Test Peugeot e-208 GTI: Kann das Elektroauto wirklich den Geist des GTI wiederbeleben?


GTI – drei Buchstaben, die in der Geschichte von Peugeot eine besondere Stellung einnehmen. Nach den Modellen 205, 309 und 306 bringt der Hersteller dieses mythische Label nun wieder auf einer 208 zum Leben – und zwar in einer 100 % elektrischen Version. Ist das Gotteslästerung oder eine wahre Erbin dieser Tradition? Um das herauszufinden, setzten wir uns ans Steuer der Peugeot e-208 GTI auf die kleinen Straßen Schottlands.
Es gibt Bezeichnungen, die einfach nur eine Veredelung beschreiben, und dann gibt es solche, die eine Geschichte erzählen. Bei Peugeot gehört GTI zweifellos zur zweiten Kategorie. Diese drei Buchstaben wecken sofort Assoziationen mit leichten, verspielten Autos, die ausreichen, um eine kleine Straße in ein Spielfeld zu verwandeln. Ihr Wiederauftauchen bei einem elektrischen Peugeot konnte daher einige Unmut hervorrufen. Kein Verbrennungsmotor mehr, keine manuelle Schaltung und natürlich kein Auspuffgeräusch – kann man überhaupt noch von GTI sprechen?
Anstatt diese neue e-208 GTI danach zu beurteilen, was sie nicht mehr hat, wollten wir herausfinden, ob Peugeot Sport das Wesentliche beibehalten hat: ein gut ausgearbeitetes Chassis, Charakter und vor allem die Fähigkeit, ohne besonderen Grund den Wunsch zu wecken, einfach loszufahren.
281 PS und ein gründlich überarbeitetes Chassis
Dieser e-208 GTI beschränkt sich nicht auf ein paar rote Embleme und einen leistungsstärkeren Motor. Peugeot Sport hat das Stadtauto umfassend überarbeitet, um ihm echte sportliche Ambitionen zu verleihen. Der Elektromotor entwickelt 281 PS und 345 Nm Drehmoment, wobei die Kraft vollständig an die Vorderräder geleitet wird. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h beträgt angeblich 5,5 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h liegt.
Aber erst unter der Karosserie werden die Änderungen wirklich interessant. Das Fahrzeug wurde abgesenkt, die Spurweite erweitert und das Hinterradfahrwerk erhält eine spezielle Stabilisierungsstange. Peugeot hat außerdem ein Differenzial mit begrenztem Schlupf sowie Hydraulikfederungen eingebaut. Damit zeigt der Hersteller, dass er sich nicht damit zufriedengegeben hat, einfach nur das GTI-Emblem aus dem Schrank zu holen.
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Mit solchen technischen Daten tritt das französische Modell natürlich in Konkurrenz zu Modellen wie dem Alpine A290 sowie anderen kleinen Elektro-Sportwagen. In dieser Kategorie spielt die Fahrwerksabstimmung genauso eine wichtige Rolle wie die reine Leistung.
Ein Look des 208 GTI – ohne in die Karikatur zu verfallen
Asthetisch hat Peugeot darauf geachtet, zahlreiche Anspielungen zu machen, ohne das Stadtauto in ein Rennauto zu verwandeln. Vorne ist der „Löwe“ rot umrandet – diese Farbe findet sich auch am Kühlergrill sowie an verschiedenen Karosserieteilen. Eine spezielle Linie verstärkt den visuellen Eindruck. Von der Seite her weisen die um 56 mm erweiterten Radhäuser 18-Zoll-Räder auf, hinter denen rote Vierkolben-Bremsen zu sehen sind.


Auf der Rückseite sind die Veränderungen dezentler. Auch das Heckteil erhält einen kleinen roten Akzent, während ein Diffusor die sportliche Ausstattung abrundet. Das Endergebnis bleibt letztendlich recht treu der Philosophie der alten GTI-Modelle: ausreichend unterschiedlich, um von Kennern erkannt zu werden, ohne in permanente Präsentation zu verfallen.
Natürlich mit rotem Teppichboden
Im Innenraum ist Peugeot noch kreativer vorgegangen. Einige Details sprechen sofort die Nostalgiker an. Am auffälligsten ist der rote Teppichboden, eine direkte Anspielung auf die 205 GTI. Die Sportsitze sind einzigartig, mit der Aufschrift GTI und einem roten Rand. Auch ihr Design verbindet Vergangenheit und Gegenwart – ein Muster, das an die alten GTI erinnert, in Kombination mit moderneren Materialien.

Das Lenkrad besteht aus Leder und Alcantara und trägt eine GTI-Identifizierung. Ansonsten bleibt die Architektur bei einem klassischen e-208 – mit seinen Stärken und auch Besonderheiten. Je nach Fahrposition kann das kleine Lenkrad beispielsweise einen Teil der Instrumente verdecken.
Die Bedienoberfläche verfügt dennoch über einige spezielle Funktionen. Ein Leistungsmenü ermöglicht es, die Leistung, das Drehmoment sowie die Temperatur und Spannung der Batterie zu überwachen. Eine Anzeige für das Fahrzeugsystem bietet sogar eine Stoppuhr sowie einen Indikator für seitliche Beschleunigungen.
Aufgrund der Stille eines Elektrofahrzeugs, die GTI-Fans verwirren könnte, hat Peugeot außerdem eine künstliche Geräuschkulisse vorgesehen. Sie begleitet die Beschleunigungen über Lautsprecher. Für manche ein Gadget, für andere eine kleine Ergänzung zur Immersion – glücklicherweise kann sie deaktiviert werden.
Auf der Straße hat Peugeot Sport sein Handwerk nicht vergessen
Selbstverständlich muss sich der E-208 am Steuer seine drei Buchstaben verdienen. Die kleinen, nassen und kurvigen Straßen Schottlands bilden dabei ein besonders aufschlussreiches Testfeld. Erste Beobachtung: Trotz von 281 PS, die ausschließlich an die Vorderräder geleitet werden, scheint das Antriebswerk nie überlastet zu sein. Die Fahrleistung ist beeindruckend und das Lenkverhalten präzise. Selbst wenn man nach der Kurve kräftig Gas gibt, behält das Auto seine Fahrtrichtung bei und weckt schnell Vertrauen. Die Leistung kommt kraftvoll, aber schrittweise. Es gibt nicht diesen katapultartigen Effekt, den man manchmal bei besonders leistungsstarken Elektrofahrzeugen erwartet. Hier trägt die Beschleunigung eher zum Gesamtbalance des Autos bei als zu einer reinen Zeitmessung.
Und genau hier beginnt die Peugeot zu überzeugen. Mit etwa 1,6 Tonnen Gewicht ist sie natürlich deutlich schwerer als eine GTI aus den 1980er oder 1990er Jahren. Doch auf der Straße dominiert diese Masse die Fahrgefühle nicht. Die Traktion ist hoch, die Bewegungen des Fahrzeuchkörpers gering und das Auto wechselt mühelos die Seitenneigung. Das Chassis macht vor allem Lust, eine Kurve nach der anderen zu fahren.

Kompakt, aber dennoch für den täglichen Gebrauch geeignet
Peugeot Sport hat den 208 nicht in ein Rennauto verwandelt. Die Dämpfung ist logischerweise fest und die in schlechtem Zustand befindlichen Straßen erinnern schnell daran, dass es sich um ein Sportfahrzeug handelt, doch der Kompromiss bleibt ausreichend verkehrstauglich, um eine tägliche Nutzung in Betracht zu ziehen. Die Sitze bieten einen guten Seitenhalt und die Fahrposition trägt dazu bei, das Gefühl zu erwecken, mit dem Auto eins zu werden.
Nicht alles ist jedoch perfekt. Die Bremsleistung stellt den größten Kritikpunkt bei dieser Testfahrt dar. Die Vierkolben-Bremszangen sind in der Lage, kräftige Verlangsamungen zu erzielen, doch der Bremspedal muss deutlich stärker betätigt werden und fehlt in den ersten Bremsphasen an Durchsetzungsvermögen.

Im Sportmodus bevorzugt das System außerdem die mechanische Bremse. Mehr Druck auf den Bremspedal erhöht die Energierückgewinnung nicht – eine Entscheidung, die dazu dient, eine konstantere Reaktion zu bieten, die der eines thermischen Sportwagens ähnelt. Auf nassen Straßen ist hingegen die Traktion besonders überzeugend. Der Reifen von Michelin in unserem Exemplar trägt dabei sicherlich dazu bei, doch das Gesamtsystem aus Chassis, Vorderradantrieb und Differenzial ermöglicht es, Leistung weiterzuleiten, ohne dass das Auto bedrohlich wirkt.
Ein echter elektrischer GTI?
Das ist letztendlich die Frage, die bereits zu Beginn dieses Tests im Raum stand. Wenn man sich wörtlich am „I“ für Injection orientiert, dann natürlich nicht. Doch die Bezeichnung GTI auf ihre Kraftstoffversorgung zu reduzieren, hieße, das zu vergessen, was die alten Peugeot-Sportwagen berühmt gemacht hat. In diesem Punkt verfügt die e-208 über ernsthafte Argumente: präzise Lenkung, reaktives Chassis, effektiver Vorderradantrieb, kompakte Abmessungen – sie weckt vor allem den Wunsch, die nächste Kurve anzugreifen, einfach aus dem Vergnügen am Fahren heraus.

Auch das ging aus unserem Test der Alpine A290 hervor: Ein kleines Elektro-Sportauto kann nicht mehr alle mechanischen Empfindungen eines alten Sportwagens nachahmen, doch es kann seinen Charakter anderswo finden – insbesondere in seinem Chassis und seinem Fahrverhalten.
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Peugeot treibt das Konzept jedoch ziemlich weit. Nach einigen Kilometern rückt die Debatte um das Fehlen eines Verbrennungsmotors schnell in den Hintergrund. Was vor allem im Gedächtnis bleibt, ist ein verspielter, zuverlässiger und ausreichend expressiver Wagen, der dem Fahrer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Genau das war das im Video angekündigte Ziel.
Eine e-208, die weiterhin durch ihre Ladezeit eingeschränkt ist
Es bleibt abzuwarten, ob diese GTI auch ein gutes Elektroauto ist. Die Batterie behält eine Nettokapazität von 51 kWh bei, doch Peugeot hat ihre Kühlung optimiert, um auch bei intensiver Nutzung die Leistung zu bewahren. Je nach Reifendruck liegt die angegebene Reichweite bei 354 bis 375 km.
Es überrascht nicht, dass ein wirklich sportlicher Fahrstil den Verbrauch schnell in die Höhe treibt. Während dieses besonders dynamischen Tests näherte sich der Bordcomputer einem Wert von 28 kWh/100 km, was unter diesen Bedingungen einer Reichweite von weniger als 200 km entspricht. Im täglichen Gebrauch schätzt Charles, dass man je nach Bedingungen und Fahrstil eher mit 250 bis 350 km rechnen kann.
Die Ladeleistung ist im Vergleich zum klassischen e-208 jedoch nicht verbessert. Es stehen 11 kW bei Wechselstrom und 100 kW bei Gleichstrom zur Verfügung, wobei Peugeot eine Ladezeit von 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent angibt. Das ist für ein Sportstadtauto, das hauptsächlich für den Alltag und Ausflüge auf kleinen Straßen konzipiert ist, kein Ausschlusskriterium. Für lange Autobahnfahrten wird die Kombination aus einer kleinen Batterie und begrenzter Ladeleistung jedoch recht häufige Pausen erfordern. Offensichtlich ist das nicht der Bereich, in dem diese GTI ihre beste Leistung zeigt.
Test des Peugeot e-208 GTI: Fazit
Das Badge GTI auf einem Elektroauto wiederzubeleben, war ein riskantes Wagnis. Peugeot hätte sich leicht mit einem leistungsstärkeren e-208, einigen roten Akzenten und einem historisch bedeutsamen Logo zufriedengeben können. Glücklicherweise ist das nicht der Fall.
Die an dem Chassis, den erweiterten Spurweiten, dem Differenzial, der Federung sowie der Leistungsverwaltung vorgenommenen Änderungen verändern tatsächlich das Fahrverhalten des Stadtwagens. Auf den kleinen schottischen Straßen unseres Tests zeigte sich die e-208 GTI präzise, äußerst effizient und vor allem unterhaltsam. Ihr Lenkverhalten sowie die Vorderradaufhängung vermitteln genügend Vertrauen, um ihre 281 PS voll auszunutzen, ohne ständig das Gefühl zu haben, gegen die Leistung ankämpfen zu müssen.
Sie bietet natürlich nicht das gleiche mechanische Fahrgefühl wie eine 205 GTI, und vermutlich wäre sie auch nicht überzeugend geworden, wenn man versucht hätte, dieses nachzuahmen. Diese neue Generation bietet etwas anderes: die sofortigen Leistungsmerkmale eines Elektrofahrzeugs in Kombination mit einer echten Feinabstimmung des Chassis.
Es bestehen weiterhin einige Einwände, insbesondere ein Bremsenverhalten, das an Durchsetzungsvermögen mangelt, sowie eine schnelle Ladezeit von 100 kW, die ihre Vielseitigkeit auf langen Strecken einschränkt. Doch bei dem Kriterium, das für eine GTI sicher am wichtigsten ist – der Wunsch, sofort loszufahren – erfüllt das Fahrzeug alle Erwartungen. Und das ist vielleicht letztendlich die beste Begründung dafür, warum diese drei Buchstaben wieder in den Vordergrund rücken.
Übrig bleibt die Frage nach dem Preis. Die Peugeot e-208 GTI wird mit 42.900 € angegeben, ohne EU-Prämie und mögliche Rabatte. Ein hoher Preis für eine 208, aber letztendlich durchaus angemessen im Vergleich zu anderen kleinen Elektro-Sportwagen. Die Alpine A290 GT, die mit 220 PS weniger Leistung hat, kostet 42.200 €. Noch näher an der Peugeot liegt der Opel Corsa GSE, der einen großen Teil seiner technischen Ausstattung teilt: 281 PS, 345 Nm sowie eine angegebene Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in ebenfalls 5,5 Sekunden – doch er startet bei 39.900 €.