Fahrzeug-Recycling bei VW: Demontagelinie in Zwickau eröffnet

Volkswagen hat seine Demontagelinie im Werk Zwickau eingeweiht. Ab 2027 sollen in der neuen Anlage rund 4.100 Fahrzeuge zerlegt und recycelt werden. Im gesamten Geschäftsbereich "Kreislaufwirtschaft" am Standort Zwickau sollen aus den nun 100 neuen Arbeitsplätzen perspektivisch bis zu 1.000 Stellen entstehen.
Bild: VW
Das VW-Werk in Zwickau wurde, wie Anfang 2026 angekündigt, zum Demontage- und Recycling-Standort für Vorserien- und Altfahrzeuge erweitert und der neue Bereich Ende Oktober offiziell eröffnet. Damit ist der Standort nun das zentrale Kompetenzzentrum der VW-Kreislaufwirtschaft.
Nach einer neunmonatigen Umbau- und Genehmigungsphase ist der Start für das Jahr 2027 angesetzt: Im Zweischichtbetrieb sollen zunächst 4.100 Fahrzeuge pro Jahr auf einer achtstufigen Demontagelinie zerlegt werden. Dafür werden 100 neue Mitarbeitende eingesetzt. Die im Dezember 2024 geschlossene Tarifvereinbarung sieht vor, den neuen Geschäftsbereich Kreislaufwirtschaft am sächsischen Standort langfristig auf bis zu 1.000 Arbeitsplätze auszubauen.
Danny Auerswald, Sprecher der Geschäftsführung Volkswagen Sachsen GmbH, sagt zur Eröffnung: „Das Team am Standort Zwickau nimmt die Aufgabe beherzt an. Wir haben mit unserem Know-how alle Synergien zwischen Fahrzeugbau und Fahrzeugdemontage bei der Einrüstung und der Prozessgestaltung genutzt. Kurze Wege am Standort, Fachkompetenz und langjährige Erfahrung in der Belegschaft und in der Region ermöglichen uns, Demontage vom Werkstatt-Setting in einen effizienten seriellen Prozess zu überführen.“
Das Konzept besteht aus zwei Wertschöpfungsbereichen. Zum einen werden Komponenten wie Motoren, Getriebe, Türen oder Stoßfänger für das Ersatzteilgeschäft im After-Sales-Bereich gewonnen, geprüft, aufbereitet und über Händlernetzwerke sowie freie Werkstätten vertrieben, um zeitwertgerechte Reparaturen älterer Fahrzeuge zu ermöglichen. Zum anderen werden die einzelnen Rohstoffe aus den Fahrzeugen möglichst sortenrein zurückgewonnen, um bei der Produktion wiederverwendet werden zu können.
Rohstoffkreislauf am Beispiel Altplastik
Die Zerlegung in Zwickau ermöglicht es, Kunststoffe vor der Verwertung sortenrein zu trennen. Das extrahierte Material wird aufbereitet und als Sekundärrohstoff bei der Fertigung neuer Komponenten eingesetzt. Diese Wiederverwendung gewinnt vor allem durch die ab 2032 greifenden EU-Vorgaben an Bedeutung, die Mindestanteile von Rezyklaten in Neuwagen vorschreiben. Da Bauteile für Neufahrzeuge nicht vollständig aus Altmaterial bestehen, wird der Sekundärrohstoff dem Neumaterial beigemischt. Durch diesen anteiligen Einsatz reicht das aus einem Altfahrzeug gewonnene Plastik rechnerisch aus, um den Rezyklatbedarf für drei Neuwagen zu decken.
Abhängigkeiten reduzieren
Für den Bau der Demontagelinie wurden auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern unter anderem 94 Tonnen Stahl verbaut und der Boden neu beschichtet, um Roh- und Reststoffe umweltgerecht lagern zu können. Um die Investitionskosten möglichst gering zu halten, nutzte VW zum Teil bereits vorhandene Anlagentechnik aus der bisherigen Fahrzeugproduktion. Perspektivisch plant Volkswagen den Aufbau eines europaweiten Partnernetzwerks für die industrielle Kreislaufwirtschaft. Neben der Erfüllung strengerer Umwelt- und Recyclingvorgaben verfolgt der Konzern hierbei auch eine Reduktion von Materialkosten sowie von Abhängigkeiten bei Lieferketten und Importrohstoffen.