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Elektrotrucker: In 80 Ladungen mit dem eActros um die Welt

Elektrotrucker: In 80 Ladungen mit dem eActros um die Welt

Elektrotrucker Tobias Wagner will mit einem umgebauten Mercedes-Benz eActros 600 in rund einem Jahr 45.000 Kilometer durch 30 Länder fahren. Maximal 80 Ladungen sind eingeplant, für Notfälle hat er eine mobile Alpitronic-Ladestation an Bord.

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Der Lkw-Fahrer und YouTuber Tobias Wagner, bekannt als „Elektrotrucker“, bricht am Sonntag, 20. September 2026, zu einer Weltreise mit einem batterieelektrischen Lkw auf. Abfahrt ist um 11 Uhr am Stand von Mercedes-Benz Trucks in Halle 19/20 auf der IAA Transportation in Hannover. Sein Fahrzeug ist ein zum Expeditionsmobil umgebauter Mercedes-Benz eActros 600. Nach Angaben von Daimler Truck wäre es die erste Umrundung der Erde mit einem batterieelektrischen Fernverkehrs-Lkw.

Geplant sind rund 45.000 Kilometer durch etwa 30 Länder auf fünf Kontinenten. Die Reise soll rund ein Jahr dauern und mit höchstens 80 Ladevorgängen auskommen – eine Anspielung auf Jules Vernes Romanklassiker, die sich auch im Projektnamen „In 80 Ladungen um die Welt“ wiederfindet. Neben der Dokumentation des Fahrzeugs im Alltag soll die Tour vor allem zeigen, wo das Laden schwerer Nutzfahrzeuge bereits funktioniert und wo es noch hakt.

Route über fünf Kontinente

Von Hannover aus führt die erste Etappe über Tschechien, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien in die Türkei. Ab Mitte Oktober ist die Weiterfahrt durch Zentral- und Ostasien vorgesehen. Auf dem Plan stehen unter anderem Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan und China, anschließend geht es über Laos, Thailand und Malaysia bis nach Singapur. Weitere Abschnitte sind in Australien, den USA und mehreren Ländern Lateinamerikas geplant.

Die Streckenführung ist ausdrücklich noch nicht final und kann sich im Laufe der Planung ändern. Gerade in Zentralasien dürfte die Frage, wo sich ein Lkw mit mehr als 600 kWh Batteriekapazität überhaupt laden lässt, einen großen Teil der Vorbereitung ausmachen. Für die Seepassagen zwischen den Kontinenten übernimmt DHL die Verschiffung des Fahrzeugs. Das Logistikunternehmen will außerdem Ersatzteile entlang der Route per Paket zustellen. Zusätzlich kann Wagner auf das internationale Händler- und Servicenetz von Mercedes-Benz Trucks zurückgreifen.

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Vom Serien-Lkw zum Expeditionsfahrzeug

Basis ist ein serienmäßig im Werk Wörth am Rhein gebauter eActros 600 in der Ausführung als 4×2-Pritschenfahrzeug. Für die Reise wurde er an mehreren Stellen angepasst: Er erhielt Einzelbereifung, zwei Halterungen für Ersatzräder sowie Zusatzscheinwerfer, die in die Sonnenblende integriert sind. Auf der Pritsche sitzt ein eigens entwickelter Wohnaufbau des Herstellers Bliss Mobil, der dem Fahrer als Unterkunft dient.

Der eActros 600 ist seit Ende 2024 in Serie und wurde zum „International Truck of the Year 2025“ gewählt. Mercedes-Benz Trucks hatte das Modell zuvor bereits auf einer rund 15.000 Kilometer langen Testfahrt durch 22 europäische Länder sowie auf einer Wintertour über etwa 6.500 Kilometer durch Nordeuropa erprobt – jeweils mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht.

Batterie, Reichweite und Ladeleistung

Angetrieben wird der Lkw von einer selbst entwickelten elektrischen Antriebsachse. Die Energie stammt aus drei Batteriepaketen mit jeweils 207 kWh, zusammen also 621 kWh installierter Kapazität. Verwendet werden Zellen mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP), bei denen laut Hersteller mehr als 95 Prozent der Kapazität nutzbar sind.

Mercedes-Benz Trucks gibt für die Sattelzugmaschine mit 40 Tonnen Gesamtzuggewicht eine Reichweite von 500 Kilometern an, ermittelt bei 20 Grad Außentemperatur. In der sparsamsten Konfiguration sollen bis zu 560 Kilometer möglich sein. Diese Werte lassen sich allerdings nur eingeschränkt auf das Expeditionsfahrzeug übertragen: Wagner ist ohne Auflieger unterwegs, dafür mit Wohnaufbau und auf Strecken mit sehr unterschiedlicher Topografie und Witterung.

Geladen wird über CCS mit bis zu 400 kW. Für Regionen ohne passende Schnellladesäulen hat Wagner eine mobile DC-Ladestation von Alpitronic an Bord installiert. Sie wandelt Wechselstrom aus herkömmlichen Starkstromanschlüssen um und ermöglicht so das Laden mit bis zu 43 kW. Bei einer Batterie dieser Größe bedeutet das Standzeiten von deutlich mehr als zehn Stunden für eine volle Ladung – als Notlösung in Gegenden ohne Schnellladepunkte ist die Station aber ein wichtiger Baustein des Konzepts.

Der Fahrer hinter dem Projekt

Tobias Wagner ist 33 Jahre alt und stammt aus Mühldorf am Inn. Vor seiner Zeit als Berufskraftfahrer war er als Gründer im Aufbau von Lademöglichkeiten für Pkw tätig. Seit 2024 fährt er in Vollzeit für die niedersächsische Spedition Nanno Janssen elektrisch durch zahlreiche Länder Europas und berichtet darüber auf YouTube. Auch von der Weltreise will er regelmäßig berichten und dabei Kunden, Fahrer und Vertreter der Branche treffen.

Nach eigener Aussage will er herausfinden, wie weit der elektrische Fernverkehr tatsächlich ist – und rechnet damit, sowohl auf Regionen zu treffen, in denen das bereits gut funktioniert, als auch auf solche, in denen die Technik an ihre Grenzen stößt.

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