Europa: Der Verkauf von BEV und PHEV stieg Ende Juli um mehr als 33%

Der europäische Markt für Elektroautos entwickelt sich immer besser. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 stieg der Verkauf von E-Autos um mehr als ein Drittel, wobei nicht nur traditionelle Vorreiter wie Deutschland oder Großbritannien die Veränderung antreiben. Auch Italien, Frankreich und Spanien spielen eine immer wichtigere Rolle, wo Subventionen, neue Modelle sowie steigende Kraftstoffpreise Autofahrer effektiv dazu ermutigen, elektrifizierte Antriebe zu wählen.
Kurz gesagt:
In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 stieg der Verkauf von E-Autos um mehr als ein Drittel
In dieser Zeit wurden auf dem alten Kontinent 2,79 Millionen neue Elektroautos (BEV und PHEV) verkauft – so gehen die Daten von EV Volumes hervor
Nicht nur traditionelle Vorreiter wie Deutschland oder Großbritannien treiben die Veränderung voran
Auch Italien, Frankreich und Spanien spielen eine immer wichtigere Rolle
Europa setzt zunehmend auf E-Autos
Der Markt für Elektroautos entwickelt sich gut. Laut den Daten von EV Volumes (einem Unternehmen von JD Power – Anm. d. Red.) wurden zwischen Januar und Juli 2026 in Europa 2,79 Millionen neue Elektroautos verkauft, darunter sowohl batteriebetriebene Fahrzeuge (BEV) als auch Plug-in-Hybride (PHEV). Das entspricht einem Anstieg von 33,2 Prozent im Jahresvergleich.
Ausgezeichnete Marktanteile haben derzeit vollständig elektrische Fahrzeuge. In den ersten sieben Monaten des Jahres waren sie für 68,1 Prozent aller registrierten elektrifizierten Fahrzeuge verantwortlich. Ihr Verkauf stieg um 37 Prozent auf über 1,9 Millionen Exemplare. Besonders stark waren Juni und Juli, als der Anstieg den 50-Prozent-Punkt überschritt.
Auch Plug-in-Hybride zeigten einen steigenden Trend. Ihre Verkäufe nahmen um 25,7 Prozent zu und erreichten 888,9 Tausend Stück. Die Dynamik war jedoch deutlich geringer als bei batteriebetriebenen Fahrzeugen.
Wichtig ist, dass diese Belebung trotz einer teilweisen Lockerung der Klimapolitik in der Europäischen Union stattfindet. Die Europäische Kommission schlug nämlich eine Senkung des Zielwertes für die CO₂-Reduktion bei neuen Autos und Lieferfahrzeugen vor – von bisher 100 Prozent auf 90 Prozent. Das bedeutet, dass nach 2035 weiterhin einige Fahrzeuge außerhalb der Kategorie Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge auf dem Markt sein könnten.
Zusätzlich erhalten die Hersteller mehr Flexibilität bei der Erfüllung ihrer Emissionsziele in den Jahren 2025–2027. Dennoch reduzieren die Hersteller ihre Investitionen nicht, und europäische Fahrer entscheiden sich immer häufiger für Autos, die ausschließlich mit elektrischer Energie fahren können.
Die Großen Fünf verteilen die Karten
Die fünf größten Automärkte Europas sind bereits für mehr als zwei Drittel des gesamten Verkaufs von E-Autos auf dem Kontinent verantwortlich. An der Spitze stehen weiterhin Deutschland, das 23 Prozent des europäischen EV-Verbrauchs ausmacht. Auf dem zweiten Platz liegt Großbritannien mit 18 Prozent, gefolgt von Frankreich (12,5 Prozent), Italien (6,6 Prozent) und Spanien (6,2 Prozent). Gerade diese Länder bestimmen derzeit die Richtung der Entwicklung der Elektromobilität, wobei jeder von ihnen dies auf etwas andere Weise tut.

Italien entdeckt das Potenzial von Plug-in-Hybriden
Die größte Überraschung in den ersten Monaten des Jahres 2026 ist Italien. Dort stiegen die Verkäufe von batteriebetriebenen Fahrzeugen um ganze 77,1 Prozent auf 185,3 Tausend Exemplare.
„Der diesjährige Verkaufssprung ist teilweise auf verzögerte Lieferungen zurückzuführen, die aus dem früheren Subventionsprogramm resultieren, dessen Budget bereits innerhalb von nur 24 Stunden nach Start aufgebraucht war“, erklärt Edoardo Buffo, Analyst bei JD Power Europe & Australia.
Der Experte weist außerdem auf die Auswirkungen hoher Kraftstoffpreise hin. „Der Anstieg der Kraftstoffkosten hat das Bewusstsein für die Vorteile von Fahrzeugen gesteigert, die ausschließlich mit elektrischer Energie fahren können. Dies ist insbesondere für Personen spürbar, die ihre Autos zu Hause aufladen und von günstigen Energiepreisen profitieren“, betont er.
Der italienische Markt zeichnet sich noch durch etwas anderes aus. Im Gegensatz zu vielen Ländern Westeuropas sind dort Plug-in-Hybride beliebter als batteriebetriebene Fahrzeuge. In den ersten sieben Monaten des Jahres stieg ihr Verkauf um 83,8 Prozent auf fast 99.000 Exemplare und machte damit mehr als die Hälfte des gesamten EV-Marktes aus.

Buffo weist darauf hin, dass Unternehmen und Flotten hier eine entscheidende Rolle spielen. „Plug-in-Hybride sind eine attraktive Alternative zu reinen Elektrofahrzeugen und ermöglichen gleichzeitig den Zugang zu Steuervorteilen“, betont er.
Ein weiterer Anreiz für den Markt ist die Expansion chinesischer Hersteller. „Neue Akteure aus China bereichern das Angebot, und ihre Modelle sind preislich zugänglicher und besser auf die Möglichkeiten des durchschnittlichen italienischen Kunden abgestimmt“, urteilt der Experte.
Frankreich setzt alles auf batteriebetriebene Autos
Während Italien weiterhin ein Bollwerk der Plug-in-Hybride bleibt, fördert Frankreich zunehmend batteriebetriebene Fahrzeuge. Der Gesamtverkauf von Elektrofahrzeugen stieg dort um 51,5 Prozent und holte so das schwache Ergebnis aus dem Jahr 2025 auf. Besonders beeindruckend ist der BEV-Sektor, der um 69,1 Prozent auf 293.000 Fahrzeuge zulegte.
Laut Ludovico Percier von JD Power spielen finanzielle Anreize eine entscheidende Rolle. „In Frankreich werden die Verbraucher dank eines breiten Spektrums an finanziellen und regulatorischen Anreizen effektiv zu Fahrzeugen mit Batterieantrieb gelenkt“, betont er.

Ein Eckpfeiler dieser Strategie ist der sogenannte soziale Leasing. Laut dem französischen Ministerium für ökologische Transformation umfassten die einzelnen Ausgaben des Programms jeweils etwa 50.000 Fahrzeuge. Das Programm ermöglicht es Menschen mit niedrigem Einkommen, neue Elektroautos zu günstigen Konditionen zu nutzen.
Percier weist jedoch darauf hin, dass der Erfolg des Programms Nebenwirkungen haben kann. „Der soziale Leasing-Vertrag verlagert bereits heute einen Teil der Kunden vom Gebrauchtwagenmarkt auf den Neuwagenmarkt. Langfristig könnte dies zu Druck auf die Preise von Gebrauchtwagen und zu einem Rückgang der Restwerte führen“, so seine Einschätzung.
Gleichzeitig verlieren Plug-in-Hybride in Frankreich an Bedeutung. Ihr Absatz ist um 1,7 Prozent gesunken, und ihr Anteil am EV-Markt auf 16,1 Prozent zurückgegangen. Das liegt an neuen Steuervorschriften, die in der Praxis ausschließlich vollständig elektrische Fahrzeuge fördern.
Deutschland kehrt zu Subventionen zurück
Der größte europäische Elektromobilitätsmarkt befindet sich weiterhin in guter Verfassung. In Deutschland ist der Absatz von EVs um 38,7 Prozent gestiegen und erreichte 640,7 Tausend Stück. Ein erheblicher Einfluss hatte die Wiedereinführung des Programms zur Subventionierung von Elektrofahrzeugen.
Seit Mai 2026 stellt die deutsche Regierung dafür 3 Milliarden Euro zur Verfügung und unterstützt sowohl den Kauf als auch die Leasing-Option für neue Fahrzeuge. „Die Nachfrage nach neuen Elektroautos wird größtenteils durch Subventionen angetrieben. Gleichzeitig erhöhen hohe Kraftstoffpreise das Interesse an gebrauchten Elektrofahrzeugen“, sagt Ina Gronemeyer von JD Power.
Auch Marken aus China spielen eine immer wichtigere Rolle. Laut Angaben des Center of Automotive Management machten sie bereits 6,2 Prozent des deutschen Neuwagenmarktes aus.
Spanien und Großbritannien an einer Weggabelung
Spanien verzeichnete ein Wachstum des EV-Verkaufs um 35,7 Prozent, obwohl das Wachstumstempo heute deutlich niedriger ist als im Vorjahr. Ähnlich wie in Italien machen dort Plug-in-Hybride mehr als die Hälfte des Marktes aus.
Das Problem bleibt weiterhin die Ladeinfrastruktur. Daten von AEDIVE zeigen, dass fast 60 Prozent der öffentlichen Ladepunkte sich nur in vier Regionen des Landes befinden: Katalonien, Madrid, Andalusien und Valencia.
In Großbritannien wurden hingegen über 501.000 Elektroautos verkauft, was einem Anstieg von 32,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der dortige Markt steht weiterhin unter starkem Einfluss des ZEV Mandate, das vorschreibt, dass 33 Prozent des Verkaufs der Hersteller aus emissionsfreien Fahrzeugen bestehen müssen.

„Die Nachfrage nach batteriebetriebenen Fahrzeugen wächst weiterhin in zweistelligem Tempo, ist aber nicht schnell genug, um dem derzeitigen Zielweg des ZEV Mandates zu entsprechen“, warnt Jayson Whittington von JD Power. Infolgedessen greifen die Hersteller immer häufiger auf Rabatte, bevorzugte Finanzierungen und attraktive Leasingangebote zurück, um den Verkauf von Elektromodellen zu steigern.
Europa mit weiteren Herausforderungen
Zwarum geht es auf dem Markt gut, doch er bleibt stark von Unterstützungsmaßnahmen abhängig. Zuschüsse, Steuervergünstigungen und Vorschriften bleiben die wichtigsten Faktoren, die den Verkauf antreiben. Gleichzeitig ist in vielen Ländern eine ungleichmäßig entwickelte Ladeinfrastruktur ein Problem. Italien und Spanien zeigen, dass die Konzentration von Ladestellen in den reichsten Regionen das Tempo der Elektrifizierung im Rest des Landes einschränken kann.
Interessanterweise ist der europäische Elektrofahrzeugmarkt trotz einer Lockerung einiger unionsweiter Vorschriften noch nicht in eine Phase der Stagnation geraten. Im Gegenteil: Die Verkaufsdynamik zeigt, dass die Elektromobilität zunehmend zur Wahl der Verbraucher wird und nicht mehr ausschließlich auf politischen Entscheidungen beruht. Genau darum geht es.
Oskar Włostowski