Erstes Förder-Fazit: Großer Run auf deutsche Lkw-Ladesubvention

Der Bund fördert seit diesem Jahr öffentliche und private Lkw-Ladeinfrastruktur. Zu den ersten drei Förderaufrufen aus dem Frühsommer hat der Projektträger Jülich nun eine erste Bilanz gezogen: Alle drei Runden, deren Budget zusammen bei rund 300 Millionen Euro lag, waren deutlich überzeichnet. Weitere Aufrufe sollen bald folgen.
Kurzer Rückblick: Das Bundesverkehrsministerium kündigte Anfang Mai an, im großen Umfang den Aufbau von E-Lkw-Ladeinfrastruktur zu bezuschussen. Die entsprechende, neue Förderrichtlinie richtet sich sowohl an Unternehmen, die Ladeinfrastruktur im eigenen Depot errichten, als auch an Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte. Zum Start machte das Ministerium gleich drei separate Förderaufrufe publik:
Aufruf A – Förderaufruf nicht-öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen: Hier ging es um Ladepunkte für die betriebseigenen Fahrzeuge oder einen eingeschränkten Nutzerkreis. Anträge konnten im Endeffekt nur am 5. Juni 2026 gestellt werden, denn die Förderrunde war innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Die Bewilligung der pauschalen Förderung erfolgt nun in der Reihenfolge der Antragseingäng (es gibt kein Auswahlverfahren). Pro Ladepunkt müssen mindestens 50 kW Leistung errichtet werden, jede installierte kW wird mit 500 Euro netto gefördert.
Aufruf B – Förderaufruf nicht-öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für alle Unternehmen: Hier ging es um Ladepunkte für die betriebseigenen Fahrzeuge oder einen eingeschränkten Nutzerkreis. Anträge konnten vom 12. Juni bis zum 7. Juli 2026 eingereicht werden. Die Bewilligung erfolgt nun anhand eines wettbewerblichen Auswahlverfahrens. Pro Ladepunkt müssen mindestens 50 kW Leistung errichtet werden, jede installierte kW wird auch hier mit bis zu 500 Euro netto gefördert.
Aufruf C – Förderaufruf öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur: Hier ging es um Ladepunkte an Rastanlagen, Ladehubs oder an öffentlichen Umschlagplätzen. Anträge konnten vom 12. Juni bis zum 7. Juli 2026 eingereicht werden. Die Bewilligung erfolgt auch hier im Wettbewerb. Pro Ladepunkt müssen mindestens 100 kW Leistung errichtet werden, jede installierte kW wird mit bis zu 500 Euro netto gefördert.
Während der Aufruf A also am 5. Juni gelaufen ist und noch am selben Tag beendet wurde, mussten die Verantwortlichen die Antragsfrist für die beiden anderen Aufrufe verschieben: Diese sollten ursprünglich am 26. Mai freigeschaltet werden, los ging es aber im Endeffekt wegen technischer Probleme erst am 12. Juni. Antragsteller hatten somit bis zum 7. Juli einen knappen Monat Zeit, ihre Unterlagen für die Aufrufe B und C einzureichen.
In seiner Auswertung gibt der Projektträger Jülich nun an, die Verteilung von rund 300 Millionen Euro für die drei Förderaufrufe zu koordinieren. Insgesamt plant der Bund für die Ladeinfrastruktur-Förderung im Lkw-Bereich rund eine Milliarde Euro über vier Jahre ein. Als zentrales Fazit der ersten Förderrunden hält Jülich fest: „Die Nachfrage übersteigt die verfügbaren Mittel in allen drei Aufrufen deutlich und zeigt, wie wichtig dieses Förderprogramm ist. Positiv ist auch, dass zeitnah neue Förderaufrufe angekündigt sind.“ Das große Interesse an allen drei Förderaufrufen unterstreiche, dass die Branche die Transformation nicht nur mitträgt, sondern aktiv einfordert.
Besonders deutlich wird die hohe Nachfrage laut der Jülich-Auswertung beim Förderaufruf A: Hier gingen rund 430 Anträge ein mit einer beantragten Fördergesamtsumme von circa 150 Millionen Euro. „Die ursprünglich zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 50 Mio. Euro waren bereits nach wenigen Stunden ausgeschöpft. Trotz kurzfristiger Erhöhung der zur Verfügung stehenden Mittel auf 150 Mio. Euro musste der Förderaufruf noch am selben Tag geschlossen werden“, heißt es dazu im Resümee des Projektträgers. Und: „Alle Antragsteller, die an diesem Tag einen Antrag über das Antragsportal eingereicht haben, sollen nach Prüfung und unter Vorbehalt der Vollständigkeit und Förderfähigkeit einen Zuwendungsbescheid erhalten.“
Das hatte Jülich uns auch bereits im electrive-Interview kurz nach der Förderrunde bestätigt. Allerdings haben uns Unternehmer im Nachgang des Aufrufs mitgeteilt, dass sie durch technische Probleme beim Antragsverfahren gar nicht dazu gekommen waren, ihren Antrag hochzuladen. Der Unmut, dass Teilnehmer gar nicht erst die Chance bekommen haben, für die Förderung berücksichtigt zu werden, entlud sich unter anderem auf Linkedin. Es dürfte etliche potenzielle Antragsteller gegeben haben, die leer ausgegangen sind. Jülich stellte in unserem Interview für die kommenden Runden immerhin ein neues Antragssystem in Aussicht, das in Regie des Digitalministers liegt und die Hoffnung nährt, dass sich solche frustrierenden Erlebnisse nicht wiederholen.
Zum Förderaufruf B, bei dem es nicht um Schnelligkeit ging, sondern bestimmte Wettbewerbskriterien berücksichtigt wurden, kamen rund 1.050 Anträge zusammen, die sich auf beantragte Fördermittel in Höhe von circa 400 Millionen Euro summieren. Allerdings steht hier nur ein Budget von rund 67 Millionen Euro bereit – also nur rund 17 Prozent der gewünschten Fördergesamtsumme.
Zum Zuge kommen hier am ehesten diejenigen Antragsteller, die die wenigsten Förder-Euro pro kW beantragen (sogenannte Förderintensität). „Der Wettbewerb um die Förderung führte dazu, dass bis zur Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden Mittel 206 Projekte, in denen rund 230 Euro/kW oder weniger beantragt wurden, zur Förderung vorgesehen sind“, so Jülich. „Bei gleicher Förderintensität werden Anträge mit einer höheren Ladeleistung besser eingestuft.“
Auch beim Förderaufruf C – der einzige zur öffentlich zugänglichen Lkw-Ladeinfrastruktur – fiel der Wettbewerb um die Fördermittel stark aus: Jülich meldet rund 380 eingegangene Anträge mit einer beantragten Gesamtsumme von einer halbe Milliarde Euro. Zu vergeben sind in dieser Runde allerdings nur 83 Millionen Euro – sprich: ebenfalls nur rund 17 Prozent.
„Für jeden eingereichten Antrag wurde eine objektiv bestimmbare Priorisierungszahl berechnet“, teilt Jülich mit. Zu 70 Prozent zählt auch hier die beantragte Förderintensität, ebenfalls in die Bewertung fließt jedoch ein, ob die förderfähigen Lader an AFIR-Standorten aufgestellt werden sollen und ob sie das sogenannte Durchleitungsmodell unterstützen, bei dem Nutzer ihren eigenen Stromvertrag an die Säule mitnehmen. Beide Sonderkriterien fließen zu 20 bzw. 10 Prozent in die Priorisierungszahl ein.
Jülich resümiert: „Die Anträge wurden dann anhand der Priorisierungszahl gereiht. Aufgrund dieser Reihung werden Anträge bis zur Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden Mittel zur Förderung vorgesehen; diese erreichen Priorisierungszahlen von 58,1450 oder größer.“ Aktuell sind demnach 67 Anträge förderberechtigt, von denen 75 Prozent einen Aufbau an AFIR-Standorten bedienen und 50 Prozent das Durchleitungsmodell integrieren. Die Förderintensität liegt bei 289 Euro/kW oder darunter (wer weder AFIR-Standort noch Durchleitungsmodell aufweisen kann, musste unter 129 Euro/kW bieten).
Die Auswertung des Projektträgers gibt dabei den Stand vom Anfang August wieder. Jülich betont dabei, dass sich Anträge im Detail noch als nicht-förderfähig herausstellen könnten und die Schwellenwerte zu den genannten Förderintensitäten entsprechend noch verrutschen könnten. Außerdem betonen die Verantwortlichen: „Die drei Förderaufrufe sind der Auftakt der Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur für e-Lkw, für die über
die vierjährige Laufzeit insgesamt eine Milliarde Euro bereitstehen. Angesichts der hohen Nachfrage in allen drei Förderaufrufen werden weitere Förderaufrufe zeitnah veröffentlicht.“ Wann genau, präzisiert Jülich allerdings nicht.
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