Ford ruft für elektrischen Transit City 36.000 Euro netto auf

Der Ford Transit City ist jetzt in Deutschland bestellbar. Die Preise für den kompakten Elektro-Transporter beginnen bei 35.990 Euro exklusive Mehrwertsteuer. Der neue Transit City ist bereits das fünfte Mitglied von Fords Transit-Familie – aber das erste, das nur Batterie-elektrisch zu haben ist.
Ford Pro hatte den neuen Transit City im März als „besonders kosteneffizienten“ Transporter angekündigt. Schon zu diesem Zeitpunkt ließ der US-amerikanische Hersteller durchblicken, dass es sich bei dem Neuen um ein aufs Wesentliche reduzierte Modell handelt. Nun sind auch die Preise publik: In Deutschland startet der Transit City in der L1H1-Konfiguration bei 35.990 Euro netto bzw. 42.828,10 Euro brutto. Die L2H2-Variante mit größerem Laderaum preist Ford Pro bei 38.490 Euro netto bzw. 45.803,10 Euro brutto ein. Eine ebenfalls angebotene Fahrgestell-Variante ist für 37.990 Euro netto bzw. 45.208,10 Euro brutto zu haben.
Zum Hintergrund: Ford Pro ist im Segment der Elektro-Transporter recht gut aufgestellt: Vom großen Transit über den Transit Custom bis hin zum Kastenwagen Transit Courier hat die Nutzfahrzeug-Sparte des Autobauers in unterschiedlichen Größenklassen bereits elektrisch angetriebene Modelle im Angebot, stets an dem vorangestellten „e-“ zu erkennen (hinzu kommt der Transit Connect als Plug-in-Hybrid). Der jetzt vorgestellte Transit City kommt ohne dieses „e-“ aus, er heißt nicht e-Transit City – eine Unterscheidung ist hier nicht nötig, denn der Transit City wird nur rein elektrisch angeboten, nicht mit Verbrennern.
Ähnlich groß wie der Transit Custom – aber günstiger
Bei den Abmessungen ist der neue Transporter in etwa auf dem Niveau des e-Transit Custom angesiedelt, richtet sich aber an eine andere, preissensiblere Zielgruppe. Angesprochen werden sollen u.a. Ausliefer- und Kurierdienste, Handwerker und Dienstleister im städtischen Bereich, die andere Anforderungen an ihre Fahrzeuge stellen als an Fahrzeuge für die Langstrecke.
Antriebsseitig verfügen alle Varianten des neuen Modells über einen 110 kW starken Elektromotor an der Vorderachse, eine 56 kWh netto große LFP-Batterie im Unterboden und bis zu 254 Kilometer WLTP-Reichweite (im Stadtzyklus sind es 381 km). Das sei „mehr als die doppelte Distanz die 90 Prozent aller Nutzfahrzeuge dieses Segments durchschnittlich pro Tag zurücklegen“, betont Ford. Heißt also, dass der Transit City für Tagestouren ausreicht, aber häufig geladen werden muss.
Mit einem 11 kW starken AC-Ladepunkt dauert der Ladevorgang 4,5 Stunden (von 10 auf 80 Prozent) – über Nacht ist er also komplett voll. An einer DC-Ladestation kann der Akku mit bis zu 87 kW laden, der Standard-Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll dann 33 Minuten dauern – ist also in einer typischen Mittagspause möglich. Und: Ford Pro unterstützt seine Kunden bei der Konfiguration und der Installation entsprechender Lademöglichkeiten daheim oder am Firmenstandort.
Kommen wir zu Karosserie und Nutzlast des Transit City: Das frontgetriebene Nutzfahrzeug kommt Ende des Jahres als Kastenwagen mit den eingangs erwähnten zwei verschiedenen Radständen und Höhen sowie als Fahrgestell mit Einzelkabine auf den Markt. In der größeren L2H2-Version (5,29 Meter Länge, 3,36 Meter Radstand) bietet der Transit City eine Ladelänge von mehr als drei Metern, eine zulässige Nutzlast von 1.275 Kilogramm und einen Stauraum von knapp acht Kubikmetern. Ebenso wie die kleinere L1H1-Variante (4,99 Meter Länge, 3,06 Meter Radstand) kann er drei Euro-Paletten gleichzeitig transportieren. Der L1H1 bietet dabei knapp sechs Kubikmeter Ladevolumen und 1.085 Kilo Nutzlast.
Einheitliche Ausstattung – ohne Extras
Dass der Transit City ein Budget-Modell ist, wird u.a. dadurch ersichtlich, dass es keine Anhängerkupplung gibt. Wer mit seinem Elektro-Transporter auch Lasten ziehen will, muss Ford-intern zum e-Transit Custom greifen. Dort sind bis zu zwei Tonnen Anhängelast möglich. Um die Kosten niedrig zu halten, verfügen die beiden Kastenwagen-Versionen zudem über eine „universale“ Ausstattung, wie es Ford Pro bezeichnet – ohne aufpreispflichtige Extras. Die einheitliche Konfiguration soll die Komplexität gering halten. Sie beinhaltet zum Beispiel einen strapazierfähigen Frachtraumboden, halbhohe Seitenwandverkleidungen und Verzurrösen. Ab Werk sind zudem u.a. eine Sitzheizung, eine Rückfahrkamera sowie Parksensoren vorn und hinten verbaut – und in der Kabine gibt es auch einen zwölf Zoll großen Touchscreen mit Apple Carplay und Android Auto.
Was Ford in der Mitteilung nicht angibt, ist die Herkunft des Modells. Denn es handelt sich nicht um eine abgespeckte Version des e-Transit Custom mit LFP-Akku und einfacherer Ausstattung, sondern um ein gänzlich anderes Modell, das im Kern nicht einmal von Ford stammt: Laut einem früheren Bericht der „Auto, Motor und Sport“ kommt der neue Transit City „von einem chinesischen Partner“ – und zwar Jiangling Motors, an dem Ford 32 Prozent der Anteile hält. Mit dem in Fernost eingekauften Modell will Ford Pro jene Kunden erreichen, denen der e-Transit Custom (ab 57.953 Euro brutto) zu teuer ist.
So will Ford Pro, derzeit europaweiter Marktführer im Transporter-Segment, die Kunden in der eigenen Markenwelt halten können. Denn im Elektro-Segment haben chinesische Marken bereits günstigere Modelle im Angebot und Kia hat mit dem PV5 Cargo – hier unser Fahrbericht der Passenger-Version – ebenfalls ein sehr gut eingepreistes Modell. Die Bestandskunden will Ford auch damit locken, dass der Transit City wie die bestehenden Modelle in das eigene Ökosystem eingebunden werden kann, etwa mit Ford Pro Telematics.