In Lateinamerika entsteht ein neuer Energiemarkt: Die Batteriespeichersysteme werden in 10 Jahren um das Dreizenfache zunehmen.

Latinamerika tritt in eine neue Phase bei der Energiespeicherung ein. Die gesamte Speicherkapazität von Batteriespeichersystemen (BESS) wird von etwa 2,5 GW im Jahr 2025 auf 34 GW im Jahr 2035 ansteigen, was einer Verdreifachung in nur einem Jahrzehnt entspricht. Das Wachstum liegt bei einer jährlichen Komplexwachstumsrate von nahezu 30 %. Der großflächige Einsatz von Batterien entwickelt sich von einer ergänzenden Technologie zu einem unverzichtbaren Element zur Integration mehrer Solarenergie- und Windenergieanlagen.
Die Zunahme der Erzeugung aus erneuerbaren Energien, die Überlastung der Netze sowie Infrastrukturen für den Stromtransport, die modernisiert werden müssen, treiben die Nachfrage nach Speichermöglichkeiten voran. Doch das Wachstum wird nicht gleichmäßig verlaufen. Chile, Mexiko, Brasilien, Argentinien und die Dominikanische Republik entwickeln Märkte mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften und werden zu den wichtigsten Akteuren dieser Expansion gehören.

Chile führt den lateinamerikanischen Markt für Batterien an
Chile steht derzeit an der Spitze des Energiespeichermarktes in Lateinamerika und beherbergt einige der größten im Betrieb befindlichen BESS-Projekte in der Region.
Die enorme Ausweitung der Solarenergie im Norden des Landes führt zu einem immer offensichtlicheren Problem: Zu bestimmten Zeiten steht mehr erneuerbare Energie zur Verfügung, als das Netz aufnehmen kann. Batterien ermöglichen es, diese Überschüsse zu speichern und die Energie ins System zurückzuleiten, wenn die Solarenergieerzeugung nachlässt.
Diese Notwendigkeit begünstigt außerdem Speichersysteme mit längerer Lebensdauer. Allerdings führt das Wachstum des Marktes selbst bereits zu neuen Herausforderungen. Der Zuwachs an Batterien kann die durch Energiearbitrage erzielten Einnahmen allmählich verringern – ein Phänomen, das als Preiskannibalisierung bekannt ist.
Mexiko kann den Ausbau vor 2030 beschleunigen
Mexiko steht an einem Wendepunkt in der Regulierung. Die neuen Ausschreibungs- und Projektentwicklungsmechanismen, die eine verpflichtende Energiespeicherung vorsehen, könnten bis 2030 eine Kapazität von über 3 GW bereitstellen.
Die Entwicklung des mexikanischen Marktes hängt in hohem Maße davon ab, ob Batterien durch ihre Beteiligung am Stromnetz vorhersehbare Einnahmen erzielen können. Die Energiespeicherung kann in Zeiten hoher Nachfrage Energie liefern, Ausgleichsdienste sowie weitere unterstützende Dienstleistungen anbieten, doch Investoren benötigen klare Regeln, um diese technischen Funktionen in stabile Einnahmen umzuwandeln.
Brasilien bereitet seinen großflächigen Markteintritt vor
Brasil verfügt über eines der größten Stromnetze Lateinamerikas und besitzt ein enormes Potenzial für erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie und Windenergie. Der Speichermarkt benötigt jedoch weiterhin regulatorische Mechanismen, die es ermöglichen, Batterien wirtschaftlich nutzbar zu machen.
Für Dezember 2026 ist in dem Land eine spezielle Ausschreibung für Batteriespeichersysteme geplant. Die Vergabe könnte ab 2028 zu neuen Anlagen führen.
Das größte Hindernis bleibt wirtschaftlicher Natur: Ohne ein definiertes System zur Entlohnung von Dienstleistungen wie Energiemarktvermittlung oder Hilfsdiensten ist es schwieriger, große BESS-Projekte zu finanzieren.
Argentinien setzt auf unabhängige Batterien
Argentinien entwickelt ein anderes Modell. Das Land hat sich auf Ausschreibungsverfahren gestützt, um unabhängige Speichersysteme zu fördern – also Anlagen, die nicht unbedingt direkt mit einer erneuerbaren Kraftwerksanlage verbunden sein müssen.
In den jüngsten Ausschreibungen wurden insgesamt rund 1,3 GW an Speicherkapazitäten vergeben. Die Projekte sollen 2027 in Betrieb genommen werden und dienen insbesondere der Stärkung des Übertragungsnetzes sowie der Verringerung des Risikos von Stromausfällen.
Dieses Modell kann in Märkten besonders relevant sein, in denen die Beschränkungen des Stromnetzes eines der Hauptprobleme bei der Steigerung der erneuerbaren Erzeugung darstellen.
Dominikanische Republik: Pflichtige Batterien neben Solarkraftwerken
In der Karibik ragt die Dominikanische Republik hervor, die über eines der am besten strukturierten Regulierungssysteme für die Energiespeicherung in der Region verfügt.
Das Land fordert eine Speicherkapazität, die 50 % der Solarkapazität in bestimmten Projekten entspricht. Das Regierungsziel ist es, bis 2030 eine Speicherkapazität von 500 MW zu erreichen.
Diese Formel zeigt einen der Ansätze, die lateinamerikanische Länder nutzen, um die Einführung von Batterien zu beschleunigen: Den Ausbau des Speichers direkt mit dem Aufbau neuer Photovoltaikanlagen zu verknüpfen.
Das große Problem und die Chance: Die Finanzierung von Batterien und der Ausbau erneuerbarer Energien
Das prognostizierte Wachstum garantiert allein nicht, dass die 34 GW tatsächlich gebaut werden. Das größte Hindernis für die Energiespeicherung in Lateinamerika bleibt weiterhin das Fehlen ausreichend vorhersehbarer Einnahmequellen.
In vielen Märkten ist bislang noch nicht klar definiert, wie viel Batterien für Hilfsdienste, Kapazität, Frequenzregelung oder Energiearbitrage berechnen dürfen. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Finanzmitteln, administrative Verzögerungen sowie eine begrenzte Anzahl an Energiekäufern, die in der Lage sind, langfristige Verträge abzuschließen.
Die Herausforderung des kommenden Jahrzehnts wird daher darin bestehen, von der Ankündigung von Projekten zum Bau derselben und zur Erreichung wirtschaftlicher Rentabilität überzugehen.
Der Sprung von 2,5 GW auf 34 GW würde Lateinamerika in den nächsten zehn Jahren zu einem der wichtigsten Schwellenmärkte für BESS-Systeme machen. Die Ausweitung von Solarenergie und Windenergie schafft ein Bedürfnis, das Batterien decken können: Elektrizität zu speichern, wenn sie überschüssig ist, und sie wieder in das Netz einzuspeisen, wenn sie benötigt wird.
Chile hat einen Vorteil, während Mexiko, Brasilien, Argentinien und die Dominikanische Republik die Voraussetzungen schaffen, um ihre jeweiligen Märkte zu beschleunigen. Der Unterschied zwischen ihnen liegt weniger im technologischen Potenzial als vielmehr in der Fähigkeit, ausreichende Regulierungen, Finanzierung und Einnahmequellen zu schaffen, damit Batterien von Planungen auf dem Papier zu funktionsfähigen Anlagen werden.