortspezifischen Planung. Die zweite Ausschreibung für die Standorte an den bewirtschafteten Rastanlagen ist in Vorbereitung.

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Bild: Kempower

Den Beginn der Umsetzungsphase hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger auf der IAA Transportation in Hannover gemeinsam mit VDA-Präsidentin Hildegard Müller und Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), bekannt gegeben. Für das gesamte Lkw-Schnellladenetz stellt der Bund rund eine Milliarde Euro zur Verfügung.

Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Fördermittelprojekt. Wie bereits im Sommer berichtet, handelt es sich stattdessen um ein vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) gemeinsam mit der Autobahn GmbH des Bundes und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH geplantes Ladenetz für Elektro-Lkw, dessen Bau und Betrieb an Firmen vergeben werden. Perspektivisch soll das Netz rund 350 Standorte auf bundeseigenen Flächen an den Autobahnen umfassen, mit etwa 4.200 Ladepunkten. Davon sollen rund 1.800 mit dem Megawatt Charging System (MCS) und rund 2.400 mit CCS ausgestattet sein.

Den Anfang machen die besagten 124 unbewirtschafteten Rastanlagen, für die die Autobahn GmbH Ende Juni die Zuschläge vergeben hat. Sie verteilen sich auf fünf Lose: eliso Voltix Truck Charging übernimmt 25 Standorte, Autostrom.plus 24 und das zur Engie Vianeo gehörende Unternehmen Electric Mobility Infrastructure Deutschland 26. Auf die Bietergemeinschaft STRA-loaded entfallen 25 Rastanlagen, auf die Bietergemeinschaft E.ON Drive & mblty 24. Nach der übergeordneten Konzeptions-, Planungs- und Vergabephase beginnen die Unternehmen nun mit den standortspezifischen Planungen und den weiteren Schritten zur Errichtung der Ladeinfrastruktur.

447 MCS-Ladepunkte für das Zwischenladen

„Auf 124 unbewirtschafteten Rastanlagen sollen jetzt insgesamt 836 neue Ladepunkte – darunter 447 für das Megawatt-Laden – entstehen“, so Dirk Brandenburger, Geschäftsführer Technik der Autobahn GmbH des Bundes. Hinzu kommen 157 CCS-Ladepunkte mit 400 kW, ebenfalls für das Zwischenladen, sowie 232 CCS-Ladepunkte mit 100 kW für längere Standzeiten und das Übernachtladen. Die Ladeinfrastruktur ist damit auf unterschiedliche Einsatzfälle im Straßengüterverkehr ausgelegt.

Um die technische Umsetzung zu beschleunigen, hat die Autobahn GmbH nach Angaben ihres Technik-Geschäftsführers Dirk Brandenburger bereits 2024 mit der Beantragung der benötigten Netzanschlüsse begonnen. Wann die ersten Ladeparks in Betrieb gehen werden, lässt das Verkehrsministerium in seiner aktuellen Mitteilung jedoch offen.

Einzelne Betreiber wurden im Sommer da schon konkreter. E.ON Drive und die Tank-&-Rast-Marke mblty wollen an ihren 24 Standorten 195 Ladepunkte errichten, davon 101 mit MCS. Die Eröffnung des ersten Standorts ist ab 2027 geplant. Autostrom.plus hat für seine 24 Rastanlagen wiederum 148 Ladepunkte angekündigt und nennt als Umsetzungszeitraum die Jahre 2026 bis 2030.

Branche drängt auf Tempo

VDA und BGL begrüßen den Beginn der Umsetzung, drängen aber zugleich auf einen schnellen Ausbau. VDA-Präsidentin Müller bezeichnet die derzeit mangelnden öffentlichen Lademöglichkeiten als Hemmnis für den Markthochlauf von E-Lkw. Der stockende Hochlauf habe zur Folge, dass den Herstellern Strafzahlungen drohten, obwohl diese bereits klimafreundliche Lösungen entwickelt und auf den Markt gebracht hätten. Entscheidend sei deshalb, dass die Ladeinfrastruktur nun schnell zur Verfügung stehe.

Auch BGL-Vorstandssprecher Engelhardt fordert ein zügiges Vorgehen. Ladepunkte, leistungsfähige Netzanschlüsse und der tatsächliche Bedarf der Transportwirtschaft müssten zusammen gedacht werden. Die jetzt geplanten Ladepunkte seien ein wichtiger Anfang. Darüber hinaus fordert der Verband unter anderem die Fortführung der Förderung betrieblicher Ladeinfrastruktur, praxistaugliche Lösungen bei der Mehrgewichtskompensation und eine verlässliche Finanzierungsgrundlage.

Zweite Ausschreibung in Vorbereitung

Die Ausschreibung für Ladeparks an den bewirtschafteten Rastanlagen bereitet das BMV derzeit vor. Das Ministerium spricht inzwischen von rund 225 solcher Standorte. Bei der Vergabe im Sommer war noch von 220 die Rede. Zusammen mit den 124 unbewirtschafteten Rastanlagen soll so das geplante Netz von rund 350 Standorten entstehen. Einen Zeitplan für die zweite Vergaberunde nennt das Ministerium noch nicht.

Die bewirtschafteten Raststätten waren bei der ersten Vergaberunde außen vor geblieben. Hintergrund war der inzwischen beigelegte Rechtsstreit zwischen Fastned und der Autobahn GmbH, durch den sich der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur für Pkw und Lkw an Autobahnraststätten bereits seit Jahren verzögert hatte.