General Motors bringt recyceltes Batteriematerial in Kundenfahrzeuge

General Motors hat erstmals Serienfahrzeuge mit Batteriezellen gebaut, deren Kathoden-Aktivmaterial vollständig aus recyceltem Nickel, Kobalt und Mangan besteht. Die Rohstoffe stammen u.a. aus ausgedienten Batterien von GM-Fahrzeugen und wurden von Partner Cirba Solutions zurückgewonnen und aufbereitet.
Montage von Batterie mit recyceltem Kathodenmaterial
Bild: General Motors
General Motors hat gemeinsam mit dem Recyclingunternehmen Cirba Solutions und weiteren Partnern einen Pilotversuch zum geschlossenen Recyclingkreislauf für Elektroauto-Batterien abgeschlossen. Dabei wurden ausgediente Batterien von Elektroautos aus dem US-Konzern mit Marken wie Cadillac, Chevrolet und GMC recycelt und die zurückgewonnenen Rohstoffe anschließend wieder für die Herstellung neuer Batteriezellen verwendet. Das Besondere: Das Kathoden-Aktivmaterial (CAM) der neuen Zellen besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Nickel, Kobalt und Mangan. Die ersten damit ausgerüsteten Elektroautos haben die GM-Werke inzwischen verlassen – und dabei handelt es sich nicht etwa nur um interne Erprobungsfahrzeuge für die Validierung, sondern um reguläre E-Autos für Kunden.
Für das Pilotprojekt wurden laut General Motors zunächst 80 ausgediente Hochvoltbatterien eingesammelt und von Cirba Solutions in einer Recyclinganlage im US-Bundesstaat Ohio verarbeitet. Nach der mechanischen Aufbereitung entstand zunächst sogenannte Schwarzmasse, die anschließend weiterverarbeitet und von ihren enthaltenen Rohstoffen getrennt wurde. Daraus entstanden mehr als zwölf Tonnen neues Kathoden-Aktivmaterial. Dieses bestand bei Nickel, Kobalt und Mangan vollständig aus recyceltem Material. Bevor es in neuen Batteriezellen eingesetzt werden konnte, musste es dieselben Qualitäts-, Leistungs- und Sicherheitsanforderungen erfüllen wie Material aus Primärrohstoffen.
General Motors verwendet Material in Serienfahrzeugen
Die Herstellung der neuen Zellen übernahm Ultium Cells, das Batterie-Joint-Venture von GM und LG Energy Solution. Anschließend wurden die Zellen in den GM-Werken Factory ZERO und Spring Hill zu Batteriemodulen und -packs montiert. Zu den ersten Fahrzeugen mit den Recycling-Zellen gehören laut General Motors der Cadillac Lyriq, Lyriq-V, Vistiq, Escalade IQ und Escalade IQL sowie der Chevrolet Silverado EV Trail Boss und der GMC Sierra EV AT4. GM betont, dass die Zellen in den Tests eine mit Zellen aus neuen Rohstoffen vergleichbare Leistung gezeigt hätten.

GM sieht das Pilotprojekt zugleich als Test für eine künftig wachsende Rohstoffquelle. Nach Angaben des Konzerns können heutige Recyclingverfahren je nach Prozess und Zellchemie bis zu 95 Prozent des Nickels, Kobalts und Mangans sowie bis zu 80 Prozent des Lithiums zurückgewinnen. Mit zunehmender Zahl ausgedienter Elektroauto-Batterien dürfte damit auch die Menge an Sekundärrohstoffen steigen. GM verfolgt dabei einen mehrstufigen Ansatz: Batterien sollen zunächst möglichst lange im Fahrzeug genutzt, anschließend aufgearbeitet oder für stationäre Speicher eingesetzt und erst am Ende ihres Lebenszyklus recycelt werden. Gemeinsam mit Redwood Materials will GM beispielsweise rund 10.000 Batterien aus Elektrofahrzeugen für stationäre Anwendungen einsetzen.
Der geschlossene Kreislauf ist dabei nicht nur unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten interessant. Nickel, Kobalt und andere Batterierohstoffe gehören zu den wesentlichen Kosten- und Risikofaktoren der Zellproduktion. Werden sie nach dem Ende einer Batterielebensdauer zurückgewonnen und wieder in die Zellfertigung eingespeist, kann dies langfristig den Bedarf an neu abgebauten Rohstoffen verringern und die Versorgungssicherheit verbessern. Gerade für General Motors als US-Hersteller ist dabei auch die regionale Wertschöpfung relevant: Die Batterien werden in Nordamerika verarbeitet und die zurückgewonnenen Materialien wieder in die dortige Zell- und Fahrzeugproduktion eingespeist.
Porsche verfolgt ähnlichen Ansatz
Ein sehr ähnliches Pilotprojekt hat erst vergangene Woche Porsche gemeinsam mit dem Aachener Recyclingunternehmen Cylib vorgestellt. Auch dort wurden erstmals Batteriezellen hergestellt, deren Kathoden-Aktivmaterial zu 100 Prozent aus recycelten Rohstoffen besteht. Anders als bei GM umfasst der Porsche-Ansatz neben Nickel, Kobalt und Mangan auch Lithium; die Rohstoffe stammen aus ausgedienten Hochvoltbatterien eigener Porsche-Fahrzeuge. Porsche testet die daraus gefertigten Zellen allerdings zunächst noch in Versuchsfahrzeugen, die Integration in Kundenfahrzeuge findet bislang noch nicht statt.
Der wesentliche Unterschied liegt somit im Reifegrad der beiden Projekte: Porsche befindet sich mit den Recyclingzellen noch in der Erprobung und will die gewonnenen Erkenntnisse als Grundlage für einen möglichen späteren Einsatz in Serienbatterien nutzen. Bei General Motors sind die Recyclingzellen dagegen bereits in Batteriepacks von Elektroautos eingeflossen, die das Werk verlassen und an Kunden ausgeliefert werden. Auch Porsche will den Kreislauf allerdings perspektivisch bis in die Serienproduktion schließen: Die seit Mai 2026 aus deutschen Porsche-Zentren stammenden Altbatterien werden gemeinsam mit Cylib recycelt; die gewonnenen Rohstoffe sollen ab 2028 für neue Batteriezellen zur Verfügung stehen.