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Technologie

Der Genesis GV90 mit einer Batteriekapazität von 123,5 kWh feierte offiziell seine Premiere. Die Koreaner zielen auf BMW ab, nutzen aber Tricks von Rolls-Royce.

Der Genesis GV90 mit einer Batteriekapazität von 123,5 kWh feierte offiziell seine Premiere. Die Koreaner zielen auf BMW ab, nutzen aber Tricks von Rolls-Royce.

Genesis präsentierte den elektrischen GV90, also das neue Flaggschiff-SUV der Marke und zugleich das luxuriöseste Modell in der gesamten Hyundai-Gruppe. Das Auto verfügt über 657 PS, einen Akku mit 123,5 kWh Kapazität, eine Ladeleistung von 350 kW sowie die Neolun-Version mit türlosen Coach-Door-Türen.

Inhaltsverzeichnis

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Für diejenigen, die auf die koreanische Antwort auf den BMW iX, den Mercedes EQS SUV oder sogar auf noch luxuriösere Modelle im Stil des Rolls-Royce Cullinan gewartet haben, ist dies genau das Richtige. Die Frage lautet nicht mehr, ob Genesis in der Lage ist, ein großartiges Luxus-E-Auto herzustellen. Die Frage ist vielmehr, wie viel dafür verlangt wird.

Genesis GV90: Die Größe eines Flaggschiffs, die Leistungsdaten eines großen EVs

Der GV90 ist ein großes Auto – selbst im Vergleich zu den vollständigen Elektro-SUVs seines Segments. Die Karosserielänge beträgt 208,1 Zoll, das sind etwa 528,6 cm, und die Radstandlänge erreicht 127,8 Zoll, also rund 324,6 cm. Bei diesen Abmessungen handelt es sich nicht mehr um ein gewöhnliches Familien-SUV, sondern um ein Fahrzeug, das speziell für viel Platz und den Effekt eines „Salons auf Rädern“ konzipiert ist.

Unter der Haube arbeitet die neue eMP-Plattform, die eigens für die Flaggschiff-Modelle von Genesis entwickelt wurde. Es handelt sich also nicht um eine weitere Variante der bekannten E-GMP-Architektur, sondern um eine eigene Basis für die größten und teuersten Fahrzeuge der Marke.

Antrieb und Ausstattung sind in jeder Version ähnlich. Genesis nennt zwei Motoren mit 657 PS und einem Drehmoment von 800 Nm. Hinzu kommt ein Akku mit einer Kapazität von 123,5 kWh. Die angegebene Reichweite liegt bei etwa 500 km, also 311 Meilen – doch hier muss sofort ein Hinweis eingefügt werden: Es handelt sich um Ergebnisse aus internen Tests, nicht um eine EPA- oder WLTP-Zertifizierung.

Die Angaben zur Ladeleistung sehen viel interessanter aus. Der GV90 soll eine schnelle Ladeleistung von bis zu 350 kW unterstützen, wobei eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent in 22 Minuten erfolgen soll. Auf dem Papier klingt das sehr gut, doch wie üblich liegt das Problem in der Ladekurve. Allein die Zahl „350 kW“ garantiert noch nichts.

Spezifikationen des Genesis GV90

Parameter

Genesis GV90

—

—:

Plattform

eMP

Antrieb

2 Motoren, AWD

Leistung

657 PS

Drehmoment

800 Nm

Batterie

123,5 kWh

Angaben zum Reichweitenbereich

ca. 500 km / 311 Meilen

Schnelle DC-Ladung

bis zu 350 kW

Aufladung von 10-80%

22 Minuten

Versionen

GV90, GV90 Neolun

Sitzanordnung

7 Personen, optional 4-Personen Executive Suite

Auch beim Chassis wurde nicht gespart. Das Auto verfügt über eine pneumatische Federung mit mehrkammernigen Luftfederungen, Doppelventil-Dämpfer, eine schwenkbare Hinterachse sowie elektronisch gesteuerte Differenzialmechanismen an beiden Achsen. Es handelt sich um eine interessante Kombination, denn Genesis versucht, zwei Welten miteinander zu verbinden: den komfortablen Aufenthalt einer Limousine und die Kontrolle über das Gewicht eines großen Elektrofahrzeugs.

Neolun – also Türen ohne B-Säule

Die spektakulärste Version ist der GV90 Neolun. Dabei handelt es sich um eine Ausführung mit einer Lösung namens Neolun Arch Gate, also hinteren Türen, die „gegen den Wind“ geöffnet werden können, ohne eine klassische sichtbare B-Säule. In der Praxis ähnelt dies einem Patent, das von Rolls-Royce bekannt ist, nur in der koreanischen Variante.

A genau hier hat Genesis nicht bei einem Konzeptfahrzeug innegehalten. Das Serienmodell behielt diese Lösung bei, wobei die Hintertüren über einen eigenen Doppelbewegungsmechanismus verfügen. Zunächst schieben sie sich nach außen, öffnen sich anschließend und erfordern nicht die vorherige Öffnung der Vordertüren. Das ist wichtig, denn viele ähnliche Systeme sehen nur auf Bildern gut aus.

Fehlende B-Säule erforderte Verstärkungen der Konstruktion. Der Hersteller spricht von einer neuen Struktur, die Türen und Karosserie miteinander verbindet, doppelten Stahlbalken anstelle der B-Säule sowie einer versteckten Konstruktion, die an einen Sicherheitskäfig erinnert. Der Rahmen des Innenraums soll etwa 1,5 Mal dicker sein als im Durchschnitt.

Das klingt ehrgeizig. Doch genau hier ist nüchterner Verstand gefragt. Luxus mag ja schön sein, doch der tägliche Komfort solcher Türen hängt von einem einzigen Faktor ab: Wie funktionieren sie in einer engen Garage, bei Wind und nach drei Wintern? Das wissen wir noch nicht.

Innenraum: mehr Lounge als klassischer SUV

Das GV90-Cockpit ist wohl der stärkste Vorteil dieses Autos. Genesis wollte offensichtlich etwas schaffen, das eher an einen privaten Salon erinnert als an ein klassisches Cockpit mit einem großen Tablet, das an der Konsole befestigt ist.

In der Mitte befindet sich ein 23,6 Zoll großer OLED-Bildschirm, der nach dem Parken herausfahren und auf 24,6 Zoll anwachsen kann. Dann soll er als Unterhaltungszentrum dienen. Anstelle klassischer Uhrwerke erhält der Fahrer ein 25 Zoll großes HUD, das Geschwindigkeit, Navigation und ADAS-Funktionen anzeigt. Das ist ein kühner Ansatz, denn Genesis verzichtet praktisch auf das traditionelle Instrumentenpaket.

Außerdem kommt im Auto das neue Pleos Connect-System zum Einsatz, das auf Android Automotive OS basiert. Die Benutzeroberfläche soll mehr wie ein Smartphone funktionieren, mit Apps und anpassbaren Bildschirmen. Es gibt außerdem den Assistenten Gleo AI, der Fragen beantworten und Fahrzeugfunktionen steuern soll. Es ist gut, dass der Hersteller nicht länger vorgibt, ein Premium-Kunde wolle keine bekannte App-Plattform. Schlecht ist es hingegen, wenn sich die KI nur als Gadget für Demonstrationen bei der Premiere erweist.

Eine interessante Besonderheit ist auch die Art und Weise, wie das Auto „geweckt“ wird. Wenn man an der Türklinke zieht, startet das Auto automatisch und schließt die Türen. Der Hebel neben dem Lenkrad verschiebt sich von der 12-Uhr- in die 2-Uhr-Position, und der kristalline Controller dreht sich, wodurch die Bedienelemente sichtbar werden. Beeindruckend – vermutlich genau das war auch beabsichtigt.

Genesis spart nicht bei der Audioausstattung. Das Bang & Olufsen Premier 3D-System verfügt über 25 Lautsprecher, darunter Tweeter mit Acoustic Lens-Technologie, Deckenlautsprecher, Mitteltöner und Subwoofer. Hinzu kommt die Virtual Venue-Funktion, die die Akustik bekannter Säle und Stadien von der Boston Symphony Hall bis zum Wembley Stadium nachbilden soll.

Es gibt auch praktischere Zusatzfunktionen: ambientbeleuchtete Lichtanlagen, motorisierte Lüftungssysteme, Überwachung der Fahrerkabine, das Remote Smart Parking Assist 3 für das Fernparken sowie den Memory Reversing Assist für die Rückwärtsfahrhilfe.

Executive Suite und Kühlschrank. Ja, ein Kühlschrank.

In der höchsten Ausstattungsversion GV90 Neolun Executive Suite verwandelt sich das Auto in einen vierpersönlichen Lounge-Bereich. Die Vordersitze können so gedreht werden, dass die Passagiere einander gegenübersitzen. Der hintere Teil der Kabine wird vom Kofferraum abgetrennt, es gibt beheizte Böden mit Holzverkleidung sowie beheizte Armlehnen.

Außerdem gibt es einen Kühlschrank. In einem Auto dieser Klasse sollte das niemanden mehr überraschen, aber es zeigt gut, wo Genesis den GV90 einordnet. Es handelt sich dabei nicht um „ein größeres EV für die Familie“. Es ist ein Fahrzeug, das dazu dient, VIPs zu transportieren – selbst wenn der Besitzer diesen VIP-Transport ins Büro selbst durchführt.

In der siebensitzigen Version hat der GV90 natürlich einen klassischeren Charakter, doch das gesamte Konzept ist dennoch auf ein maximal luxuriöses Erlebnis ausgerichtet. Mehr Mercedes EQS SUV als Kia EV9 – und eher ein Rolls-Royce im Stil als ein BMW in einer sportlichen Ausrichtung.

Sicherheit und Batterie: Es gibt konkrete Angaben, aber kein vollständiges Bild

Genesis hat einige starke Versprechen im Bereich der Sicherheit hinzugefügt. Der GV90 verfügt über 12 Airbags sowie den weltweit ersten Roof Airbag – also einen Airbag, der bei einem Unfall ausfährt und die gesamte gläserne Dachfläche schützen soll. Hinzu kommt ein System zur Überwachung des Innenraums.

Zu der Batterie erwähnt der Hersteller ein cloud-basiertes BMS-System für die Echtzeitdiagnose sowie den Schutzmechanismus Thermal Runaway Protection, der dazu dient, die Wärmeübertragung zwischen den Zellen einzuschränken und das Brandrisiko zu verringern.

Das sind konkrete Angaben und kein reiner Marketing-Spruch. Allerdings ist es ohne unabhängige Tests sowie Daten zur Fahrzeugmasse heute schwierig zu beurteilen, wie sich der GV90 in der Praxis schlagen wird – insbesondere mit einer großen Batterie und umfangreicher Ausstattung.

Das größte Fragezeichen ist der Preis

Bislang hat Genesis keinen Preis für den US-Markt genannt, und gerade dieser könnte darüber entscheiden, ob der GV90 ein echter Konkurrent zu den deutschen Premium-Modellen wird oder eher nur eine teure Kuriosität mit schöner Innenausstattung.

Falls die Marke einen deutlichen Abstand zum Mercedes EQS SUV und BMW iX hält, kann sie durch Ausstattung und ein „Wow“-Effekt gewinnen. Sollte sie sich jedoch preislich fast 1:1 den europäischen Top-Modellen nähern, wird der Kunde nach dem Prestige der Marke, dem Restwert und dem Vertriebsnetz fragen. Dann wird das Gespräch schwieriger.

In Europa und in Polen wäre ein solches Modell eher ein Nischenfahrzeug, aber imagebedeutend. Für Genesis muss es kein Verkaufsschlager sein – es reicht aus, wenn es zeigt, dass Korea in der Lage ist, einen elektrischen Flaggschiffwagen ohne Komplexe herzustellen.

Das Interessanteste am GV90 ist wohl, dass Genesis nicht einfach das deutsche Premium nachgeahmt hat, sondern seinen eigenen theatralischen Stil hinzugefügt hat. Meine Frage an Sie: Würden Sie lieber einen klassischen Luxus-Elektroauto wie den BMW iX oder so ein auf Rädern stehendes Fahrzeug mit Türen wie beim Rolls-Royce bevorzugen?

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Quelle: LovEV.pl