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Test BYD Dolphin G DM-i: Ein aufladbares Super-Hybridfahrzeug für die Stadt – aber wozu?

Test BYD Dolphin G DM-i: Ein aufladbares Super-Hybridfahrzeug für die Stadt – aber wozu?

Das 100 % elektrische Auto hat den aufladbaren Hybrid noch lange nicht ausgelöscht. Da Europa zögerlich ist, das rein elektrische Fahren radikal zu verbreiten, bringt der größte chinesische Automobilhersteller BYD ein Modell auf den Markt, das ausschließlich für die Besonderheiten unseres alten Kontinents entwickelt wurde: die Dolphin G DM-i. Dank ihrer relativ großen Batterie ermöglicht dieses „Super-Hybrid“-Stadtauto tägliche Fahrten im Elektromodus, behält aber gleichzeitig einen Benzinmotor als Reserve. Doch Vorsicht bei denen, die nicht mit dem Aufladen mithalten wollen.

Das Thema des wiederaufladbaren Hybridfahrzeugs ist äußerst umstritten. Mit einem Fuß im Elektrobereich und dem anderen im Ölbereich werden diese Fahrzeuge oft wegen ihrer Komplexität sowie ihres sehr unvorhersehbaren Umweltauswirkungs kritisiert. Für BYD, das mit dem Dolphin G DM-i ein rein für den europäischen Markt bestimmtes wiederaufladbares Stadt-Hybridfahrzeug auf den Markt bringt, soll diese Antriebsart eine Stufe auf dem Weg zu 100 % Elektromobilität darstellen.

Kurzfassung unseres Tests

️ Verbrauch bei 130 km/h mit leerer Batterie im Hybridmodus: 7,7 l/100 km

⚡ Verbrauch bei 130 km/h mit voller Batterie im Elektromodus: 21 kWh/100 km

️ Verbrauch im Hybridmodus auf kleinen Straßen: 3,9 l/100 km

Messbare DC-Ladegeschwindigkeit: Spitzenwert 47 kW, 16 bis 88 % in 26 Minuten.

Exzellente Fahreigenschaften

Sehr straffe Federung

Armaturenbrett und HUD teilweise verdeckt für große Personen

Ein günstiger, wiederaufladbarer Hybridfahrzeug für die Stadt, der den Markt erschüttert

Während wiederaufladbare Hybride traditionell Fahrzeuge mit relativ großem Format vorbehalten sind, die in teuren High-End-Ausstattungen erhältlich sind und von Fachleuten bevorzugt werden, könnte das Modell des chinesischen Riesen den Markt neu definieren. Zum ersten Mal wird diese Antriebstechnologie in einem einfachen Stadtauto zu besonders attraktiven Preisen angeboten.

Mit Verkaufsrabatt ist es möglich, eine Dolphin G DM-i in der „Active“-Version für weniger als 22.000 € zu erwerben; sie bietet eine elektrische Reichweite von 42 km dank ihrer wiederaufladbaren Batterie mit 7,4 kWh Nutzkapazität. Für unter 25.000 € ist die hochwertigere „Boost“-Ausstattung erhältlich, sie verfügt über eine Batterie mit 18,3 kWh und einer emissionsfreien Reichweite von 109 km. Das stellt eine Herausforderung für den nicht wiederaufladbaren Hybridwagen Clio dar, der ab … 24.600 € zu haben ist.

Ein angenehmes Innenraumklima – trotz einiger kleiner Mängel

Denn an Bord herrscht ein angenehmes Gefühl. Trotz unserer 190 cm hatten wir keinerlei Schwierigkeiten, auf dem Fahrersitz der getesteten Dolphin G DM-i „Comfort“ Platz zu nehmen. In der Mitte des Armaturenbretts befindet sich ein großes Infotainment-Tablet mit 12,8 Zoll, ergänzt durch ein 8,8-Zoll-Display.

Man bedauert lediglich die Einstellung des Lenkrads (Höhe und Tiefe), die für große Personen ungeeignet ist. Es verdeckt ständig den oberen Teil des Armaturenbretts, und keine Einstellung – auch nicht die der Sitze – kann dies beheben. Dasselbe gilt für die Anzeige im Hochformat, die zwar verstellbar ist, aber dennoch teilweise verdeckt bleibt.

Auch wenn das Tablet eine sehr gute Auflösung und eine zufriedenstellende Reaktionsgeschwindigkeit aufweist, sind die Anordnung der Menüs sowie die Beschreibung einiger Funktionen nicht herausragend. Manchmal hat man den Eindruck, dass bei der Einstellung einiger Optionen eine ungeschickte Übersetzung verwendet wurde, und man versteht einige technische Angaben nicht.

Trotz seiner kompakten Abmessungen (4,16 m Länge, 1,82 m Breite und 1,57 m Höhe) ist der Innenraum zufriedenstellend, selbst auf den Rücksitzen. Sein 425-Liter-Kofferraum reicht aus, um den täglichen Bedarf zu decken, und kann durch Umklappen der Rücksitze auf 1225 Liter erweitert werden. Der Innenraum ist dank des Glasdachs (mit elektrischem Vorhang), das bereits in der Ausstattungslinie „Comfort“ serienmäßig ist, sehr hell.

Hauptmerkmale des BYD Dolphin G DMi

Ausstattungslinie Active

Ausstattungslinien Boost, Comfort und Sport

Gesamtleistung und Drehmoment

(Verbrennungsmotor + Elektromotor)

175 PS

210 Nm

212 PS

210 Nm

Nutzkapazität der Batterie

7,4 kWh

18,3 kWh

Erforderte Reichweite im rein elektrischen Betrieb

(WLTP-Mischzyklus)

42 km

109 km

Gesamtreichweite

(Benzin + Elektrizität, WLTP-Mischzyklus)

1020 km

1040 km

Durchschnittlicher Stromverbrauch

(WLTP-Mischzyklus)

15,8 kWh/100 km

16 kWh/100 km

Durchschnittlicher Benzinverbrauch

(WLTP-Mischzyklus)

4,3 l/100 km

4,5 l/100 km

Wechselstrom-Ladung

3,3 kW

6,6 kW

Gleichstrom-Ladung

39 kW

Leergewicht

1 440 kg

1 550 kg

Katalogpreis inkl. MwSt.

23 990 €

26 990 bis 29 490 €

Monatliche Rate

(LOA ohne Anzahlung, 48 Monate, 15 000 km)

325 €

Nicht konfigurierbar ohne Anzahlung

Der Benzinmotor – meist überflüssig?

Unter der Haube herrscht ziemliches Durcheinander. Es handelt sich um einen 4-Zylinder-Benzinmotor mit 95 PS sowie einen Elektromotor mit 163 PS, die in einem einzigen Aggregat kombiniert sind und insgesamt 212 PS sowie 210 Nm Drehmoment liefern – bei der getesteten „Comfort“-Version. Manche werden behaupten, dass das für ein einfaches Stadtauto zu kompliziert ist. Das stimmt tatsächlich, denn in der Praxis sollte der Benzinmotor nur an wenigen Tagen im Jahr genutzt werden.

Dank einer Reichweite von rund hundert Kilometern im rein elektrischen Betrieb erfüllt die Dolphin G DMi den überwiegenden Teil der täglichen Fahrten, sofern sie täglich aufgeladen wird. Der Verbrennungsmotor ist nur für längere Fahrten nützlich: Urlaube, Wochenendausflüge oder weite berufliche Reisen.

Hervorragende Fahreigenschaften

Was die Leistung angeht, erreicht das Antriebssystem eine Geschwindigkeit von 0 auf 100 km/h in 8,3 Sekunden. Es ist nicht besonders dynamisch, aber das erwartet man auch nicht von einem Stadtauto. Bei Vollgas spürt man deutlich das sofortige Drehmoment des Elektromotors, ohne dass man dabei fest im Sitz gedrückt wird. Dafür muss der Fahrmodus „Sport“ aktiviert werden, da die anderen Modi „Normal“ und „Eco“ die Leistung leicht dämpfen. Achtung auch vor dem Einsatz des Kickdowns, sonst wird der Verbrennungsmotor aktiviert und damit die Ruhe sowie das CO2-Bilanz des Dolphin beeinträchtigt.

Die McPherson-Federung vorne sowie die einfachen Zugstangen hinten bieten ein Fahrerlebnis, das seinem Namen gerecht wird. Beim Überfahren von Schlaglöchern und Unebenheiten ist das Fahrverhalten ziemlich rau – der geringe Leergewicht des Fahrzeugs von 1,55 Tonnen trägt dazu bei. Man hat fast das Gefühl, wie ein Motorradfahrer aus dem Sitz aufstehen zu müssen.

Im Gegensatz dazu hat uns die Straßenhaftung sehr positiv überrascht. Auf den stark kurvigen kleinen Straßen im Massif de la Sainte-Victoire (Bouches-du-Rhône) blieb das Stadtauto äußerst stabil. Es gab keinen übermäßigen Rollbewegungen, nicht den geringsten Anzeichen für Reibungsverlust – trotz relativ hoher Geschwindigkeiten in den Kurven (ohne die 80 km/h-Grenze zu überschreiten).

Verbrauch auf Departementsstraßen

Auf einer ersten Strecke von 77,8 km, die ausschließlich aus welligen Departementsstraßen bestand und mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 41 km/h zurückgelegt wurde, zeigte das kleine Dolphin einen Durchschnittsverbrauch von 3,9 l/100 km (3,4 kWh/100 km für den Elektromotor). Wir sind mit 60 Prozent Akkulaufzeit losgefahren und kamen am Ziel mit weniger als 20 Prozent an. Das stimmt eher mit den angegebenen 4,5 L/100 km im WLTP-Mischzyklus überein.

Ausgenommen einige Tests mit voller Beschleunigung fällt der Verbrauch sogar auf 3,2 L/100 km, was eine sehr anständige Leistung ist. Doch das ist nicht ausreichend aussagekräftig. Ein wiederaufladbarer Hybridfahrzeug kann je nach Ladezustand der Batterie und der Nutzung sowohl das Schlechteste als auch das Beste leisten. Deshalb beschlossen wir, es an einer Schnellladestation aufzuladen.

Einen wiederaufladbaren Hybrid an einer Schnellladestation mit Gleichstrom aufladen? Das ist möglich.

Der BYD Dolphin G DM-i gehört zu den wenigen wiederaufladbaren Hybriden, die in der Lage sind, sich mit relativ hoher Leistung über Gleichstrom (DC) aufzuladen. Diese Funktion ist serienmäßig nur in der Version mit einer 18,3 kWh großen Batterie verfügbar, also ab der Ausstattungslinie „Boost“. Neben dem 6,6 kW starken Wechselstrom-Lader ermöglicht er über den CCS-Kombi-Anschluss bis zu 39 kW Gleichstrom, wodurch der Akku in 26 Minuten zu 30 bis 80 Prozent aufgeladen wird.

Wir kommen mit 16 % Akkulaufzeit an einer ABB-Ladestation auf dem Parkplatz eines Lidl an. Zu unserer großen Überraschung übertrifft das Stadtauto sehr schnell die angegebene DC-Ladestärke und erreicht eine Obergrenze von 47 kW – das sind 8 kW mehr als in der technischen Datenblattangabe. Nach 12 Minuten Ladezeit sind wir bereits bei 60 % und haben 8,9 kWh aufgeladen. Kurz darauf sinkt die Leistung allmählich auf etwa 65 %, bevor sie nach Erreichen von 80 % wieder bei rund 17 kW liegt.

Wir trennen die Verbindung bei 88 % nach einer 26-minütigen Ladezeit ab, während derer wir 16 kWh wiederhergestellt haben. Der Kostenbetrag nach dem Tarif der Lidl-App beträgt 6,24 € – genug, um etwa hundert Kilometer rein elektrisch zu fahren. Das ist etwas günstiger als der Betrieb mit reinem Benzin, der uns 9 € gekostet hätte (bei einem Verbrauch von 4,5 l/100 km).

Voraussetzung ist, dass die Schnellladestation keinen unrealistisch hohen Preis pro kWh verlangt – dann ist eine schnelle Aufladung während einer Pause auf der Autobahn wirtschaftlich sinnvoll. Während man sich stärkt oder auf die Toilette geht, hat man genug Energie, um den Benzinverbrauch für die nächste Strecke erheblich zu senken.

Der Stromverbrauch auf der Autobahn bei 130 km/h mit vollem Akku

Genau auf der Autobahn findet der weitere Teil unseres Tests statt. Wir fahren die A8 bei der Mautstelle La Barque (ebenfalls in den Bouches-du-Rhône) in Richtung Côte d’Azur mit 88 Prozent Akkuladung. Der EV-Modus ist aktiviert, der Verkehr fließt und wir fahren mit Tempomat bei 130 km/h, bis der Akku leer ist.

Wie wertvoll sind die Fahrhilfen?

Nebenbei wird auch die Fahrhilfe getestet, die jedoch nicht besonders hervorragend ist. Es gibt im Grunde keine Hilfe zur Fahrspurhaltung, sondern eher ein System gegen Ausweichmanöver, da das Auto ständig zwischen den beiden Fahrspuren hin- und herwechselt. Das ist nicht besonders angenehm.

Dasselbe gilt für das adaptive Tempomaten-System: Zwar passt es die Geschwindigkeit gut an die Fahrzeuge vor uns an, doch es setzt sehr häufig unnötige Bremsmanöver ein, obwohl sich auf unserer Spur kein Hindernis befindet. Trotz Aktivierung der Funktion zur automatischen Anpassung der Geschwindigkeit an die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Schildern hat sich unser Fahrzeug nie angepasst – was einerseits gut ist, da es auch vergessene Baustellen-Schilder oder Schilder für Ausfahrten richtig erkennt…).

Nach 71 gefahrenen Kilometern ohne die geringste Belastung des Benzinmotors fällt der Akku unseres Dolphin G DM-i unter die kritische Marke von 20 %. Der EV-Modus wird automatisch deaktiviert und der Wagen wechselt in den HEV-Modus (Hybrid). Der Verbrauch des Elektromotors beträgt 21 kWh/100 km, was für einen aufladbaren Hybrid bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 122 km/h nicht extrem hoch ist.

Benzinverbrauch bei 130 km/h mit leerem Akku

Die Batterie des Dolphin Super Hybrid kann niemals auf null sinken. Laut BYD wird stets ein Puffer von 10 bis 20 Prozent beibehalten, damit das Fahrzeug im Hybridmodus funktionieren kann – der Benzinmotor allein reiche nicht aus, um das Fahrzeug unter guten Bedingungen anzutreiben. Das Stadtauto ist daher im HEV-Modus in der Lage, zwischen paralleler und serieller Betriebsweise zu wechseln: Je nach Bedarf dient der Verbrennungsmotor entweder als Generator oder als Antrieb, wobei er stets vom Elektromotor unterstützt wird.

Wir beginnen die Rückfahrt vom Mautstellen Luc zur Mautstelle La Barque im Hybridmodus, der standardmäßig aktiviert ist, da die Batterie nicht mehr ausreichend aufgeladen ist. Benzin ist daher unsere Hauptenergiequelle, um diese 71 km zurückzulegen. Der Motor läuft nahezu kontinuierlich, ist jedoch nicht ständig hörbar. Wir fahren genauso wie auf dem Hinweg: 130 km/h mit Geschwindigkeitsregler.

Das Ergebnis ist nicht besonders gut, aber auch nicht überraschend: 7,7 l/100 km. Wir haben uns nichts Geringeres erwartet, denn aufladbare Hybride, die nicht aufgeladen werden, gelten zu Recht als sehr verbrauchsschwer in solchen Situationen. Der ganze Sinn dieser Technologie geht verloren, wenn man sich weigert, das Auto regelmäßig an eine Ladesäule oder einen Stecker anzuschließen.

Auf der Autobahn / Bild: AP.
Auf der Autobahn / Bild: AP.

Wozu kann die BYD Dolphin G DM-i eigentlich dienen?

Daher stellt sich die Frage nach dem Nutzen solcher Fahrzeuge. Warum nicht direkt zum Elektroauto wechseln? Ein oft genanntes Argument ist die Schwierigkeit, im Alltag an eine Steckdose oder Ladestation zu gelangen. In diesem Fall ist es auch nicht sinnvoll, ein aufladbares Hybridfahrzeug zu fahren, da es häufig aufgeladen werden muss, um von einem geringen Benzinverbrauch zu profitieren.

Ein weiterer Hauptargument ist die Autonomie, die bei rein elektrischen Autos als gering angesehen wird. Das gilt in bestimmten Situationen: langstreckige Geschäftsreisen, Freunde von Urlauben in abgelegenen Gebieten. Allerdings...

Mit einem 100 % elektrischen BYD Dolphin Surf in der „Active“-Ausstattung für 20.000 € (also günstiger als der Dolphin G DM-i) sind 322 km im gemischten WLTP-Zyklus möglich. Auf der Autobahn sind es etwas weniger als 200 km, wobei eine Aufladung von 10 auf 80 % in 25 Minuten ausreicht. Es ist durchaus möglich, Marseille mit nur einer Ladepause nach Lyon zu erreichen oder Lyon mit drei kurzen Pausen nach Straßburg – für gelegentliche Fahrten nichts Unüberwindbares.

Die Super-Hybrid-Antriebstechnologie des Dolphin G DM i / Bild: BYD.
Detail der Dolphin G DM i / Bild: AP.

Die letzten Skeptiker für sich gewinnen

Dennoch erscheint uns die Dolphin G DM-i in bestimmten Nischen nützlich. Beispielsweise für Verkäufer, die täglich Hunderte von Kilometern zurücklegen und regelmäßig aufladen können (und wollen), obwohl diese Berufsgruppe im Allgemeinen kein Interesse an Stadtautos hat. Wir denken auch an Autofahrer, die zu Hause eine Ladestation haben, aber kategorisch ablehnen, für ihre langen Fahrten – selbst wenn sie außergewöhnlich sind – auf voll elektrische Fahrzeuge umzusteigen.

Für diese wenigen Personen kann das aufladbare Hybridfahrzeug tatsächlich eine Stufe auf dem Weg zu einem rein elektrischen Fahrzeug sein. Sie erhalten ausreichend elektrische Reichweite für den täglichen Gebrauch sowie eine Reichweite von 900 km mit dem Benzinmotor – ein kleines Luxusgut bei den aktuellen Kraftstoffpreisen.