Geely-Gründer Li Shufu zieht sich zurück

Der chinesische Autounternehmer Li Shufu gibt den Chefposten bei Geely Auto ab. Bei uns schlagartig bekannt wurde der chinesische Unternehmer, als er 2018 zu fast zehn Prozent bei der heutigen Mercedes-Benz Group AG (ehemals Daimler AG) einstieg.
Li Shufu prägte eine ganze Ära in der chinesischen Automobilindustrie. Mit Wirkung zum 18. August zieht sich der Geely-Gründer, Chairman und Executive Director der börsennotierten Autosparte nun zurück. Das gab der Konzern am heutigen Montag bekannt. Zugleich wird Li Shufu zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit ernannt. Als neuer Chairman von Geely Automobile folgt An Conghui (auch bekannt als Andy An). Er gehört laut dem „Handelsblatt“ seit Langem zum Führungskreis des Konzerns und soll „die strategische Ausrichtung der Autosparte enger mit dem Großaktionär verzahnen“. Andy An ist Branchenkennern bislang als Zeekr-Chef ein Begriff.
Mit dem Rückzug von Li Shufu stellt sich Geely Auto auch operativ neu auf: Gui Shengyue wechselt von seiner aktuellen CEO-Position auf den Posten des Vice Chairman, den wiederum Li Donghui freimacht. Neuer CEO wird Jerry Gan, „der künftig das Tagesgeschäft und die Umsetzung der langfristigen Strategie verantwortet“, wie es in dem Bericht weiter heißt.
Li Shufu sitzt aber weiterhin im Chefsessel der Geely-Auto-Mutter namens Zhejiang Geely Holding Group. Und allein wegen seines Besitzes bleibt er auch sonst eine zentrale Figur im Konzern: „Er ist weiterhin maßgeblicher und kontrollierender Anteilseigner von Geely Automobile und bleibt Chairman der Zhejiang Geely Holding, zu der neben Geely auch Beteiligungen an internationalen Automarken wie Volvo und Smart gehören“, schreibt das Handelsblatt. Was die Beteiligung an Mercedes-Benz betrifft, die Li Shufu über seine Investmentgesellschaft Tenaciou 3 hält, so „ist dieses Investment von den aktuellen Vorgängen in China nicht betroffen“, betont die „Automobilwoche“.
Interessanter als der Blick zu den internationalen Beteiligungen ist tatsächlich die inländische Perspektive. Li Shufu verlässt Geely Auto in ungewöhnlich rauen Zeiten, denn die Inlandsnachfrage nach E-Autos bröckelt in China seit Monaten. Der Markt wird aktuell von zunehmenden Exporten bestimmt – und stabilisiert. In der letzten Quartalsbilanz unter Lis Verantwortung erwirtschaftete Geely Auto einen Rekordumsatz (+15% YoY) und einen um 26 Prozent gesteigerten Brutto-Gewinn, was angesichts der Marktlage für das Unternehmen spricht. Aber auch bei Geely sind vor allem die gegenwärtigen Exporte die Garanten für das Wachstum.
handelsblatt.com, automobilwoche.de, geelyauto.com.hk (PDF), geelyauto.com.hk (PDF, Geschäftsbericht)